In Spanien

Schlecker will neue Filialen eröffnen

Schlecker gibt nicht auf: Trotz der Insolvenz will die Drogerie-Kette expandieren - in Spanien. Mehr als 60 neue Filialen sind geplant. Trotzdem sucht der Insolvenzverwalter nach Käufern für die Auslandsgesellschaft.
Update: 05.07.2012 - 15:59 Uhr Kommentieren
Der Himmel für Schlecker klart auf: Das Unternehmen sieht seine Zukunft in Spanien. Quelle: dpa

Der Himmel für Schlecker klart auf: Das Unternehmen sieht seine Zukunft in Spanien.

(Foto: dpa)

Madrid/EhingenDie Drogerie-Kette Schlecker will in Spanien trotz der Insolvenz weiter expandieren. Ein Sprecher des Insolvenzverwalters bestätigte am Donnerstag spanische Medienberichte, denen zufolge das Unternehmen in dem Land bis 2014 insgesamt 62 neue Läden eröffnen will. Derzeit betreibt Schlecker dort 1127 Filialen und beschäftige 3228 Mitarbeiter.

Unabhängig davon sucht Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz nach einem Käufer für die Niederlassung in Spanien. Man habe bereits Kontakt zu mehreren Interessenten aufgenommen, sagte er nach Angaben der staatlichen spanischen Nachrichtenagentur Efe.

Er hoffe, dass bis zum Ende des Jahres ein Käufer gefunden werden könne. Spanien sei der Markt, auf dem Schlecker „den größten Erfolg“ erzielt habe. 2011 habe der Umsatz 320 Millionen Euro betragen. Schlecker Spain sei von der Konzernzentrale in Deutschland immer relativ unabhängig gewesen.

Unterdessen gehen in Deutschland die Verhandlungen über die Zukunft der Schlecker-Tochter Ihr Platz weiter. Insolvenzverwalter Werner Schneider verhandele weiter mit interessierten Investoren, sagte ein Sprecher. Sollte für Ihr Platz keine Lösung gefunden werden, würden wohl noch einmal fast 4000 Menschen ihren Job verlieren.

Aufstieg und Fall des Anton Schlecker
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1950, Anfänge: Anton Schleckers Vater, der ebenfalls Anton heißt, eröffnet nach dem Krieg das erste Geschäft der Familie Schlecker. Eine Metzgerfiliale in der Bahnhofsstraße in Ehingen. Noch heute ist das Haus in Familienbesitz, wird von den Ehingern „Ur-Schlecker“ genannt. Die Ladenräume stehen heute leer, zuletzt versuchte sich ein 1-Euro-Laden.

Anton Schlecker
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1961-1974, Lehrjahre: Anton Schlecker lernt den Beruf des Metzgers bei „Schade&Füllgrabe“, einem Frankfurter Lebensmittelhändler. Nach der Lehre leitet er eine Filiale in Kronberg im Taunus. Danach macht er an der Metzgerschule in Augsburg seinen Meistertitel - mit 21 als jüngster in Baden-Württemberg. Er leistet seinen Grundwehrdienst und studiert Lebensmittelhandel an der Hochschule Hohenheim.

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1970-1973, Familie: Anton Schlecker lernt seine Frau Christa 1970 beim Tanztee in Göppingen kennen. Sie heiraten noch im gleichen Jahr. 1971 kommt Sohn Lars (links) zur Welt, zwei Jahre später Tochter Meike (rechts). Schlecker kauft der Familie in den 80er-Jahren ein Grundstück in Ehingen, baut dort die Villa der Familie.

Erste Schlecker-Maerkte ueber Schliessung informiert
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1975, Schleckers Imperium: In Kirchheim-Teck eröffnet der Unternehmer Anton Schlecker seine erste Drogeriefiliale. Seine Einkaufschefs überreden ihn dazu. Schon zwei Jahre später hat Schlecker 100 Filialen, 1984 sind es bereits tausend.

Lars und Meike Schlecker
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1987, Entführung: Am 23. Dezember werden Schleckers Kinder entführt. Drei bewaffnete Männer warten in der Villa. Die damals 14-jährige Meike und ihr Bruder Lars (16) werden in eine Holzhütte verschleppt, Christa Schlecker wird bewusstlos geschlagen. Die Lösegeldforderung: 18 Millionen Mark. Schlecker verhandelt. Über Nacht drückt er den Preis für das Leben seiner Kinder auf 9,6 Millionen Mark. Angeblich, weil er über diese Summe versichert ist. Seither schottet sich die Familie ab.

Schlecker
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1994-1999, Gerichtsverfahren: 1998 werden Schlecker und seine Frau Christa zu je zehn Monaten Bewährungsstrafe verurteilt und zu einer Millionenstrafe wegen Betrugs. Sie haben Mitarbeitern über Jahre vorgegaukelt, sie nach Tarif zu bezahlen, obwohl der Lohn weit darunter lag. 1999 ein zweiter Prozess. Durch Zufall hat man die Entführer seiner Kinder zwölf Jahre nach der Tat bei einem Raubüberfall erwischt. Sie gestehen. Schlecker sagt vor Gericht aus. Es ist der erste öffentliche Auftritt seit der Entführung. Die drei Täter bekommen langjährige Haftstrafen.

Schlecker
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2007, Abstieg: Die Ausdehnung von Schleckers Imperium ist auf dem Höhepunkt: 14.166 Filialen in 17 Ländern. Aber das Geschäft ist schon im freien Fall: 33 Millionen Euro Minus stehen Ende des Jahres unter dem Strich.

In Sachen Ihr Platz zählt nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa vom Dienstag die österreichische MTH Retail Group zum Kreis der Interessenten. Laut früheren Angaben ist auch der Münchner Investor Dubag dabei. Er hatte Anfang Juni über eine Kombi-Lösung verhandelt, die den Schlecker-Tochterfirmen Ihr Platz und Schlecker XL eine Zukunft sichern sollte. Am Ende scheiterten die Gespräche aber und vergangene Woche stand fest, dass im einstigen Schlecker-Imperium auch die mehr als 1100 XL-Mitarbeiter ihren Job verlieren.

Zu den Ihr Platz-Verhandlungen machte Schneiders Sprecher keine genaueren Angaben. Der Austausch sei rege, ein Ende der Gespräche aber nicht absehbar.

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