Inditex Zara-Mutter schwächelt bei der Marge

Inditex meldet neue Rekorde bei Umsatz und Gewinn. Doch die Marge des Zara-Mutterkonzerns fällt so niedrig aus wie seit acht Jahren nicht mehr. Hat der spanische Textilriese den aggressiven Wachstumskurs überzogen?
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Der Inditex-Chef versprach den Anlegern, dass die Bruttogewinnmarge stabil bleibt. Quelle: AFP
Pablo Isla

Der Inditex-Chef versprach den Anlegern, dass die Bruttogewinnmarge stabil bleibt.

(Foto: AFP)

MadridDer spanische Textilkonzern Inditex ist vor allem für Jubelmeldungen gut. Der Zara-Mutterkonzern, der mit seinem Konzept des Fast Fashion die Modeindustrie revolutioniert hat, jagt normalerweise von einem Hoch zum anderen. Das war eigentlich auch heute so, als das Unternehmen aus Arteixo im Norden Spaniens die Jahresergebnisse für 2016 vorstellten: Der Umsatz wuchs um zwölf Prozent auf 23 Milliarden Euro, der Gewinn legte um zehn Prozent auf drei Milliarden Euro zu. Beides waren natürlich neue Rekordwerte

Dennoch ging es an der Börse zunächst bergab, und zwar um fast drei Prozent. Experten machen dafür die Bruttogewinnspanne verantwortlich, die mit 57 Prozent den tiefsten Stand seit acht Jahren erreicht hatte. 2015 betrug sie noch 57,8 Prozent. Die Kennzahl ist für Investoren entscheidend, weil er die Profitabilität eines Unternehmens ausdrückt.

Der Konzern begründete das Minus mit Währungsschwankungen. Iván San Félix vom Madrider Analysehaus Renta 4 macht den starken Dollar dafür verantwortlich. Inditex erzielt knapp 15 Prozent seines Umsatzes in den USA.

Richard Chamberlain von der Investmentbank RCB Capital Markets geht davon aus, dass die Gewinnmarge vor allem wegen eines stärkeren Preiswettbewerbs gesunken ist. Er empfiehlt Inditex dennoch weiter zum Kauf. „Auch wenn der Trend bei der Bruttogewinnspanne einige Investoren beunruhigen mag, ist der Ausblick für das Finanzjahr 2018 stabiler aufgrund von Währungsbewegungen und stabilen Preisen“, so der Analyst. Die Experten der spanischen Bankinter bleiben ebenfalls bei ihrer Kaufempfehlung, weisen jedoch darauf hin, dass das Absacken der Marge „das größte Risiko der kommenden Geschäftsjahre“ sei.

Der Aktienkurs von Inditex entspannte sich, nachdem Konzernchef Pablo Isla erklärt hatte, dass die Bruttogewinnmarge in diesem Jahr nicht sinken werde. Der Kurs lag am Nachmittag knapp im Plus.

Das sind Europas größte Modekonzerne
Platz 10: Calzedonia
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Die Fachzeitschrift „TextilWirtschaft“ untersucht jedes Jahr die Umsätze der größten europäischen Bekleidungshersteller. Die Analyse zeigt: Der Markt steht vor großen Herausforderungen. Zwar konnten die meisten Konzerne wie zum Beispiel Calzedonia wachsen, doch die Krise in Russland und der Ukraine dürfte sich früher oder später in den Bilanzen niederschlagen.

Umsatz 2013: 1,60 Milliarden Euro
Umsatz 2014: 1,85 Milliarden Euro
Veränderung: + 15,4 Prozent

Platz 9: Giorgio Armani
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1975 gründete Georgio Armani das Modelabel Armani. Mittlerweile gehört der Konzern zu den Größten der Modebranche. Für Armani arbeiten rund 6500 Menschen. Neben Kleidungsstücken vertreibt Armani außerdem Home-Artikel und Parfüms. Seit 2002 verkauft der Konzern auch Konfiserie-Artikel sowie verschiedene Honig- und Marmeladensorten. Acht Jahre später entstand im Burj Khalifa in Dubai das erste Hotel im Armani-Stil.

Umsatz 2013: 1,75 Milliarden Euro
Umsatz 2014: 2,00 Milliarden Euro
Veränderung: + 14,2 Prozent

Platz 8: Esprit
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Ehemals etablierte Marken sind zu teuren Restrukturierungen gezwungen. So muss sich Esprit auf die Ansprüche der Kunden im digitalen Zeitalter einstellen, heißt es in der Studie von „TextilWirtschaft“. Auch Gerry Weber ist davon betroffen. Darüber hinaus leiden die Modekonzerne auch unter dem starken Dollar, der die Beschaffung verteuert. Esprit trifft es besonders hart. Bei keinem anderen Modekonzern in den Top-20 ist der Umsatz derart stark geschmolzen.

Umsatz 2013: 2,35 Milliarden Euro*
Umsatz 2014: 2,10 Milliarden Euro**
Veränderung: - 10,7 Prozent

*Geschäftsjahr 2013/14
**Geschäftsjahr 2014/2015

Platz 7: Kering
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Das französisch-italienische Modeunternehmen Kering dürften nur den Wenigsten bekannt sein. Doch mit Labels wie Puma oder Gucci erreicht der Konzern ansehnlich Umsätze. 2014 konnte Kering seinen Umsatz um knapp zwölf Prozent erhöhen.

Umsatz 2013: 2,13 Milliarden Euro
Umsatz 2014: 2,38 Milliarden Euro
Veränderung: + 11,6 Prozent

Platz 6: Hugo Boss
5 von 10

damDie Edelmarke Hugo Boss ist das zweitgrößte Modeunternehmen Deutschlands. Gegründet wurde es 1924 in Metzingen durch Hugo Ferdinand Boss. Ursprünglich stellte Hugo Boss Berufskleidung her. Unrühmlich ist die Vergangenheit des Konzerns. Im Zweiten Weltkrieg stellte der Konzern die Uniformen für SA, SS und die Wehrmacht her. Dafür wurden unter anderem Zwangsarbeiter aus West- und Osteuropa eingesetzt. Erst nach dem Krieg und dem Tod des Gründers 1948 wurde Hugo Boss zum Modekonzern. Unter der Leitung von Hugo Ferdinand Boss' Schwiegersohn Eugen Holy begann das Unternehmen damit, Herrenanzüge herzustellen.

Umsatz 2013: 2,43 Milliarden Euro
Umsatz 2014: 2,57 Milliarden Euro
Veränderung: + 5,8 Prozent

Platz 5: Tommy Hilfiger
6 von 10

Modedesigner Tommy Hilfiger rief 1984 in New York sein eigenes Modelabel ins Leben. Dass der Konzern im Ranking europäischer Modekonzerne gelistet ist, hat er seinem Firmensitz zu verdanken. Tommy Hilfiger sitzt seit 1997 in Amsterdam. 13 Jahre später wurde das Unternehmen durch den US-Konzern Phillips-Van Heusen übernommen.

Umsatz 2013: 2,56 Milliarden Euro*
Umsatz 2014: 2,70 Milliarden Euro*
Veränderung: + 5,3 Prozent

*Geschäftsjahr 2013/14
**Geschäftsjahr 2014/15

Platz 4: Christian Dior
7 von 10

Direkt nach dem Krieg gegründet, trug Christian Dior maßgeblich dazu bei, dass sich Paris als Modehauptstadt der Welt etablieren konnte. Insgesamt beschäftigt das Unternehmenskonglomerat über 100.000 Mitarbeiter. Für die Modesparte von Dior arbeiten knapp 3600 Menschen.

Umsatz 2013: 2,26 Milliarden Euro
Umsatz 2014: 2,70 Milliarden Euro
Veränderung: + 19,6 Prozent

Die Gefahr ist, dass Inditex sich sein starkes Wachstum auf Kosten der Marge erkauft. Mit ihrem Umsatzplus von zwölf Prozent liegen die Spanier deutlich vor dem schwedischen Konkurrenten H&M, die ebenfalls am Mittwoch ihre Geschäftszahlen vorstellte und beim Umsatz drei Prozent zulegten.

Die Spanier haben neben der Hauptmarke Zara weitere sieben Marken, unter anderem Massimo Dutti, Bershka, Oysho und Pull&Bear, und sind mit über 7000 Läden in 91 Ländern aktiv. Dieses Jahr will der Konzern weiter in den USA und in China expandieren.

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