Industrieholding
Arques feuert Vorstand

Die Beteiligungsgesellschaft Arques kommt nicht zur Ruhe. Nach hohen Verlusten und zahlreichen Wechseln auf dem Chefsessel hat sich die börsennotierte Industrieholding jetzt überraschend von Vorstandsmitglied Bernd Schell getrennt.

MÜNCHEN. Der Aufsichtsrat habe die sofortige Abberufung Schells beschlossen, teilte Arques mit. Das Unternehmen stellte die Trennung als ganz normalen Vorgang dar. Der Schritt sei eine logische Konsequenz auf die strategische Neuordnung des Unternehmens, sagte ein Sprecher. Arques hat inzwischen deutlich weniger Mitarbeiter und Beteiligungen als zu Boomzeiten. Vier Vorstände seien für das neue, kleinere Unternehmen eindeutig zuviel, hieß es in Starnberg.

Allerdings musste Schell sehr kurzfristig gehen. Der Aufsichtsrat tagte am Dienstagabend, gestern wurde dann Schells sofortiger Abschied verkündet. In der dünnen Pressemitteilung gab es auch kein Wort des Dankes für die Arbeit des Managers in den vergangenen fünf Jahren bei Arques.

Schell war einer der erfahrensten Arques-Manager. Anfang 2008 war der Restrukturierungsspezialist in den Vorstand aufgerückt. Der 42-Jährige verantwortete dort die Sanierung und die Geschäftsentwicklung bei den Beteiligungsunternehmen. Seine Aufgaben sollen nun von Vorstandschef Hans Gisbert Ulmke und den verbliebenen Vorständen Felix Frohn-Bernau und Michael Hütten wahrgenommen werden.

Restrukturierungsspezialisten wie Arques und der Konkurrent Aurelius übernehmen kriselnde Firmen und Konzernteile zu einem oft nur symbolischen Preis, sanieren diese und verkaufen sie im Idealfall mit einem ordentlichen Gewinn weiter. Arques hatte allerdings einige Male daneben gegriffen, zudem ist die Sanierung der Zukäufe in der Wirtschaftskrise deutlich schwieriger geworden.

Arques bemüht sich nun seit einiger Zeit um eine solidere finanzielle Aufstellung. Im ersten Halbjahr machte der Konzern unter anderem wegen hoher Wertberichtigungen einen deutlich gestiegenen Verlust von 115 Mio. Euro. Die Gewinnschwelle wird erst im kommenden Jahr erwartet. Allerdings gab es zuletzt auch Fortschritte. So konnte sich Arques von der größten Beteiligung Actebis trennen, die lange ein Klotz am Bein war. Zudem wurden die Finanzschulden im ersten Halbjahr um 30 Prozent auf rund 150 Mio. Euro gedrückt.

Axel Höpner
Axel Höpner
Handelsblatt / Büroleiter München
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