Informationen aus Branchenkreisen
Finanzpartner für Flugsicherung gesucht

Nach Informationen aus Branchenkreisen sind die Deutsche Lufthansa und andere führende Fluggesellschaften bereit, auch Finanzinvestoren als künftige Miteigner bei der Privatisierung der Deutschen Flugsicherung (DFS) zu akzeptieren.

HB FRANKFURT/BERLIN. Lufthansa lasse die bislang abgelehnte Beteiligung eines Finanzpartners prüfen, erfuhr Reuters am Mittwoch aus den Kreisen. Die Fluggesellschaften hätten Schwierigkeiten, die Übernahme der knapp 75 Prozent zum Verkauf stehenden Anteile an der bisher staatlichen Flugsicherung allein zu schultern.

Unterdessen kritisierte die im Auftrag der deutschen Regierung handelnde Monopol-Kommission am Mittwoch das Privatisierungsgesetz des Bundes. Das Beratergremium forderte einen Zwei-Stufen-Plan. Der Bund solle zunächst die Mehrheit an der DFS behalten und eine Minderheit an Fluggesellschaften verkaufen. Wenn das private Fluglotsenunternehmen dann effektiv arbeite, sollten weitere Anteile über den Kapitalmarkt verkauft werden.

Bisher konkurrierten Fluggesellschaften und andere Interessenten aus der deutschen Luftfahrtbranche mit internationalen Finanzinvestoren um die DFS-Mehrheit. Angesichts des Kostendrucks seien aber viele Luftfahrtpartner der Lufthansa nicht bereit oder in der Lage, eine größere Summe für den Kauf der DFS aufzubringen, hieß es den Kreisen. „Es wird jetzt auch bei Private-Equity-Firmen gesucht“, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person.

Lufthansa, Air Berlin, der Reisekonzern TUI mit seiner Flugtochter Hapagfly, LTU und andere Unternehmen wollten eigentlich ein Konsortium zur DFS-Übernahme schmieden. Dabei argumentierten sie bislang, es gehe darum, Private-Equity-Firmen abzuwehren, damit diese nicht aus reinem Gewinnstreben die Fluglotsengebühren in die Höhe treiben könnten.

Der Bund will die Flugsicherung zum Jahresende privatisieren. Als Preis wird in der Branche über einen Betrag von mehreren hundert Mill. bis hin zu einer Milliarde Euro spekuliert. Die Flugsicherung mit einem Jahresumsatz von knapp einer Milliarde Euro wird trotz Privatisierung laut Gesetz noch mindestens 16 Jahre als Monopolist die Lotsendienste im deutschen Luftraum anbieten. Deshalb gilt eine Kapitalbeteiligung angesichts steigender Flugzahlen als lukratives Investment.

Allerdings belastet der Streit um die künftige Gebührenordnung die Privatisierungsvorbereitungen. Aufgrund internationaler Bilanzierungsregeln muss die DFS ihre Pensionszusagen für die knapp 5 000 Beschäftigten künftig in Form von Rückstellungen absichern. Dies führt aktuell zu einem Finanzloch von 780 Mill. Euro. Die DFS will deshalb für 2007 zunächst die Gebühren um knapp 13 Prozent erhöhen, um sie anschließend nach und nach wieder senken. Die Erhöhung stößt bei den Fluggesellschaften auf Widerstand.

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