Innenstädte im Umbruch Mehr essen, weniger shoppen

Lange wurden Cafés und Restaurants aus den Innenstädten verdrängt. Jetzt kehrt die Gastronomie zurück und füllt vielerorts die Lücken, die der Online-Boom gerissen hat.
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Die Pause nach dem Shoppen in der City wird zum Dauerzustand. Quelle: dpa
Restaurant in der Innenstadt

Die Pause nach dem Shoppen in der City wird zum Dauerzustand.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDeutschlands Innenstädte sind im Umbruch. Der Textilhandel ist auf dem Rückzug, dafür machen in den Einkaufsstraßen immer mehr Cafés und Restaurants auf. Das Motto: Mehr essen, weniger shoppen. Und das dürfte erst der Anfang sein. Der Geschäftsführer des Kölner Instituts für Handelsforschung (IFH), Boris Hedde, sieht für die Zukunft noch einschneidendere Veränderungen. Er prognostiziert: „Die Innenstadt wird ein Erlebnispark.“ Dann fügt er noch hinzu: „Hoffentlich.“

Tatsächlich sehen sich die Einkaufsstraßen zwischen Kiel und Garmisch-Partenkirchen mit der größten Herausforderung seit Jahrzehnten konfrontiert. Die Verbraucher erledigen einen immer größeren Teil ihrer Einkäufe im Internet. Immer weniger Konsumenten finden deshalb noch den Weg in die Innenstädte.

Die Folge: Immer mehr klassische Modehändler müssen ihre Tore schließen. Und wenn die Räume neu vermietet werden, zieht immer öfter ein Gastronomiebetrieb in die verwaisten Räume. „Bei den Neuvermietungen in den Innenstädten liegt der Anteil der Gastronomie inzwischen bei über 20 Prozent, das ist mehr als doppelt so viel wie noch vor einigen Jahren“, berichtet Dirk Wichner vom Immobilien-Berater JLL. Vor allem Restaurantketten wie Vapiano, Alex, Extrablatt oder Hans im Glück seien auf dem Vormarsch.

Der „Immobilien Zeitung“ war das Comeback der Gastronomie in den Innenstädten bereits eine lange Geschichte wert. Ihr Titel: „Das große Fressen“. Die Kernbotschaft: „Lange wurden Gaststätten und Cafés aus den Innenstädten verdrängt, jetzt kehrt die Gastronomie zurück.“ Auch der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) kommt in einem Branchenbericht zum Ergebnis: „Großstädte ohne Kaffeebars sind kaum mehr vorstellbar.“

Dabei ist der Siegeszug des Onlinehandels nach Einschätzung von Wichner nicht der einzige Grund für die Entwicklung. Im öffentlichen Bewusstsein gewinne Essen generell an Wichtigkeit, die Bedeutung der Mode dagegen schwinde. „Bei Facebook wird inzwischen ein Foto vom Essen gepostet, nicht von der neuen Jacke“, beschreibt er den Wandel.

Für den Immobilen-Experten ist die Entwicklung nicht negativ. „Der Verbraucher holt sich seine Innenstädte zurück“, meint er. Die vergangenen Jahrzehnte seien eine Art Kaufrausch-Zeitalter gewesen, in dem der Konsum die Innenstädte dominiert habe. „Dessen sind die Menschen überdrüssig. Jetzt kommt der Erlebnischarakter dazu.“

Wichner erwartet auch ein Revival der Innenstadt-Kinos. Denn die Mieten würden so weit sinken, dass es für die Filmtheater dort wieder Raum gebe. Außerdem werde es in Zukunft in der City auch wieder mehr Waren des täglichen Bedarfs geben. Die großen Lebensmittelhändler drängten bereits massiv in die Innenstädte.

Das sind Deutschlands größte Shopping-Center
Platz 15: Donau Einkaufszentrum, Regensburg
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Das Donau Einkaufszentrum in Regensburg hat Geschichte: Bei seiner Errichtung 1967 war es das erste vollklimatisierte, zweigeschossige Einkaufszentrum Europas. Außerdem war es bei seiner Eröffnung das erste Einkaufszentrum Bayerns. Über die Jahre wurde es mehrmals erweitert, die Mietfläche erstreckt sich heute über 68.200 Quadratmeter.

Quelle: EHI Retail Institute

Platz 13: Rhein-Ruhr-Zentrum, Mülheim an der Ruhr
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Das Rhein-Ruhr-Zentrum in Mülheim wurde 1973 auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Humboldt eröffnet. Der Bau kostete rund 150 Millionen D-Mark. Heute verfügt es über rund 70.000 Quadratmeter Verkaufsfläche.

Platz 13: Limbecker Platz, Essen
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Die durchschnittliche Größe der Malls in Deutschland ist zuletzt stark gestiegen. Betrug sie 2013 noch 24.000 Quadratmeter, waren es 2014 schon 40.000 Quadratmeter im Schnitt. Der Limbecker Platz in Essen liegt da noch deutlich drüber. 70.000 Quadratmeter Mietfläche bedeuten den geteilten Platz 13.

Platz 12: Nova Eventis, Günthersdorf
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Der Einkaufs- und Erlebnispark Nova Eventis in Günthersdorf entstand nach einem 170 Millionen Euro schweren Umbau des Vorgänger-Centers Saale-Park und wurde 2006 eröffnet. Zwischen Leipzig und Halle verpasst gelegen ist es mit 76.000 Quadratmetern Mietfläche das größte Einkaufszentrum der Region Leipzig-Halle.

Platz 11: Boulevard Berlin, Berlin
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Der Boulevard Berlin in Steglitz ist eine von mehreren Mega-Malls in der Hauptstadt. Erst 2012 eröffnet, wurde die Ladenfläche von ursprünglich 76.000 Quadratmetern bereits auf 80.015 Quadratmeter Mietfläche erweitert.

Platz 10: Elbepark, Dresden
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Seit seiner Eröffnung 1995 wuchs der Elbepark in Dresden trotz Protesten des örtlichen Einzelhandels mehrmals deutlich. Nach der jüngsten Erweiterung verfügt er über eine Ladenfläche von 81.000 Quadratmetern.

Platz 9: LP12 Mall of Berlin, Berlin
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Die LP12 Mall of Berlin am Leipziger Platz wurde im September 2014 eröffnet – das LP12 steht dabei für die Anschrift Leipziger Platz 12. Derzeit verfügt es über eine Mietfläche von 85.000 Quadratmetern.

Auch für Boris Hedde steht fest: Der Handel wird zwar weiter eine große Rolle in den Innenstädten spielen, aber er wird nicht mehr die Monopolstellung haben wie in der Vergangenheit. Besuchermagneten würden in Zukunft oft andere Spieler sein: „Die Gastronomie und alles, was mit Freizeit zu tun hat.“

Doch wird der Umbruch wohl auch Opfer fordern. Nicht jede Innenstadt wird den Wandel vom Einkaufszentrum zum Erlebnisraum schaffen. Gute Zukunftsaussichten haben nach Einschätzung von Experten Metropolen wie Hamburg, München oder Düsseldorf, aber auch kleinere Städte mit Charakter wie Freiburg, Münster und sogar das winzige, aber für seine gut 2000 Fachwerkhäuser berühmte Quedlinburg in Sachsen-Anhalt.

„Nicht nur die Größe der Stadt entscheidet über die Zukunftsperspektiven, sondern vor allem die Aufenthaltsqualität“, meint Wichner. Münster habe da zurzeit bessere Karten als etwa die eher unwirtliche Friedrichstraße in Berlin.

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  • dpa
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