Inside: Aer Lingus
Stock zwischen den Speichen

Zu beneiden ist Dermont Mannion nicht: Der Chef von Aer Lingus hat von dem heutigen British-Airways-Chef Willie Walsh eine sanierte Fluggesellschaft übernommen und an die Börse gebracht. Doch trotz der Einnahmen aus dem Börsengang muss sich Mannion mit einem Großaktionär herumschlagen, der ihm ständig Stöcke zwischen die Speichen steckt.

LONDON. Die Rede ist von Ryanair, dem größten europäischen Billigflieger. Der Erzkonkurrent hat den Börsengang genutzt, um sich bei der ehemaligen irischen Staats-Airline einzukaufen. Der anschließende Übernahmeversuch schlug zwar fehl und einen neuen Anlauf hat inzwischen die EU-Kommission unterbunden, aber der streitbare Ryanair-Chef Michael O’Leary macht Mannion mit einem Anteil von 29,4 Prozent das Leben schwer.

Im August und September beantragte Ryanair erfolglos außerordentliche Hauptversammlungen bei Aer Lingus – aus offensichtlich eigennützigen kommerziellen Motiven. Aer Lingus will die Flüge vom westirischen Shannon nach London-Heathrow einstellen, um Slots für Flüge von Heathrow zur neuen Basis Belfast freizubekommen. Das wollte Ryanair per Hauptversammlungsbeschluss verhindern. Welch Zufall, dass auch Ryanair gerade eine Basis in Belfast eröffnet hat.

Vor diesem Hintergrund ist es verständlich, dass Mannion nun per Klage vor dem Europäischen Gericht Erster Instanz in Luxemburg dafür sorgen will, dass Ryanair die Anteile an Aer Lingus abgeben muss. Doch die Entscheidung kann, wie das Unternehmen selber eingesteht, zwei Jahre dauern. Für zusätzliche Unsicherheit sorgt der Einspruch Ryanairs gegen die Entscheidung der Kommission.

Mit dem lästigen Großaktionär muss Mannion also auf mittlere Sicht leben. Und er schränkt seinen Spielraum nicht nur direkt durch Störmanöver, sondern auch indirekt ein. Das Gegengewicht zu Ryanair sind nämlich der Staat und die Belegschaftsaktionäre, die gemeinsam mit ihren Anteilen eine Übernahme durch Ryanair im Herbst 2006 verhindert haben. Ihnen darf Mannion nicht zu sehr auf die Füße treten, wenn er ihren Schutz nicht verlieren will.

Das wird nicht einfach, denn Aer Lingus will und muss die Kosten um weitere 20 Millionen Euro im Jahr senken, um das ungewöhnliche Geschäftsmodell zwischen Billigflieger und traditioneller Staats-Airline durchhalten zu können. Im jüngsten Tarifkonflikt um die Bezahlung von Piloten in der ersten Auslandsbasis Belfast fuhr Mannion schweres Geschütz gegen die streikbereiten Angestellten auf und setzte am Ende niedrigere Tarife in Nordirland durch. Doch zu weit kann er es nicht treiben – schon Vorgänger Walsh hat gelernt, dass der Staat bereit ist, sich bei harten Einschnitten auf die Seite der Gewerkschaften zu stellen.

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