Inside: Aeroflot
Der Riese erwacht

Aeroflot war in der Sowjet-Ära die größte Fluglinie der Welt. Nach dem Ost-West-Konflikt wurde sie einer Schrumpfkur unterzogen und schreibt heute Millionengewinne. Für den russischen Präsidenten Putin ist Aeroflot ein „strategisches“ Unternehmen – ausländische Mehrheitsaktionäre sind unerwünscht.

MOSKAU. Die zahlreichen Witze über die russische Fluglinie Aeroflot werden sich sicher noch lange halten. Meistens geht es um unhöfliche Stewardessen, schlechtes Essen und harte Landungen. Die zu sowjetischen Zeiten größte Fluglinie der Welt galt in den neunziger Jahren als unsicher: Nach dem Zerfall der Sowjetunion zerbrach sie in viele regionale Einheiten – die „Babyflots“, die weit unter internationalem Niveau zum Teil bis heute operieren.

Doch nach der Schrumpfkur hat sich die verbliebene Aeroflot wieder gefangen. Die Linie, die über Jahre regelmäßig Verluste in dreistelliger Millionenhöhe einflog, ist inzwischen Mitglied des Sky Team um Air France und KLM. Und selbst im Jahr 2005, als die Preise für Kerosin um über 40 Prozent stiegen, konnte Aeroflot einen Nettogewinn von 184 Millionen Dollar erwirtschaften. Getragen wird das Wachstum vom Wirtschaftsboom in Russland, der, befeuert von Gewinnen aus dem Energie- und Rohstoff-Sektor, die Reiselust der Russen gesteigert hat.

So gut hat sich die nationale russische Fluglinie gefangen, dass sie nun für die marode italienische Alitalia bietet – die italienische Regierung rechnet insgesamt mit Investitionen von drei Milliarden Euro.

Das Gebot macht durchaus Sinn. Denn die Russen könnten mit ihrer ersten internationalen Übernahme ihre Position auf dem europäischen Markt mit einem Schlag kräftig ausbauen. Offenbar haben sie auch das Zeug zu schwierigen Sanierungen. Doch der Griff nach Alitalia dürfte nicht nur einem rein betriebswirtschaftlichen Kalkül folgen, denn bei Aeroflot hat am Ende der Kreml das Sagen.

Das Management um Generaldirektor Walerij Okulow ist nicht wirklich Herr im Haus. Der russische Staat hält mit 51 Prozent die Mehrheit und macht die Fluglinie zum politischen Spielball. Zuletzt kam es sogar zu einem handfesten Streit mit den privaten Investoren: Weil die russische Führung den dringend benötigten Kauf neuer Boeing- oder Airbus-Maschinen zur politischen Pokerpartie mit den USA und der EU nutzte, blieb die Entscheidung auf der langen Bank liegen. Aeroflot-Großaktionär Alexander Lebedew platzte schließlich der Kragen, und so reservierte er im Herbst bei Boeing die Flugzeuge selbst – aus eigener Kasse. Angeblich bevorzugt auch das Aeroflot-Management die US-Flieger.

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