Inside: Ahold
Gefährliche Aufspaltung

Heuschrecken-Alarm beim niederländischen Supermarktriesen Ahold: Zwei Hedgefonds – der eine Paulson & Co., der andere Centaurus Capital – dürften derzeit Konzernchef Anders Moberg um den nächtlichen Schlaf bringen. Ihre Forderung: Die Niederländer sollen ihren Konzern aufspalten – in einen europäischen und einen amerikanischen Teil.

Der Unternehmenswert, so argumentieren die beiden Ahold-Investoren, die zusammen 6,4 Prozent der Aktien halten, ließe sich damit spielend um mehr als ein Viertel auf 14 Mrd. Euro steigern. Der seit dem Bilanzskandal 2003 dahindümpelnde Aktienkurs würde durch eine Aufteilung des Geschäfts von sieben auf neun Euro emporschnellen, glauben Paulson und Centaurus.

Die öffentliche Verbreitung ihrer Forderung trieb die Ahold-Aktie um drei Prozent nach oben – und machte die beiden Hedgefonds auf einen Schlag um 25 Mill. Euro reicher. Nicht auszuschließen, dass dies die wesentliche Absicht ihres Vorstoßes war. Um bei Ahold wirklich das Sagen zu haben, müssten sie nach heutigem Stand mindestens für 4,9 Mrd. Euro Firmenpapiere nachordern. Gäbe es einen solchen Übernahmeplan tatsächlich, hätten sich die Hedgefonds ihre kurstreibende Zerschlagungsrhetorik vorab sicherlich verkniffen. Unternehmensnahe Quellen bestätigten zudem, dass keiner von beiden Aktiennachkäufe bei Ahold ins Auge gefasst habe.

Für Moberg ist die Situation dennoch brenzlig. Denn auch Analysten begrüßen inzwischen die Zerschlagung. Ahold besitze „viele Einheiten mit wenig Synergien“, stimmt etwa Stefaan Genoe von der Amsterdamer Petercam Bank in den Chor der Hedgefonds ein. Sollten dem Petitum genügend Kleinaktionäre folgen, droht dem Ahold-Chef eine ähnliche Situation wie zuletzt Werner Seifert bei der Deutschen Börse. Dort hatte der Hedgefonds TCI mit 7,4 Prozent Aktienanteil die Übernahme der London Stock Exchange verhindert und Börsenchef Seifert zum Rücktritt gezwungen.

Ahold selbst würde eine von den „Heuschrecken“ initiierte Geschäftsaufteilung womöglich den Todesstoß versetzen. Gerade im Lebensmittelhandel gelten hohe Ordermengen, mit denen sich die Einkaufspreise bei den Lieferanten drücken lassen, als wesentlicher Erfolgsfaktor. Was zählt, ist die Größe des Konzerns.

Allein mit ihrem europäischen Geschäft wären die Niederländer deshalb kaum noch überlebensfähig. Die Albert-Heijn- und Schuitema-Märkte in Holland kämen zusammen mit dem Geschäft in Polen, Tschechien und der Slowakei gerade noch auf einen Jahresumsatz von 10,5 Mrd. Euro. Der Amsterdamer Konzern wäre damit kaum größer als die einstige Spar Deutschland, das Ende damit absehbar. Zur Erinnerung: Nach jahrelangen Verlusten wurde Spar im vergangenen Jahr durch Edeka geschluckt.

Zudem ist das USA-Geschäft für Ahold alles andere als ein Ballast. Mit einer Betriebsergebnis-Marge von 4,9 Prozent liegen die US-Supermärkte über denen in Europa, die nur auf 4,1 Prozent kommen. Kein Wunder, dass bereits der belgische Konkurrent Delhaize Interesse bekundet hat.

Weniger erfolgreich ist mit 1,3 Prozent Marge zwar der Gastronomie-Zustelldienst US-Foodservice. Mit der Tochter geht es derzeit jedoch deutlich bergauf. Dass ein solches Unternehmen nicht in einen Supermarktkonzern gehört, widerlegt der deutsche Konkurrent Rewe. Die Kölner verdienen an ihrer Transgourmet glänzend.

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