Inside Air-Berlin
Für Überraschungen gut

Bei Air Berlin steigt die Spannung: Nach den jüngsten Übernahmen von LTU und Condor könnte auch der für Morgen erwartete Neunmonatsbericht von Joachim Hunold, Vorstandschef der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft Air Berlin, für eine Überraschung sorgen. Doch Kritiker mahnen: Größe ist nicht gleich Stärke. Air Berlin ist anfälliger denn je.

DÜSSELDORF. Joachim Hunold, Vorstandschef der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft Air Berlin, ist für Überraschungen gut. Bei der Bilanzpräsentation im März wartete Hunold mit der Übernahme der Ferienfluggesellschaft LTU auf und im September, als er eigentlich die Integration der LTU skizzieren wollte, gab er eine weitere Übernahme, die der Charterfluggesellschaft Condor, bekannt. Morgen will der Selfmademan nun den Neunmonatsbericht für den SDax-Konzern vorstellen – und die Spannung steigt, ob es bei den Zahlen bleibt oder ob Hunold erneut eine Überraschung parat hat.

Analysten und Branchenbeobachter mahnen die Konzentration auf das Kerngeschäft an. Denn Größe ist nicht gleich Stärke. Der aggressive Akquisitionskurs soll nicht länger auf Kosten des Gewinns gehen. Nach einem schwachen ersten Quartal und einem Gewinneinbruch im zweiten Quartal hatte Air Berlin die Jahresprognose im August gesenkt. Am Aktienmarkt sind die Titel seit Mai auf Talfahrt und notieren aktuell unter ihrem Ausgabepreis von knapp zwölf Euro. Die Fluggesellschaft ist damit nicht einmal mehr 700 Millionen Euro wert. Das ist weniger als die Hälfte vom Jahresumsatz 2006 in Höhe von 1,6 Milliarden Euro. Zählt man die seit Sommer voll konsolidierte LTU mit einem Jahresumsatz von 1,2 Milliarden Euro in 2006 noch hinzu, dann ist es sogar nur ein Drittel. Andere aggressiv expandierende Fluglinien wie Europas führende Billigcarrier Ryanair und Easyjet sind mit dem Zwei- bis Dreifachen ihres Umsatzes bewertet.

Die Konzentration auf profitables Wachstum ist auch im Hinblick auf die Anfälligkeit für exogene Schocks ratsam. Sollten die rot lackierten Flugzeuge aufgrund von Terror, Krankheiten oder Konjunkturkrise am Boden bleiben müssen, dürfte es für Air Berlin schnell eng werden. Die Mehrzahl der rund 130 Flugzeuge ist geleast. Durch die regelmäßigen Leasingraten entsteht ein nicht unerheblicher negativer Cashflow (140 Millionen Euro in 2006), der durch das operative Geschäft gedeckt werden muss. Zum Vergleich: Die Lufthansa besitzt die meisten ihrer Flugzeuge selbst und überstand auch aus diesem Grund die Krise in Folge der Terroranschläge von 2001 relativ glimpflich.

Tanja Kewes
Tanja Kewes
Handelsblatt / Chefreporterin
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