Inside: Air Berlin
Lauter Luftbuchungen

Joachim Hunold steht ein schwerer Gang bevor. Eigentlich müsste er am Montag bei der Präsentation der Bilanz "seiner Air Berlin" ein Büßerhemd tragen. Denn vorläufigen Zahlen zufolge ist der Gewinn im Geschäftsjahr 2007 trotz Umsatzplus eingebrochen.

Das Ergebnis nach Steuern betrug nur elf Millionen Euro - nach 50 Millionen Euro im Jahr 2006. Ein schlechtes Jahresergebnis, das ordnungsgemäß angekündigt und nachvollziehbar begründet wird, wäre noch akzeptabel gewesen.

Doch das Jahresergebnis von Air Berlin erfüllt keine dieser Voraussetzungen. Belastungen in Höhe eines zweistelligen Millioneneurobetrags, der durch die Verzögerungen bei der Integration des Ferienfliegers LTU entstanden sein soll, sollte durch aufgelöste Rückstellungen ausgeglichen werden. Die Finanzakrobatik beendete erst ein externer Berater. Das Management hatte bis zuletzt an die Luftbuchungen geglaubt und deshalb keine Gewinnwarnung ausgesprochen.

Die Quittung stellte die Börse aus: Die Aktie brach ein und notiert nur noch bei knapp acht Euro. 2006 war sie für rund zwölf Euro platziert worden und auf 20 Euro geklettert. Die mit einem Umsatz von 2,54 Milliarden Euro zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft ist heute nur noch gut 500 Mill. Euro wert und damit ein Übernahmeobjekt. Diesen Zustand hat sich das Management selbst eingebrockt.

Wieder in den Steigflug zu gehen, wird für Air Berlin schwierig. Die Glaubwürdigkeit ist dahin, weil sich die Prognosen von Finanzvorstand Ulf Hüttmeyer und Vorstandschef Hunold als Luftnummern erwiesen haben. Ein positiver Ausblick allein wird Hunold am Montag nicht retten.

Das Pech, die Pleiten und die Pannen bei der Integration der LTU waren zudem nur ein Vorgeschmack auf die geplante Übernahme der Ferienfluggesellschaft Condor. Da das Bundeskartellamt die Prüfungszeit zum zweiten Mal verlängert hat, mehren sich die Zweifel, dass das Amt die Fusion überhaupt erlaubt. Und wenn Condor tatsächlich im Februar 2009 mehrheitlich an Air Berlin fallen sollte, dann ist es eine Fluggesellschaft ohne Piloten. Die meisten der 450 Flugzeugführer werden ihr Rückkehrrecht zur einstigen Mutter, der Deutschen Lufthansa, wahrnehmen.

Die Schwäche der Air Berlin fußt auch auf der Stärke der Lufthansa. Ihre Situation ist spiegelbildlich. Die 2007er Zahlen waren sehr gut, die Bilanzierung konservativ, das Management genießt eine hohe Glaubwürdigkeit, und die Prognosen sind eher von Vorsicht als von Wagemut geprägt.

Wer Hunold kennt, der weiß, dass er am Montag mutig und trotzig seinen Mann stehen wird. Vielleicht wird er auch seinen Lieblingspiloten, den ehemaligen Rennfahrer Niki Lauda mitbringen, um den Erstflug ins Reich der Mitte zu promoten, der für den 1. Mai geplant ist und für den die Verkehrsrechte eigenen Angaben zufolge bereits vorliegen. Aber auch ein Auftritt als verkleidete Schlitzaugen (nicht Schlitzohren!) von Hunold und Lauda würde die Stimmung wohl nicht sonderlich heben.

Tanja Kewes
Tanja Kewes
Handelsblatt / Chefreporterin
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