Inside: Air Berlin
Rot gesehen

Auf den Flügen nach Schanghai hat Air Berlin-Chef Joachim Hunold in den vergangenen Wochen rot gesehen - und das lag weder an der eigenen Firmenfarbe noch an der chinesischen Flagge. Die Nachfrage für die Strecke Düsseldorf-Schanghai war so gering, dass selbst mit Kampfpreisen von 289 Euro (für Hin- und Rückflug inklusive aller Steuern, Gebühren und Zuschläge) die Maschinen nicht zu füllen waren und schon gar kein Geld zu verdienen war. Die Konsequenz: Ab Juli gibt es nur noch drei statt fünf Flüge pro Woche.

Die Frequenzreduzierung der mit großem (chinesischen) Zirkus eröffneten neuen Strecke ist für Selfmademan Hunold aus Prestigegründen peinlich. Und nicht nur das. Die Reduzierung lässt tief blicken. Sie zeigt, dass die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft nicht mehr um jeden Preis wachsen will ("Umsatz vor Gewinn") oder - negativ betrachtet - auf welch schwieriger Basis Air Berlin operiert. Eine Basis, die es der Fluggesellschaft nicht erlaubt, einer neuen Strecke mehr als eine dreieinhalbwöchige Anlaufphase zu geben. Weitere Frequenzreduzierungen wie jetzt mit Schanghai werden deshalb - positiv oder negativ betrachtet - erwartet. Außerdem drohen weitere Streckenstreichungen wie schon vergangenes Jahr mit den innerbritischen Verbindungen und weitere Standortaufgaben wie jüngst mit Rostock-Laage.

Air Berlin hatte schon im vergangenen Geschäftsjahr - einem Rekordjahr für die Branche - gepatzt. Den Umsatz hatte Air Berlin zwar durch Zukäufe und organisches Wachstum auf 2,5 Mrd. Euro fast verdoppelt, doch der operative Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) war auf 21 Mill. Euro (2006: 64,1) eingebrochen. Auch für das erste Quartal sehen Beobachter rot. Der hohe Ölpreis dürfte die Fluggesellschaft, die diesen nur zu 75 Prozent abgesichert hat, hart getroffen haben. Die Ergebnisse sollen am Donnerstag veröffentlicht werden.

Die Aufnahme der neuen Chinarouten - Air Berlin fliegt seit Mai auch nach Peking - stand unter keinem guten Stern. Die geplante Kooperation mit Hainan Airlines verspätete sich. Die chinesische Fluglinie nimmt ihre neue Strecke Peking-Berlin erst zum September auf, und nicht wie geplant ab Mai. Erst dann können beide Airlines gegenseitig Anschlussflüge übernehmen.

Die Etablierung in China war für Air Berlin in den vergangenen Monaten sicher kein Selbstläufer. Tibet-Krise, Erdbebenkatastrophe und Olympia-Protest trafen auch andere Fluggesellschaften. Die polnische Lot, US Airways sowie United Airlines nahmen geplante neue Strecken nach China erst gar nicht auf - einerseits. Andererseits gibt es bei der Konkurrenz, die das mit Abstand größte Flugangebot zwischen Europa und China bietet, keinen Grund zur Klage: Bei Lufthansa sind Streckenstreichungen oder Frequenzreduzierungen kein Thema. Ganz im Gegenteil. Die frei gewordenen Slots von Air Berlin in Schanghai nimmt Lufthansa bestimmt gerne. Die Frankfurter steuern wegen Kapazitätsengpässen seit März schon den Nachbarflughafen Nanjing an.

Tanja Kewes
Tanja Kewes
Handelsblatt / Chefreporterin
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