Inside: Air Berlin
Unter Beobachtung

Air Berlin befindet sich im Umbruch: Aus dem Ferienflieger soll eine Linienfluggesellschaft werden – mit internationalem Drehkreuz in Düsseldorf und Business Class. Doch Air-Berlin schrieb im ersten Quartal rote Zahlen und steht unter Beaufsichtigung der Finanzgemeinde – Vorwurf ist vermeintlicher Insiderhandel.

DÜSSELDORF In Shorts und Schlappen hat Joachim Hunold Mitte August auf Mallorca seine Strategie präsentiert. Die legere Selbstsicherheit in allen Ehren, doch der Gründer und Vorstandschef von Air Berlin hat die deutsche Fluglandschaft umgekrempelt wie kein Zweiter. Aber praktischer Blaumann oder seriöser Schlips und Kragen sind heute bei der Präsentation der Halbjahreszahlen eher angebracht: Air Berlin ist eine Baustelle und steht in der Finanzgemeinde unter Beobachtung

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Erstens, Air Berlin unter Beobachtung. Es ist nicht nur der Verdacht des Insiderhandels, der seit Monaten auf Hunold und seinem Aufsichtsratschef Johannes Zurnieden lastet. Die Zahlen, die Hunold Ende Mai für das erste Quartal präsentierte, waren tiefrot. Von Januar bis März wurde bei einem Umsatz von 373,1 Millionen Euro ein operativer Verlust von 60,7 Millionen Euro eingeflogen. Und auch für das erste Halbjahr erwarten Analysten keine schwarzen Zahlen. Die Preise seien im Frühjahr in Folge eines massiven Kapazitätszuwachses in der gesamten Branche unter Druck geraten, heißt es. Die Frage laute also nicht, sind die Zahlen gut oder schlecht, sondern wie schlecht.

Mit Spannung erwartet – auch der Ausblick. Wird die Prognose für das Geschäftsjahr nach unten revidiert? Einige Analysten erwarten inzwischen nicht mehr, dass die avisierte Ebit-Marge von sechs Prozent im Jahr 2007 erreicht wird. Die Gerüchte, wonach es eine Gewinnwarnung geben werde, dementierte der S-Dax-Konzern vorigen Donnerstag jedoch sogleich.

Zweitens, Air Berlin ist operativ eine Baustelle. Durch die Übernahmen der Billigfluglinie DBA und der Charterfluggesellschaft LTU ist Air Berlin in den vergangenen 14 Monaten nicht nur zur zweitgrößten Fluggesellschaft Deutschlands aufgestiegen – und damit zum ersten ernst zunehmenden Konkurrenten der Deutschen Lufthansa. Aus Air Berlin, der mittelständischen One-Man-Show, ist zudem ein komplexer Konzern geworden. Die Integration der DBA scheint gut geglückt, und auch die Integration der LTU wird professionell angegangen. Zum ersten Mal hat sich Hunold nicht nur externe Berater (Roland Berger) in den Hangar geholt, sondern ist auch auf Kuschelkurs mit der Arbeitnehmerschaft.

Im Detail ist die Dreierbande aber noch nicht abgestimmt. Während es auf innerdeutschen Flügen wie Düsseldorf-Berlin (früher DBA) Getränke plus Snack gibt, sitzt der Geschäftsreisende auf der originären Air Berlin-Strecke Düsseldorf-London auf dem Trockenen. Unklar ist auch noch, wie das Drehkreuzmodell und die Etablierung der Business Class funktionieren soll: Nur in Langstreckenfliegern soll es eine Business Class geben. Und die Zubringerflüge? Sollen sich die Business-Class-Passagiere dort mit Economy begnügen?

Nach DBA und LTU hat Hunold zudem schon den nächsten Kaufkandidaten im Visier: Condor. Der Ferienflieger würde das Langstreckennetz von Air Berlin gut ergänzen und Condor-Chef Ralf Teckentrup das Managementteam von Hunold. Im März vereinbarten beide ein Codeshare. Ob mehr geht, liegt aber nicht in ihren Händen. Condor gehört zum Reich von Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber. Noch.

Tanja Kewes
Tanja Kewes
Handelsblatt / Chefreporterin
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