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Arcandor: Ist Cook (ver-)käuflich?

Ein Faustpfand gegen den Untergang - so oder ähnlich sehen Branchenexperten derzeit die Rolle von Thomas Cook im Arcandor-Konzern. Gehe es den übrigen Konzerntöchtern Karstadt und Quelle finanziell schlecht, so das Kalkül, besitze Vorstandschef Thomas Middelhoff immer noch die Touristikbeteiligung als Lebensversicherung.

Bislang ist sich die Analystenzunft weitgehend einig. Früher oder später, heißt es etwa bei Unicredit, werde Middelhoff Aktienpakete seiner Touristikbeteiligung opfern, um Löcher bei den übrigen Konzernsparten zu stopfen. Bereits bei den Ende September gescheiterten Kreditverhandlungen hatten Arcandors Geldgeber gefordert, der Essener Konzern möge Thomas-Cook-Papiere versilbern, um seine Finanzen in Ordnung zu bringen.

Daraus wurde bekanntlich nichts. Middelhoff verweigerte die Herausgabe seiner Touristikaktien. Statt des gewünschten Bankenkredits musste eine Kapitalerhöhung den Konzern vor Schlimmerem bewahren. 59 Millionen Euro schoss das Bankhaus Sal. Oppenheim an frischem Geld zu, um dann anschließend auch noch Anteile von Großaktionär Schickedanz aufzukaufen. Knapp 30 Prozent der Stimmrechte an Arcandor sammelte die Kölner Privatbank auf diese Weise ein.

Der Übernahmepreis von 2,60 Euro je Aktie, den Sal. Oppenheim zahlte - bei einem damals aktuellen Börsenkurs von 1,80 Euro -, hatte nach Meinung der Unicredit-Analysten einen Grund: Die Bank wolle sicher gehen, einen Zugriff zu den Aktien von Thomas Cook zu erhalten.

Doch dieser Griff hätte einen gewaltigen Haken. Weil Cook lediglich zu 52 Prozent Arcandor gehört, müsste die Beteiligung bereits beim Verkauf eines geringfügigen Aktienpakets entkonsolidiert werden - mit gravierenden Folgen: Ohne die Touristiktochter, deren Eigenkapital zu 100 Prozent in der Arcandor-Bilanz steckt, rückt der Essener Konzern der Gefahr einer Überschuldung deutlich näher.

Zuletzt nämlich wies die Arcandor-Bilanz zwei Milliarden Euro Eigenkapital aus. Ohne die rund 2,4 Milliarden Euro Eigenkapital, die Thomas Cook in die Bilanz einbringt, wäre der Bilanzposten deshalb negativ, bei einem Komplettverkauf ein großer Teil perdu. Dem Abgang von 2,4 Mrd. Euro Eigenkapital stünden auf der Aktivseite lediglich abgehende Buchwerte von 1,2 Mrd. Euro gegenüber. Allein dies würde Arcandors Eigenkapital auf 800 Millionen Euro reduzieren.

Hinzu kämen Verluste aufgrund der niedrigen Aktienbewertung von Cook. Den 1,2 Milliarden Euro Buchwert der 52-Prozent-Beteiligung steht aktuell nur ein Börsenwert von einer Milliarde Euro gegenüber. Der damit verbundene Bilanzverlust würde das Eigenkapital um weitere 200 Mio. Euro schmälern.

Übrig blieben damit rund 600 Millionen Euro Eigenkapital. Die aber wären, misslingt Middelhoff die Ertragswende, schnell verbraucht. Allein 375 Millionen Euro Verlust türmten sich bei Arcandor in den ersten neun Geschäftsmonaten bis zum 30. Juni 2008 auf. Nach dem Verkauf der profitablen Thomas Cook dürfte das Minus noch größer werden.

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