Inside: Austrian Airlines
Der dritte Weg

Zurzeit gibt es für Fluggesellschaften, die nicht zur Klasse der Billigflieger gehören oder als fliegendes Aushängeschild eines arabischen Königshauses die Lüfte erobern, nur zwei Überlebensstrategien. In Österreich, wo die Verhältnisse nie so eindeutig sind, versucht es die Austrian Airlines Gruppe (Aua) jetzt mit einem dritten Weg.

WIEN. Die erste Überlebensstrategie besteht darin, sich so tief wie möglich in den Schoß von Vater Staat zu verkriechen und zu hoffen, dass er schon aus Prestigegründen die Airline gründlich subventioniert. Bei der zweiten Variante schließt sich die Airline den wenigen Erfolgreichen in dieser Branche an.

In Österreich, wo die Verhältnisse nie so eindeutig sind, versucht es die Austrian Airlines Gruppe (Aua) jetzt mit einem dritten Weg. Das Unternehmen gehört zu 43 Prozent der staatlichen Beteiligungsgesellschaft ÖIAG, weitere 7,25 Prozent halten Banken und Versicherer, die mit der ÖIAG in einem Boot sitzen. Eine österreichische Mehrheit, deren Sinn aus welchen Gründen auch immer am liebsten nicht diskutiert wird, ist damit gewährleistet.

Das Modell hat seine Haken und Ösen. So hat Aua-Chef Alfred Ötsch seine liebe Müh und Not, einen harten Sanierungskurs durchzusetzen, wenn die Politik nicht mitspielt. Gegen den Mehrheitseigentümer läuft nichts. Dennoch hat Ötsch es voraussichtlich 2007 geschafft, mit der Aua wieder aus den roten Zahlen zu fliegen. Allerdings war der Preis hoch: Ötsch strich Langstrecken und entließ Mitarbeiter. Weil er gleichzeitig das Angebot an Kurzstrecken Richtung Osteuropa ausgebaut hat, konnte Aua die Zahl der jährlich beförderten Passagiere mit 10,8 Millionen gerade halten - was in einer schnell wachsenden Branche allerdings bedeutet, dass die Aua gegenüber der Konkurrenz Marktanteile verliert. Das geht auf Dauer nicht gut.

Deswegen hat sich Ötsch auf die Suche nach einem Partner gemacht. Zu groß darf er nicht sein, das würde der Haupteigentümer ÖIAG nicht zulassen. Zu klein darf er auch nicht sein, dann hätte er keinen Nutzen für die Aua. Da kam ihm der österreichisch-saudische Geschäftsmann Mohamed Bin Issa Al Jaber recht. Der will 150 Mill. Euro investieren und dafür sorgen, dass die Aua im Nahen Osten häufiger als bisher landen kann. Steigt er über eine Kapitalerhöhung ein, dürfte ihm das beim derzeitigen Aktienkurs mehr als 20 Prozent an der Fluggesellschaft sichern. Manager Ötsch, Investor Al Jaber und Großaktionär ÖIAG handeln nun die Modalitäten aus, um weder den neuen Geldgeber, noch die alten Eigentümer zu übervorteilen.

So weit, so gut. Nur wem ist damit geholfen? "Too little, too late" ist ein beliebtes Bild von Militärs wie Ökonomen, die beide darauf abzielen, dass eine Krise nur durch einen schnellen und massiven Einsatz von Truppen oder Geld beendet werden kann. 150 Mill. Euro mehr aber sind angesichts eines Umsatzes von 2,6 Mrd. Euro wenig. Die Idee, sich jetzt stärker dem Nahen Osten zuzuwenden kommt angesichts der gewachsenen Konkurrenz jener Fluglinien, die dort ihre Heimat haben, spät. Und an der Börse zählt eine Aua, die dann bis zu Dreiviertel ihrer Anteile in feste Hände abgegeben hat, sicher nicht zu den Überfliegern.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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