Inside: Bilfinger Berger
Allzu vorsichtiger Kaufmann

Der Rückzug des Baukonzerns Bilfinger Berger von reinen Maut-Projekten nach Fehlschlägen bei Tunneln in Lübeck und Sydney hat in der Branche Kopfschütteln ausgelöst. Bilfinger-Chef Herbert Bodner hat dem Bemühen der Branche um privat-öffentliche Partnerschaften bei Infrastrukturprojekten damit einen Bärendienst erwiesen.

DÜSSELDORF. Das Verkehrsaufkommen in beiden Tunneln lag nach zehnmonatigem Betrieb deutlich unter den Erwartungen und hat den Konzern in die roten Zahlen gedrückt, da Bilfinger beide Tunnel sofort vollständig abgeschrieben hat. Gleichzeitig verkündete Bodner einen Strategiewechsel: Künftig will sich Deutschlands zweitgrößter Baukonzern nur noch bei Verkehrsprojekten engagieren, deren Erfolge nur begrenzt an das Verkehrsaufkommen gekoppelt sind.

Für die Baubranche ist Bilfingers Rückzug ein verheerendes Signal. Denn „Public Private Partnership“, also der Bau und Betrieb von Maut-Tunneln, -Brücken und -Straßen, ist ein Hoffnungsträger und verspricht einen Ausweg aus der Baukrise: Es winken öffentliche Aufträge, die ohne Maut-Projekte angesichts leerer öffentlicher Kassen nicht vergeben werden könnten.

Feine Sache – nur die Kundschaft spielt nicht mit. Die Autofahrer fahren um die Tunnel herum, um die Maut zu sparen, koste es, was es wolle. Maut gilt als Teufelszeug – eine Erkenntnis, die Bilfinger nun in die Bilanz übernommen hat.

Kein Wunder, dass Hans-Peter Keitel, Vorstandschef des Konkurrenten Hochtief und Präsident des Hauptverbands der Bauindustrie, schäumt. Er überlegt sogar, Bilfinger beim Lübecker Herrentunnel, einem Gemeinschaftsprojekt der beiden Konzerne, auszuzahlen. Bilfinger werfe im Kampf um mehr Maut-Projekte viel zu früh das Handtuch. Mit der Einführung der LKW-Maut sei bislang nur ein erster Schritt getan. An der PKW-Maut führe angesichts des hohen Modernisierungsbedarfs kein Weg vorbei.

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