Inside: British Airways
Jahr der Entscheidung

Als beinharter Sanierer kam Willie Walsh 2005 zu British Airways. Nach einer Serie von Sparprogrammen stieg BA zu einer der profitabelsten Fluggesellschaften der Welt auf. Visionen von einer modernen BA-Welt schwebten Walsh vor. Doch kurz vor dem Ziel scheint sein Traum doch noch zu platzen.

LONDON. Ein Analyst beschreibt die Lage von Willie Walsh so: „Man fragt sich, wie viel Schaum er noch im Feuerlöscher hat.“ Ein treffendes Bild, denn sobald der tatkräftige Vorstandschef von British Airways (BA) einen Brandherd gelöscht hat, züngeln anderswo die Flammen hoch. Zuletzt brauchte Walsh schon eine große Portion Schaum, um einen Streik des Kabinenpersonals in letzter Minute abzuwenden. Und das mit einem Kompromiss, bei dessen Bekanntgabe der Ire noch etwas grimmiger dreinblickte als üblich.

Als beinharter Sanierer, der die irische Fluggesellschaft Aer Lingus mit einer Radikalkur auf Billigflieger getrimmt hat, kam Walsh 2005 zu BA. Die Börse freute sich, die Belegschaft weniger. Nach einer Serie von Sparprogrammen war BA bereits eine der profitabelsten Fluggesellschaften der Welt und so fragten sich viele BA-Angestellte, was denn da zu sanieren sei. Walshs Antwort kam rasch: Er setzte ein Drittel der mittleren Führungsebene und die Hälfte des Top-Managements an die frische Luft. Das war der Start eines Programms, das die Kosten um umgerechnet 680 Millionen Euro im Jahr senken und die operative Gewinnmarge auf zehn Prozent hochschrauben soll.

Mit Schwung steuerte Walsh auf die Zielmarke zu: März 2008, Eröffnung des Terminal 5 am Flughafen London-Heathrow. Hier, in der riesigen gläsernen Halle, kilometerweit entfernt von den engen, notorisch verstopften Terminals 1 bis 3, die heute das Herz Heathrows bilden, will er eine neue British Airways präsentieren. Großzügige, moderne Flächen, rasches, effizientes Einchecken mit weniger Personal und Technik auf dem neuesten Stand – also ziemlich genau das Gegenteil dessen, was BA-Passagiere heute in Heathrow erleben.

Doch kurz vor dem Abheben in eine moderne BA-Welt haben ihm die Kabinen-Crews jetzt einen Strich durch die Rechnung gemacht. Mit massiven Streikdrohungen haben sie Änderungen in der Lohnstruktur und in der Registrierung von Krankheitstagen durchgesetzt, die auf den ersten Blick geringfügig erscheinen. Was Walsh schmerzen dürfte: All das geht in die falsche Richtung. Die Kosten steigen und der Abstand zu den schlanken Billigfliegern wächst wieder. Die zehn Prozent Umsatzmarge sind in weite Ferne gerückt.

Noch kritischer ist aber, dass Walsh noch immer nicht das Pensionsdefizit gestopft hat, das unter den führenden britischen Konzernen mit drei Milliarden Euro das relativ höchste ist. Anfang Januar verkündete er stolz, sich mit den Führern der vier Gewerkschaften geeinigt habe, in denen der Großteil des BA-Personals organisiert ist. Doch das erwies sich als voreilig: Das Bodenpersonal war mit der Einigung gar nicht glücklich und steht nun auch vor der Urabstimmung über einen Streik. Walsh wird das in 16 Monaten Verhandlung geschnürte Paket wieder öffnen. Es sieht vor, dass alle BA-Beschäftigten für die volle Rente bis 65 arbeiten oder höhere Beiträge zahlen müssen.

Ohne Einigung über das Pensionsdefizit wiederum will Walsh die Erneuerung der Flugzeugflotte nicht anpacken. Die ist nötig, weil BA im Schnitt mit deutlich älteren Maschinen fliegt als Ryanair oder Easyjet. Eine Einführung des Emissionshandels für die Luftfahrt würde darum wohl die Wettbewerbsposition von BA verschlechtern. Und im Kampf um internationale Geschäftsreisende wird Walsh nicht mehr lange auf modernes Fluggerät verzichten können – auch den Riesenairbus A380 hat er im Blick.

Die nächsten zwölf Monate werden also entscheiden, ob Walshs Regime bei BA zum Erfolg wird oder nicht. Erste Beobachter befürchten schon, dass er den Weg Bob Aylings geht. Auch der war bei BA angetreten, um alte Zöpfe abzuschneiden. Doch nicht zuletzt die Konfrontation mit den Gewerkschaften kostete ihn 2000 den Posten.

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom
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