Inside: Cadbury Schweppes
Suizidale Ostereier

Fast 14 Jahre ist es her, da hat der britische Süßwarenkonzern Cadbury den Getränkehersteller Schweppes übernommen. Jetzt will er ihn wieder loswerden. Doch dass es ein sauberer Schnitt wird, ist nicht sicher.

Steht ein Creme-Osterei auf einem Treteimer. Schält sich aus seinem Papier und schiebt stöhnend ein Metallgewicht auf die Kante zu. Gewicht fällt aufs Pedal, Deckel schnellt hoch, Ei zerplatzt quiekend an der Wand. Cremegefüllte Schokoladeneier, die auf fantasievolle Weise Selbstmord begehen, sind die tragischen Helden in der Osterkampagne des britischen Süßwarenkonzerns Cadbury Schweppes (www. cremeegg.co.uk).

Ob das lustig ist oder nicht, lassen wir mal offen. Man muss sich aber die Frage stellen, ob der ganze Konzern demnächst wie das Ei im Kreissägen-Clip sauber zerteilt oder wie im Fleischklopfer-Clip brutal zerschlagen wird.

Eins ist klar, für Cadbury Schweppes brechen die letzten hundert Tage einer fast vierzigjährigen Geschichte an. Vor einem Jahr entschloss sich die Konzernführung um Todd Stitzer, die US-Getränkesparte mit Marken wie „Seven up“ und „Dr. Pepper“ abzuspalten – angeblich rein zufällig kurz nach dem Auftauchen des Aktivisten Nelson Peltz im Aktionärskreis. Finanzinvestoren standen Schlange, Analysten rechneten die Bewertung der Sparte mit knapp drei Milliarden Pfund Umsatz auf luftige acht Milliarden Pfund (elf Milliarden Euro) hoch. Dann kam die Kreditkrise, und die Finanzinvestoren gingen. Stitzer stand mit leeren Händen da.

Im Herbst kündigte er einen Börsengang der Sparte an, verbunden mit einer Ausschüttung an die Aktionäre. Auch dieses Versprechen kassiert er jetzt ein. Die Lage am Kreditmarkt verbiete es, die Tochter vor dem Börsengang im geplanten Umfang mit Schulden zu beladen, nur um die Aktionäre zu beglücken.

Gegen Ende des zweiten Quartals soll es nun so weit sein. Analysten wagen noch, auf eine Bewertung von sechs Milliarden Pfund für die Getränketochter zu hoffen – doch mehr als Hoffnung ist das nicht. Wie das Klima für Börsengänge in drei Monaten sein wird, weiß heute niemand.

Ob sich am Ende die Abspaltung angesichts der Kosten überhaupt noch lohnt oder ob hier einfach ein langsamer Vorstand eine einmal beschlossene Strategie durchzieht, sei dahin gestellt. Übrig bleibt der weltweit führende Süßigkeitenhersteller mit einem Umsatz von rund 5,5 Milliarden Pfund, relativ magerer Rendite und durchschnittlichen Wachstumsraten. Stitzer muss deshalb rasch demonstrieren, dass er im angekündigten Maße die Marge steigern kann. Die operative Rendite soll sich von zuletzt 10,2 Prozent mittelfristig auf 15 Prozent verbessern – womit die neue Cadbury im Durchschnitt der großen Lebensmittel- und Süßwarenkonzerne läge. Ein margenschonend behutsames Wachstumstempo und ein Kostensenkungsprogramm sollen dabei helfen.

Beides soll den Börsenwert erhöhen und damit aufmüpfige Aktionäre milder stimmen. Im Moment ist Cadbury an der Börse mit einem kleinen Abschlag auf Konzerne wie Nestlé und einem deutlichen Abschlag auf direkte Konkurrenten wie Hershey und Wrigley bewertet.

Sicherer als durch operative Verbesserungen würde der Börsenwert durch neue Übernahmespekulationen steigen. Diese sind nicht auszuschließen: Große Lebensmittelkonzerne könnten nach Cadbury greifen oder US-Konkurrent Hershey könnte sich doch noch für eine Fusion erwärmen. Es gibt halt mehrere Wege, ein Ei zu zerschlagen.

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom
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