Inside: Daiichi Sankyo
Indische Versuchung

Die japanischen Pharmakonzerne drängen in Richtung Westen. Und an vorderster Front marschiert dabei zur Zeit Daiichi Sankyo, die Nummer Drei der japanischen Pharmabranche. Innerhalb von zwei Wochen überraschte der Konzern gleich mit zwei Transaktionen: mit dem Kauf des kleinen Münchner Biotechunternehmens U3 Pharma und nun mit der geplanten Mehrheitsübernahme des indischen Marktführers Ranbaxy.

FRANKFURT. Daiichi Sankyo geht damit einen etwas anderen Weg als die Konkurrenten Takeda, Eisai und Astellas, die direkt auf dem US-Markt zugriffen haben und sich dabei auf Biotechfirmen und Pharmaspezialisten mit fortgeschrittenen Entwicklungsprojekten oder zugelassenen Produkten konzentrierten. Demgegenüber investiert Daiichi nun einerseits in sehr neuartige, aber noch unerprobte Produktideen (U3), andererseits in das Geschäft mit patentfreien Medikamenten (Generika). In diesem Sektor ist Ranbaxy mit 1,6 Mrd. Dollar Umsatz immerhin Nummer Neun weltweit.

Davon einmal abgesehen ist der Werdegang von Daiichi Sankyo in vieler Hinsicht exemplarisch für die Schwächen der japanischen Pharmabranche. Ähnlich wie die meisten heimischen Konkurrenten waren auch die beiden Vorgängerfirmen Daiichi und Sankyo zu klein, um im globalen Konsolidierungsprozess der Branche mitzuspielen. Ihre durchaus ordentliche Innovationskraft konnten sie auf internationaler Ebene nur durch Lizenzvergaben an westliche Pharmahersteller ausspielen. Erst der Zusammenschluss zu Daiichi Sankyo führte den Konzern ins Mittelfeld der Branche, wo der Konzern nun mit umgerechnet 7,5 Mrd. Dollar Umsatz auf Position 22 mitspielt.

Das Geschäft des Unternehmens ruht aber nach wie vor zu fast zwei Dritteln auf dem japanischen Inlandsmarkt, wo die Rahmenbedingungen zusehends schwieriger werden. Wichtige Umsatz- und Ertragsträger haben den Patentschutz verloren oder werden ihn in naher Zukunft einbüßen. Das Pharmageschäft legte zuletzt nur noch minimal zu. Das Management steht folglich unter Handlungszwang, zumal es sich selbst eine ausgesprochen ehrgeizige Wachstumsvision verordnet hat. Immerhin soll sich der Umsatz bis 2015 auf etwa 14 Mrd. Dollar verdoppeln, der Auslandsanteil dabei von gut einem auf knapp zwei Drittel zulegen. Mit dem eigenen Produktprogramm ist das praktisch nicht zu schaffen. Übernahmen wie die in Indien liegen da auf der Hand.

Fraglich bleibt, inwieweit sich der Kapitaleinsatz rechnet. Mit einem Kaufpreis von bis zu 4,6 Mrd. Dollar für eine Mehrheit an Ranbaxy bewegt sich Daiichi Sankyo am oberen Rande dessen, was in den vergangenen Jahren für Generikafirmen gezahlt wurde. Die Japaner steigen also in ein Geschäft ein, das zwar überdurchschnittlich stark expandiert, zugleich aber auch von einem heftigen Preiswettbewerb belastet wird und alles andere als verlässliche Erträge bietet.

Die Daiichi-Sankyo-Aktionäre müssten also gar nicht traurig sein, sollten indische Medien mit ihren Spekulationen über ein Gegenangebot von Pfizer für Ranbaxy recht behalten. Vielleicht würde das den Konzern vor einem Fehlkauf bewahren.

s.hofmann@handelsblatt.com

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