Inside: Deutsche Post
Keine halben Sachen

Ist Deutsche-Post-Chef Klaus Zumwinkel auf dem richtigen Weg? Schwächere Erträge in den Sparten Express und Brief sowie geringe Margen in der Logistik und die Postbank als Fremdkörper im Konzern lassen Zweifel an der Vision vom Logistik-Komplettanbieter aufkommen. Haben Analysten Recht, wenn sie die Aufspaltung der Post empfehlen?

DÜSSELDORF. Ohne die Ertragsstützen Brief und Postbank hätte Zumwinkel zur Zeit wohl Probleme, den Aktionären die Strategie zu rechtfertigen. Doch Geduld: Die Deutsche Post steckt mitten in der Konsolidierung. Geerntet wird später. Die Integration des britischen Logistikers Exel läuft, das US-Expressgeschäft stabilisiert sich, das Paketgeschäft in Europa wird vereinheitlicht und das Briefgeschäft fit für die Liberalisierung gemacht.

Zumwinkel hat bereits reagiert. Er hat das Top-Management umgebaut, den Aufbau des internationalen Briefgeschäfts und neuer Geschäfte rund um den Brief eingeleitet. Mit der Umgliederung des renditearmen Frachtgeschäfts von der Express- in die Logistiksparte hat er auch das Expressgeschäft neu ausgerichtet. Der Kurierdienst DHL Express wird schneller, seine Rendite gesteigert. In einigen europäischen Problem-Ländern wie Deutschland und in Großbritannien hat er die Kurve bereits gekriegt.

Doch auf den Baustellen Brief und vor allem Express wird die Post länger arbeiten müssen, als sie es vorhatte. Zumal Fehleinkäufe und technische Pannen in den USA den Konzern um Jahre zurückgeworfen haben. Gibt es eine möglicherweise bessere Strategie?

Peter Bakker, Chef des niederländischen Konkurrenten TNT, meint, sie gefunden zu haben. Er hat die Logistiksparte an Finanzinvestoren verkauft. Begründung: Logistik lohnt sich nicht. Er konzentriert sich lieber auf das renditeträchtige Brief- und Expressgeschäft in Europa und Asien. Die im Vergleich deutlich höheren Renditen geben ihm scheinbar Recht.

Doch ist Rosinenpicken eine gute Strategie für Postkonzerne? Oder eher eine Nischenstrategie für Mittelständler? Auf dem größten Logistikmarkt der Welt, den USA, ist TNT nicht präsent. Dort überlässt Bakker das Geschäft anderen, den Großen der Branche: UPS, Fedex und DHL. Und: Um TNTs Logistik-Part haben sich die Investoren nicht gerade gerissen.

Als Vorbild für die Deutsche Post taugen die Holländer also kaum. Hier begegnen sich wohl eher Riese und (pfiffiger) Zwerg, die Post mit 60 Milliarden Euro, TNT mit 10 Milliarden Euro Umsatz. TNT hat es einfach nicht geschafft, in die Weltliga der Logistikkonzerne vorzustoßen. Vor drei Jahren noch war dies das erklärte Ziel der Niederländer. Doch auf dem Weltmarkt zählt schiere Größe, ein weltumspannendes Netzwerk. Denn nur damit sind Großkunden zu gewinnen. Sie wollen weltweite Lösungen aus einer Hand – und nicht ständig den Dienstleister wechseln.

Doch was ist mit der Postbank? Ihre Leistungen im Konzern, im wesentlichen das Filialgeschäft, ließen sich auch einkaufen. Doch trennt man sich ohne Not vom Tafelsilber? Wohl kaum. Verkauf sei zur Zeit kein Thema, sagt Zumwinkel zu Recht. Zumal ohne die Gewinne der Postbank der Aufbau zum Komplettanbieter in der Logistik mächtig ins Stottern geraten dürfte.

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