Inside: Edeka
Gefährlicher Kurswechsel

Jedes Jahr feilscht Deutschlands führender Lebensmittelhändler Edeka mit der Markenartikelindustrie um Rabatte. Die Verhandlungen verlaufen zäh, aber meist ohne Krach und Aufsehen. In diesem Jahr ist es anders.

HAMBURG. Erstmals legt sich Edeka-Chef Alfons Frenk mit der gesamten Industrie an, um für den im vergangenen Jahr übernommen Ex-Konkurrenten Spar bessere Einkaufskonditionen herauszuschlagen. Prompt eckt er bei den Herstellern an: Sie geben den Forderungen nicht nach, rückwirkend Abschläge zu zahlen. Zum Ärger von Frenk wird die Angelegenheit auch noch öffentlich, als die Hersteller via Verband das Bonner Kartellamt einschalten.

Die Situation zeigt, dass der Edeka-Chef mit dem Rücken zur Wand steht. Denn der Genossenschafts-Konzern steht unter erheblichem Ertragsdruck. So stagnierte bereits im vergangenen Jahr das Betriebsergebnis. Für 2006 hofft der Vorstand zwar auf einen Ertragszuwachs. Der wird aber lediglich aus dem Zukauf der Spar resultieren.

Im Kerngeschäft bekommt die Hamburger Handelsgruppe mit mehr als 200 000 Mitarbeitern die Konsumflaute immer mehr zu spüren. Vor allem Discounter wie Aldi, Lidl & Co. erschweren dem Vollsortimenter das Leben. Das dramatisches Überangebot an Ladenflächen im deutschen Lebensmittelhandel verschärft den Konkurrenzdruck noch. Die Folge: Die Preise an den Theken rutschen immer weiter in den Keller.

Um den Ertrag des milliardenschweren Einzelhandelsriesen zu steigern, läutet Frenk jetzt einen radikalen Strategiewechsel ein. Er will sich künftig nur noch auf den Inlandsmarkt konzentrieren und das Ausland bis auf Dänemark völlig vernachlässigen. Der ehrgeizige Handelsmanager hat keine andere Wahl: Zu sehr hat er die Auslandsmärkte bisher schleifen lassen.

Doch mit der neuen Ausrichtung schlägt Frenk einen gefährlichen Kurs ein: Konkurrenten wie Metro, Rewe oder Tengelmann setzen seit Jahren zunehmend auf die Internationalisierung, um sich vom schwächelnden Binnenmarkt abzukoppeln. Ob Frenks Konzept aufgeht, ist daher fraglich. Denn ab 2007 droht Edeka im Inland ein weiterer Dämpfer. Grund: Der Hamburger Riese wird es kaum schaffen, die kräftige Erhöhung von Mehrwertsteuer, Rentenversicherung und Versicherungssteuer in den Preisen weiterzureichen. Dazu ist der Wettbewerb zu hart. Die Folge: Der Ertrag sinkt weiter.

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