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Escada: Keine Lust aufs Einkaufen

Luxus lässt sich immer verkaufen, schließlich geht den Reichen das Geld zu allerletzt aus. Solche selbstbewussten, ja schon fast arroganten Töne waren jahrelang von jenen Firmen zu hören, die sich selbst Premiumanbieter nennen. Leider stimmt das nur teilweise.

Das zeigt sich in diesen Tagen. Zwar sind viele Menschen auf dieser Welt trotz Krise noch immer ausgesprochen wohlhabend. Nur: Angesichts der Rezession ist auch ihnen die Lust am Einkaufen vergangenen. Das spüren die Nobelmarken, die sich selbst bis jetzt für unverwundbar gehalten haben.

Zu den Verlierern gehört auch das Luxuslabel Escada. Die Münchener leiden gleich mehrfach. Einerseits unter der Rezession. Andererseits aber auch unter den internen Querelen den vergangenen Monate sowie den angestaubten Kollektionen, die das Geschäft bereits seit Jahren belasten.

Ein Blick ins Zahlenwerk des Konzerns zeigt, dass der Sturz des Konzerns lange vor der aktuellen Krise begonnen hat. Zum Vergleich: Im Geschäftsjahr 2005/06 verkauften die Bayern noch Röcke und Blusen für knapp 700 Millionen Euro. Seither bröckelt es aber ab. Für das Geschäftsjahr 2007/08 (30. September) rechnen Analysten nur noch mit knapp 590 Millionen Euro, für die jetzt laufende Periode kalkulieren sie sogar noch weniger ein.

Noch erbärmlicher sieht der Gewinn aus. 2005/06 schaffte der börsennotierte Konzern immerhin ein mageres Plus von knapp sieben Millionen Euro. Jetzt dürfte den eigenen Prognosen zufolge ein Verlust von mindestens 27 Millionen Euro auflaufen - so viel wie im Vorjahr.

Dennoch gibt es Menschen, die an die Damenmode aus Süddeutschland glauben. Im Sommer sind die Tchibo-Miteigentümer Wolfgang und Michael Herz eingestiegen und haben dem Unternehmen frisches Geld zugeschossen. Die Herz-Familien halten inzwischen knapp 30 Prozent der Aktien des nach einem Rennpferd benannten Unternehmens. Die neuen Großaktionäre haben Bruno Sälzer an der Konzernspitze durchgesetzt, der den Franzosen Jean-Marc Loubier nach nur einem Jahr im Amt ablöste.

Die Strategie des ehemaligen Chefs des Modekonzerns Hugo Boss: Das Kerngeschäft mit den Marken Escada und Escada Sport stärken und dazu die Umsätze mit Accessoires ausbauen. Die Zweitmarke Primera mit günstiger Mode will Sälzer hingegen abstoßen.

Der Manager möchte nicht nur die Kollektionen aufpeppen, sondern auch die Geschäftsprozesse umbauen und dazu neue Software einsetzen. So möchte er in Zukunft sicherstellen, dass die Ware immer zur richtigen Zeit in den Läden eintrifft.

Zweimal stand Escada bereits vor dem Ruin. Anfang der 90er- Jahre rissen Beteiligungen den Konzern tief in die roten Zahlen, zehn Jahre später brachen die Umsätze infolge von Terror und SARS-Epidemie ein. Jetzt muss Sälzer den Konzern in einer noch tieferen Rezession sanieren. Wahrlich keine leichte Aufgabe. Denn letztlich kann er nur erfolgreich sein, wenn die Kauflaune seiner Klientel zurückkehrt.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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