Inside: Ferrovial
Rückschläge auf der Insel

Zunächst hatte Ferrovial die Attacken der britischen Presse und die brodelnde Gerüchteküche über anstehende Flughafenverkäufe noch als Sommertheater abgetan. Doch mittlerweile ist klar: Der spanische Infrastrukturgigant hat sich mit der Übernahme des britischen Flughafenbetreibers BAA im vergangenen Jahr einen schwer verdaulichen Brocken einverleibt.

MADRID. Die spanische Gruppe steht seit Monaten unter Beschuss von britischen Politikern, Medien und Unternehmen wegen schlechtem Service, langen Schlangen und einer veralteten Infrastruktur auf den Londoner Flughäfen. Zudem leitete die britische Wettbewerbsbehörde vor einigen Monaten eine Untersuchung über die Marktdominanz von BAA ein und könnte Ferrovial dazu zwingen, einen oder mehrere der sieben BAA-Flughäfen zu verkaufen. Auch die Entwicklung der Start- und Landegebühren für die Londoner Flughäfen droht nicht so günstig auszufallen, wie es sich Ferrovial erhofft hatte. Die endgültige Entscheidung darüber wird erst im März fallen und liegt einstweilen schwer auf dem Aktienkurs von Ferrovial. Schließlich drohen auch noch die BAA-Angestellten über die Weihnachtszeit zu streiken – aus Protest gegen eine Modifizierung des Pensionsplans für neue Angestellte.

Trotz all dieser Stolpersteine ist unwahrscheinlich, dass die Spanier den Hut schmeißen. Dazu hat Ferrovial seine Verwandlung von einem spanischen Bau- und Immobilienkonzern hin zu einem internationalen Giganten in Infrastruktur, Bau und Dienstleistungen zu konsequent vorangetrieben. Und BAA ist der wichtigste Baustein dieser Verwandlung.

Mittlerweile ist Ferrovial eher ein britisches als ein spanisches Unternehmen. Der Konzern machte in den ersten neun Monaten des Jahres 42 Prozent seines Umsatzes und sogar 60 Prozent des operativen Gewinns (Ebitda) in Großbritannien, aus Spanien kamen hingegen 36 Prozent vom Umsatz und 19 Prozent des Gewinns.

Ferrovial kann es sich erst einmal leisten, die Krise auszusitzen und zu versuchen, über gute Public-Relations-Arbeit die Stimmung in der britischen Politik und Öffentlichkeit zu verbessern. Ein Lichtblick in dieser Hinsicht könnte die für März geplante Eröffnung des neuen Terminals fünf in London-Heathrow sein. Da kann Ferrovial sich als das Unternehmen darstellen, das das Projekt nach 19 Jahren Planung endlich verwirklicht. Und mit dem neuen Terminal könnte sich zumindest in Heathrow die Lage für die Passagiere verbessern.

Zwar wird die geplante Mega-Refinanzierung der Schulden, die Ferrovial vergangenes Jahr für die BAA-Übernahme aufgenommen hatte, aufgrund der Marktlage und der ungelösten Gebührenfrage aufgeschoben. Doch auch das bereitet dem Unternehmens keine großen Sorgen, da es über eine Kreditlinie mit einer Laufzeit von dreieinhalb Jahren verfügt.

Bisher halten die Spanier auch an ihrem Plan fest, in den nächsten zehn Jahren knapp zehn Milliarden Pfund (gut 14 Milliarden Euro) in die drei Londoner Flughäfen Heathrow, Gatwick und Stansted zu investieren, um so die Engpässe zu beseitigen. Nach der endgültigen Entscheidung über die Gebühren will das Unternehmen seine Investitionen entsprechend anpassen.

Ferrovial hat angedeutet, auf den einen oder anderen Flughafen verzichten zu können, wenn die britische Wettbewerbsaufsicht dies tatsächlich verlangen sollte. Vielleicht würde ein Verkauf etwa von Gatwick den Brocken BAA etwas verdaulicher machen, ohne Ferrovials gesamte Strategie zu gefährden.

Anne Grüttner ist Handelsblatt-Korrespondentin in Madrid.
Anne Grüttner
Handelsblatt / Korrespondentin
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%