Inside: Iberia
Flug ins Ungewisse

Fernando Conte, Chef von Spanies größter Fluggesellschaft Iberia, hätte gerne ein Partnerunternehmen und das nicht ohne Grund: Der Konzern schreibt rote Zahlen und Besserung ist angesichts des enormen Konkurrenzdrucks nicht in Sicht. Conte flirtet nun mit zwei Branchengrößen.

MADRID. Iberia-Chef Fernando Conte hält seit drei Jahren Ausschau nach einem geeigneten Partner für Spaniens größte Fluggesellschaft. Weil die Suche bisher erfolglos verlief und sich die wirtschaftliche Situation drastisch verschlechtert, steht er enorm unter Druck. Im vergangenen Geschäftsjahr sackte Iberias Nettogewinn um 71 Prozent auf 117 Millionen Euro durch, im vierten Quartal schrieb Iberia rote Zahlen.

Conte will zwar nicht den Eindruck erwecken, dass Iberia zum Verkauf steht, de facto ist es aber so. Denn die heimischen und internationalen Billig-Airlines wie die spanische Vueling, Ryan Air, Virgin Express, Air Berlin und Germanwings haben den spanischen und auch den europäischen Markt fest im Griff. Zwar hat Iberia jetzt auch eine 20prozentige Beteiligung an der spanischen Billig-Airline Clickair, aber das ist kein Ausweg aus der Krise. Auch nicht mögliche Akquisitionen, mit denen Conte inzwischen offenbar liebäugelt. Denn alles, was für Iberia interessant ist in Europa, wäre viel zu teuer. Umgekehrt stellt die Börsenkapitalisierung von nur 3,1 Milliarde gerade zu eine Einladung für Kaufinteressenten dar.

Ein natürlicher Alliierter für Iberia wäre British Airways (BA), schließlich halten die Briten bereits zehn Prozent der Anteile. Es gab auch bereits zahlreiche Gespräche, aber bisher kam es noch zu keiner Einigung. Was auch daran liegt, dass die Spanier glauben, sie schnitten in punkto Effizienz und Pünktlichkeit viel besser ab als BA und sollten deswegen auf keinen Fall von den Briten beherrscht werden. „Entweder kontrollieren wir das neue Unternehmen oder es sollte eine Fusion unter Gleichen sein“, gibt man sich auf den Führungsetagen der Iberia-Konzernzentrale in Madrid erstaunlich selbstbewusst.

Weil es aber auch auf der mittleren Managementebene bei Iberia deutlichen Widerstand gegen einen Zusammenschluss mit BA gibt, wird jetzt wieder die schon vor Jahren angedachte Fusion mit Lufthansa aus der Schublade geholt. Viele Iberia-Führungskräfte glauben, dass der Kranichkonzern der ideale Partner wäre. Zwar dementieren beide Unternehmen Gespräche. Aber Conte bemüht sich redlich, den Eindruck zu vermeiden, als sei BA die einzige realistische Option für Iberia. Erst kürzlich brachte er Lufthansa und Air France/KLM als mögliche Partner ins Spiel.

Strategisch brächte ein Zusammenschluss mit Air France/KLM noch mehr Vorteile als ein Bündnis mit Lufthansa. Besonders auf den Flugrouten von Europa nach Lateinamerika ließen sich so viele Synergien heben. Die Umworbenen dürften sich allerdings kaum auf eine Fusion unter Gleichen mit Iberia einlassen. Die sozialistische Regierung Spaniens wiederum, die derzeit massiv in den Übernahmekampf um dem Versorger Endesa eingreift, würde es nie und nimmer zulassen, dass die größte Airline des Landes unter fremder Flagge fliegt.

Contes Chancen, seinen Wunschpartner zu finden, sind schlecht. Deshalb droht, was seine sehr gut bezahlten Piloten schon länger fürchten: Iberia wird am Ende mit Mann und Maus zur Billig-Airline Clickair überwechseln.

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