Inside: Karstadt-Quelle
Middelhoffs Zahlenspiele

Am Tag der Hauptversammlung reichte Karstadt-Quelle wesentliche Ertragszahlen erst später nach – als die Aktionäre längst auf dem Heimweg waren. Vorstandschef Middelhoff entging so kritischen Nachfragen. Denn die Zahlen passen kaum zu seiner Ankündigung, man werde „weiter rentabel wachsen“.

DÜSSELDORF. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Man habe vorab einen Teil der Quartalsergebnisse zur Veröffentlichung freigestellt, teilt Karstadt-Quelle-Chef Thomas Middelhoff seinen Aktionären vergangenen Donnerstag auf der Hauptversammlung mit. Den Rest – darunter wesentliche Ertragszahlen des Gesamtkonzerns – werde man am Nachmittag nachreichen.

Als der Essener Konzern sein Versprechen am Abend endlich einlöst, sind die Anteilseigner längst auf dem Heimweg und die Frankfurter Börse geschlossen. Höchst ungewöhnlich sei ein solcher Vorgang, bestätigen vom Handelsblatt befragte Finanzexperten wenig später.

Für Vorstandschef Middelhoff indes ist das Timing perfekt. Das deprimierende Gesamtbild, das später aus den nachgereichten Ergebnissen entsteht, hätte manchen Aktionär gewiss zu einer kritischen Nachfrage ermuntert. So aber bleibt Middelhoffs Auftritt, der sich von der Hauptversammlung für den dramatisch gestiegenen Aktienkurs feiern lässt, bis zum Ende ein glanzvolles Pontifikalamt. Erst am nachfolgenden Freitag knickt das Wertpapier um vier Prozent ein.

Eine simple Terminpanne? Der Glaube daran fällt schwer. Schließlich präsidierte Karstadt-Quelles Aufsichtsrat, der für gewöhnlich die Freigabe der Quartalszahlen zu erteilen hat, an diesem Nachmittag der Hauptversammlung. Kaum denkbar, dass Chefaufseher Hero Brahms dabei Zeit finden sollte, einen prüfenden Blick etwa auf das Ergebnis aus Beteiligungen an assoziierten Unternehmen oder das Ebitda der Versandhandelssparte zu werfen.

Tatsächlich passen die Unternehmensergebnisse kaum zu Middelhoffs Ankündigung, man werde „weiter rentabel wachsen“. Denn bislang erweist sich Karstadt-Quelle weder als „rentabel“, noch als „wachsend“.

Im Gegenteil. In sämtlichen Geschäftsfeldern gingen die Umsätze gegenüber dem Vorjahreszeitraum zurück. Schlimmer noch: Konzernweit verringerte sich der Rohertrag – die wohl wichtigste Kennziffer für einzelhändlerisches Talent. Die Differenz zwischen Einkaufs- und Verkaufspreisen sank um 1,2 Prozentpunkte auf 40,3 Prozent. Selbst ein kräftiger Schuldenabbau und ein dadurch stark verbessertes Zinsergebnis konnten nicht verhindern, dass sich das Ebitda des Konzerns um satte 113 Millionen Euro auf minus 126 Millionen verschlechterte.

Seite 1:

Middelhoffs Zahlenspiele

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%