Inside: Kingfisher
Krumme Nägel richten

Heimwerken macht keinen rechten Spaß mehr. Auf jeden Fall nicht für die Baumarktketten. Wo die Konjunktur einbricht, zögern Kunden mit Umzug oder Renovierung. Noch dazu schmälern die steigenden Benzin- und Lebensmittelpreise die Haushaltskassen. Nur in Asien und Osteuropa stimmen die Wachstumsraten noch.

Eine gründliche Renovierung hat sich deshalb der britische Konzern Kingfisher verschrieben. DieNummer eins in Europa und Nummer drei weltweit muss vor allem die Lecks auf dem britischen Heimatmarkt stopfen. Hier macht er mit der Kette B&Q knapp die Hälfte des Konzernumsatzes von 9,4 Mrd. Pfund (knapp zwölf Mrd. Euro), aber nicht einmal ein Drittel des Gewinns. Etwa umgekehrt ist das Verhältnis in Frankreich, wo Kingfisher mit Castorama und Bríc Depot den Markt anführt. Doch in beiden Ländern sanken der flächenbereinigte Umsatz und der Gewinn im Quartal zum 3. Mai.

Der neue Vorstandschef Ian Cheshire hat ein Ziel ausgegeben: Die operative Rendite bei B & Q soll von mageren 3,3 Prozent auf sieben Prozent steigen. Einen Zeitplan dafür blieb er allerdings schuldig.

Das war wohl klug, denn das Umfeld ist denkbar schlecht. Die Nachrichten vom britischen Häusermarkt werden von Monat zu Monat düsterer. Es sieht nun so aus, dass der Markt für Wohnimmobilien die schwerste Krise seit Jahrzehnten erlebt. Der gegenwärtige Preisverfall von knapp fünf Prozent im Jahresvergleich ist noch lange nicht die Talsohle. Da ist es kein Wunder, wenn es B&Q schlecht geht. Kingfisher ist mit den Problemen nicht allein: Weltmarktführer Home Depot aus den USA hat zuletzt sinkende Umsätze und Gewinne berichtet und reduziert sein Filialnetz. Auch beim britischen Hauptkonkurrenten Homebase sank der Umsatz und die Marge fiel auf 2,9 Prozent.

Selbst in Deutschland, wo es doch keine Immobilienblase zu korrigieren gibt, schrumpften zuletzt die Umsätze bei Praktiker und Hornbach - an letzterer Gruppe hält Kingfisher übrigens 21 Prozent.

Cheshire will darum sein Margenziel nicht über verschärfte Expansion, sondern durch einen Sparkurs erreichen. Er will 20 Prozent weniger in neue Läden investieren und bei der verlustbringenden Tochter in China sogar Filialen schließen. Eine zentralisierte Führung soll mehr Synergien im Einkauf bringen und die Verschuldung abbauen. Auf letzteres Drängen auch die Rating-Agenturen, die sich Sorgen wegen der schwachen Marktentwicklung machen. Kingfisher ist mit 1,5 Mrd. Pfund verschuldet, was knapp die Hälfte der Marktkapitalisierung ausmacht.

Die Aussichten, dass Cheshire die krummen Nägel wieder geradeklopfen kann, schätzen Analysten als gar nicht schlecht ein. Kingfishers französisches Standbein ist kräftig, und die Expansion in Ländern wie Russland, Polen und der Türkei bringt zweistelliges Umsatzwachstum und steigende Gewinne. Die Frage ist nur, wie lange sich das halten lässt. Schließlich weichen auch andere Baumarktketten nach Osten aus.

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%