Inside: Lufthansa Cargo
Spielball der Politik

Die Deutsche Lufthansa ist mit ihrer Frachttochter Lufthansa Cargo auf glattes politisches Parkett geschlittert. Im Streit um die Überflugrechte über Russland musste Lufthansa-Vorstandschef Wolfgang Mayrhuber den Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee bremsen. Denn laut Mayrhuber ist eine Verlagerung des Luftfrachtdrehkreuzes keineswegs beschlossene Sache.

FRANKFURT. Dass die Frachttochter zum Spielball der Politik wird, können weder Mayrhuber noch Lufthansa-Cargo-Chef Carsten Spohr sich leisten. In Astana hatte die größte deutsche Fluggesellschaft erst im Sommer 2006 ihre Kräfte gebündelt. Bis dahin waren die Frachtmaschinen des Typs MD11 von Frankfurt nach Japan über Fairbanks/Alaska oder von Frankfurt nach China über Taschkent/Usbekistan geflogen. Ein Zwischenstopp ist auf diesen Routen notwendig, da Frachter aufgrund ihrer im Vergleich zu Passagiermaschinen höheren Zuladung mehr Sprit verbrauchen.

Für Astana als Zwischenstopp entschied sich Lufthansa aufgrund der geographisch günstigen Lage, der niedrigen Flughafengebühren und einer technischen Infrastruktur, die Starts und Landungen auch bei Schlechtwetter erlauben.

Eine Verlagerung ins russische Krasnojarsk würde die Lufthansa die jüngst in Astana gemachten Investitionen in Logistik und Technik sowie die bestehenden Verträge mit der kasachischen Regierung kosten. Krasnojarsk liegt geographisch zwar ähnlich günstig wie Astana auf der Hälfte der Strecke, doch kann der sibirische Flughafen fast ausschließlich nur im Sichtflug angeflogen werden. Hohe Investitionen in die technische Infrastruktur wären nötig, um den Flughafen erst einmal auszubauen.

Kosten und Aufwand, die sich Mayrhuber und Spohr natürlich ersparen wollen. Und selbst wenn es zu einer Verlagerung käme. Dann soll die nicht übereilt erfolgen - schon gar nicht von politischen Kompromissen zwischen Deutschland und Russland erzwungen.

Zumal Lufthansa Cargo das Sorgenkind des Konzerns ist. Von Januar bis September war die Frachttochter der einzige Geschäftsbereich mit sinkenden Umsätzen. Besonders das Verkehrsgebiet Asien/Pazifik kämpft mit Überkapazitäten und sinkenden Durchschnittserlösen. Um durchzuhalten gründete Lufthansa auch mit der Expresstochter DHL der Deutschen Post eine gemeinsame Frachtfluggesellschaft. Politisches Kalkül hat in Mayrhubers Programm keinen Platz.

Tanja Kewes
Tanja Kewes
Handelsblatt / Chefreporterin
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