Inside: Lufthansa: Deutsche Airways

Inside: Lufthansa
Deutsche Airways

Nicht Italien, nicht Spanien, aber dennoch Europa: Nachdem die Deutsche Lufthansa geplante Übernahmen von Alitalia und Iberia zuletzt aufgrund von Bedenken nicht realisierte, steht mit der British Airways nun vielleicht ein neuer Kandidat auf der Agenda. Nachdrückliche Dementis gab es bislang nicht - dafür einige Fakten, die für eine Fusion sprächen.

DÜSSELDORF. "Kopf vor Bauch" oder "erst rechnen, dann reden" - sind Sprüche, die bei der Lufthansa nicht nur geklopft, sondern auch beherzigt werden. Das hat etwa dazu geführt, dass die Frankfurter sowohl die Finger von der angeschlagenen Alitalia ließen als auch von der illustren Iberia - vorerst. Ein anderer Kandidat, der tief bewertet und höchst interessant ist, rückt aber - Gerüchten zufolge - zunehmend in den Fokus: British Airways.

Die Gerüchte um eine Fusion von Lufthansa und British Airways (BA), die in Frankfurt und London die Runde machen und von Lufthanseaten mit Bemerkungen wie "es gab schon verrücktere Gerüchte" oder "man muss in großen Dimensionen denken" nicht gerade vom Tisch gewischt werden, sind getrieben von der Branchen- Konsolidierung diesseits und jenseits des Atlantiks. Europas Nummer eins, Air France-KLM hat mit den US-Carriern Delta und Northwest ein Joint Venture gegründet, um nach Inkrafttreten des Open Skies-Abkommens im April das Drehkreuz von BA, London-Heathrow, anzugreifen. Würde sich jetzt auch noch Lufthansa-Partner United durch eine Fusion mit Delta dem Quartett anschließen, hätte auch Lufthansa einen Verlust zu beklagen - den des wichtigsten Star Alliance-Partners.

Das sind Gerüchte und Gründe genug, um eine "Deutsche Airways" anzudenken.

Darin wäre Lufthansa wohl der Seniorpartner, da BA mit einem Jahresumsatz von zuletzt 11,5 Milliarden Euro und einer Börsenkapitalisierung von fünf Milliarden Euro deutlich kleiner als die Deutschen ist. Die Briten sind stark auf London-Heathrow sowie die Strecken nach Nordamerika konzentriert. Vorstandschef Willie Walsh hat sich zudem auf die Gewinmaximierung konzentriert und dabei Marktanteile im Kontinentaleuropaverkehr verloren. Zudem lebt BA von der Substanz, weil Walsh lange keine neue Maschinen orderte. Die BA-Aktie ist seit einem Jahr im Sinkflug - von 580 auf unter 300 Pence.

Lufthansa könnte sich BA gut einverleiben. Mit der Übernahme der Swiss hat der Kranichkonzern gezeigt, dass er eine ausländische Linie restrukturieren und integrieren kann und will. Das deutsch-eidgenössisch-britische Trio wäre auf einen Schlag größer als das sich schon in offiziellen Verhandlungen anbahnende Dreierbündnis Air France-KLM-Alitalia.

Die Netze würden sich gut ergänzen. Lufthansa hat im Gegensatz zu BA drei Drehkreuze in Deutschland und ist Marktführer auf den Strecken Europa-Asien. Gegen eine Übernahme von BA spricht, dass das Kerngeschäftsfeld Passagierbeförderung nachhaltig keine Werte generiert. Die eigentliche Cash Cow von Lufthansa ist die Technik. Größenvorteile und Marktmacht wären aber auch hier willkommen.

Eine "Deutsche Airways" hätte auch Folgen für die Allianzen, zu denen sich die Fluglinien vereint haben. BA würde sicher One World verlassen und statt dessen die Star Alliance der Lufthansa stärken. Die spanische Iberia, an der BA zehn Prozent hält, dürfte bald folgen. Ohne die Briten und Spanier stünde One World vor dem Aus.

Tanja Kewes
Tanja Kewes
Handelsblatt / Chefreporterin
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