Inside: Lufthansa
Tauschen statt kaufen

Eine Übernahme der spanischen Fluggesellschaft Iberia ist der Lufthansa zu teuer. Ein Tauschgeschäft könnte das Unternehmen aber über Nacht zum größten Einzelaktionär der einstigen spanischen Staatslinie machen – mit Vorkaufsrecht für weitere Anteile. Tauschpartner wäre British Airways. Denn die Lufthansa besitzt etwas, was die Briten gerne hätten.

DÜSSELDORF. Lufthansa spielt bei der Übernahme der Iberia auf Zeit. Interesse sei schon vorhanden, aber der Aktienkurs sei zu heiß gelaufen und eine Übernahme von daher zu teuer, wird Lufthansa-Vorstandschef Wolfgang Mayrhuber wohl auch auf der Hauptversammlung am heutigen Mittwoch vor knapp 3 000 Aktionären in Berlin wiederholen. Die Lage scheint festgefahren. Doch da ist ja noch die Möglichkeit des Tauschgeschäfts.

British Airways, die nach Air France-KLM und Lufthansa drittgrößte Fluggesellschaft Europas, hält zehn Prozent an Iberia. Die Briten wollen ihren Anteil verkaufen und haben deshalb jüngst das Investmenthaus UBS mit dem Ausloten von Optionen beauftragt. Doch warum sollten die Briten ausgerechnet einem ihrer größten Wettbewerber, den Frankfurtern, ihren Anteil an der Iberia verkaufen? Die Antwort: Weil die Lufthansa auch etwas hat, was die Briten gerne hätten: Eine 30-Prozent-Beteiligung an British Midland International.

BMI ist mit einem Jahresumsatz von zuletzt 1,3 Milliarden Euro die zweitgrößte Fluggesellschaft Großbritanniens und für British Airways ein Dorn im Auge wie einst der auf Geschäftskunden spezialisierte Billigflieger DBA für die Lufthansa. Und noch aus einem weiteren Grund wäre eine Beteiligung, und spätere Kontrolle des heimischen Wettbewerbers für British Airways von Interesse: Mit den Start- und Landerechten von BMI in London-Heathrow könnte sich British Airways stärker auf den Nordatlantik konzentrieren und die Marktführerschaft auf der Strecke Großbritannien-USA stärken. Ein notwendiger Schritt. Denn der Wettbewerb intensiviert sich seit dem Open-Skies-Abkommen zwischen EU und USA.

Mit der Iberia, dem Marktführer von Europa nach Lateinamerika, könnte sich Lufthansa auf der Langstrecke ein zweites Standbein neben ihrem starken Asiengeschäft aufbauen. Dass die Lufthansa finanziell angeschlagene, aber strategisch aussichtsreiche ehemalige Staatslinien integrieren kann und will, hat Mayrhuber mit der Swiss bereits bewiesen.

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