Inside: Marks & Spencer
Umschalten auf Angriff

Marks & Spencer ist eine Erfolgsstory. 2004, als Chef Stuart Rose ins Unternehmen geholt wurde, galt der Einzelhändler noch Übernahmeziel. Heute macht Marks & Spencer Umsätze in Milliardenhöhe und ist eine international bekannte Marke. Doch das Sortiment ist vor allem eines: typisch britisch.

LONDON. Wir sind in die erste Liga des Einzelhandels zurückgekehrt, sagte Stuart Rose, Chef von Marks & Spencer, als er in vorige Woche das Jahresergebnis des britischen Konzerns vorstellte. In der Tat belegen ein Rekordumsatz von 8,6 Milliarden Pfund (12,7 Milliarden Euro) und ein Gewinn von fast einer Milliarde Pfund vor Steuern, dass Marks & Spencer die Krise vollständig überwunden hat. Doch damit gibt sich Rose nicht zufrieden: Er will nun die Auslandsexpansion forcieren und den klangvollen Namen auf die Märkte des „alten Europa“ zurückbringen.

Das allerdings scheint manchen Aktionären zu schnell zu gehen. Roses Ankündigung, verbunden mit einer vorsichtigen Prognose für den Heimatmarkt, stimmte die Börse misstrauisch. Die Aktie fiel seitdem um sechs Prozent. Ist die negative Reaktion berechtigt?

Sie ist insofern verständlich, als dass Rose nun ein neues Kapitel mit neuen Risiken aufschlägt. Die Erholungsstory, für die er steht, ist bekannt und bewährt. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 17 und die Marktkapitalisierung von fast zwölf Milliarden Pfund zeigen, dass die Anleger ihr vertrauen. Marks & Spencer gilt heute nicht mehr als Übernahmeziel – wie 2004, als Rose geholt wurde, um die Unabhängigkeit des Unternehmens zu retten. Im Gegenteil: Als Finanzinvestoren nach der Supermarktkette Sainsbury griffen, brachte Marks & Spencer sich sogar als weißen Ritter ins Spiel.

Der Kontinent ist im Vergleich dazu wenig erkundetes Terrain. Die letzte große Expedition ist den Aktionären noch in unguter Erinnerung. Mit einer Milliardenkasse rückten die Briten an, doch sie mussten sich nach wenigen Jahren mit zwei blauen Augen zurückziehen. In Deutschland startete Marks & Spencer 1997 mit einem Kaufhaus in Köln. Daraus sollten innerhalb weniger Jahre 20 werden. Doch über fünf Filialen kamen die Briten nicht hinaus und auch die waren 2001 wieder geschlossen.

Marks & Spencer mag zwar eine international bekannte Marke sein, doch das Sortiment ist sehr typisch für den britischen Handel. Mit Fertiggerichten und abgepackten Sandwiches wird es Marks & Spencer schwer haben, zum Beispiel den deutschen Kunden zu überzeugen. Anglophile auf der Suche nach ein paar typisch britischen Lebensmitteln sind keine ausreichende Kundenbasis. An Anbietern preiswerter Textilien mangelt es hierzulande auch nicht. Ähnliche Vorbehalte ließen sich für Frankreich formulieren. Rose wird dies in seine Überlegungen einbeziehen – noch ist nicht entschieden, in welche Länder und mit welchem Kapitaleinsatz der Konzern expandieren will. Zuletzt konzentrierte er sich – ähnlich wie der britische Marktführer Tesco – auf Asien und Osteuropa. Die Slowakei, Lettland, Bulgarien, die Schweiz und Taiwan sind die fünf jüngsten Auslandsmärkte.

Für eine behutsame, gut vorbereitete Auslandsexpansion spricht auch, dass der britische Markt seine besten Jahre wohl hinter sich hat. Ein wichtiger Faktor für den historisch langen Konsumboom seit den frühen 90er-Jahren war der stete Anstieg der Immobilienpreise. Britische Hausbesitzer konnten alle paar Jahre ihre Hypotheken aufstocken und so ihren Konsum steigern. Der kräftige Zinsanstieg der vergangenen Monate dürfte aber den überhitzten Immobilienmarkt abkühlen, die Hypothekenlasten erhöhen und so den Spielraum der Konsumenten langsam einengen. Analysten warnen deshalb, dass es für Marks & Spencer künftig schwer werden wird, daheim Wachstumsraten von zehn Prozent zu erreichen und dabei auch noch die Gewinnmargen zu verbessern.

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom
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