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Österreichische Post: Zahltag an der Donau

Größe ist nicht alles. Die Vorstände der Österreichischen Post können sich einigermaßen entspannt zurücklehnen und beobachten, was beim großen Konkurrenten hoch im Norden passiert.

Während die Deutsche Post mit der Dividende unter den Erwartungen geblieben ist und außerdem eine milliardenschwere Sanierung in den USA verkraften muss, sieht es beim viel kleineren Nachbarn im Süden deutlich besser aus. Trotz Wirtschaftskrise hat der Konzern mit Sitz in Wien jetzt mit einer Sonderdividende überrascht, die das Herz jedes Anteilseigners höher schlagen lässt: Zur regulären Ausschüttung von 1,50 Euro gibt es einen Bonus von einem Euro.

Die Österreichische Post gilt als ein Hort der Stabilität, besonders in der Krise. Während es rundherum lichterloh brennt und die Aktienkurse vieler Industriekonzerne dramatisch eingebrochen sind, hat es bei dem Logistik- Unternehmen vergleichsweise wenige negative Nachrichten gegeben. Im ersten Moment mag es überraschend klingen, aber es ist tatsächlich so: Der Börsenkurs des Wiener Post-Konzerns hat sich im Verlauf des vergangenen Jahres kaum verändert, von einer Talfahrt wie bei der Aktie der Deutschen Post kann keine Rede sein.

Dass es bei der Österreichischen Post so gemächlich zugegangen ist, lässt sich leicht erklären. Wie so häufig in der Alpenrepublik hat die Politik bei den wichtigsten Unternehmen des Landes noch ein Mitspracherecht. Auch drei Jahre nach dem Börsengang ist der österreichische Staat mit 51 Prozent der Anteile nach wie vor der größte Anteilseigner. Wenn in den nächsten Wochen ein neuer Vorstandschef bei der Post berufen wird, dann passiert auch das nicht ohne die Zustimmung aus Wien.

Viel wichtiger sind aber die Einflussmöglichkeiten der Politiker in Sachen Regulierung. Nach den Vorgaben der EU muss Österreich zwar vom Jahr 2011 an den Briefmarkt komplett freigeben und die Monopolposition der halbstaatlichen Post AG beschneiden. Aber wie so häufig steckt der Teufel im Detail. Brüssel hat den nationalen Parlamenten noch ausreichend Freiräume gegeben, um den eigenen staatsnahen Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil gegenüber neuen Anbietern zu verschaffen.

Österreich will bis zur Sommerpause ein Postgesetz verabschieden. In Wien halten sich hartnäckig Spekulationen, wonach der Staatsmonopolist die Liberalisierung nicht wirklich fürchten muss. Das neue Gesetz könnte so gestaltet sein, dass die Markteintrittshürden für potenzielle Wettbewerber extrem hoch ausfallen werden - und die Cash-Maschine Post munter weiterproduziert. Als größter Aktionär hat schließlich auch der Staat ein Interesse daran, dass die Dividende hoch bleibt.

Wer als privater Anleger das große Risiko scheut, für den ist die Aktie der Österreichischen Post nicht das schlechteste Investment. Die Regierung in Wien wird darauf achten, dass nichts aus dem Ruder läuft. Andererseits heißt das aber auch: Kommt ein Aufschwung, wird mit der Post-Aktie wohl nicht allzu viel zu holen sein.menzel@handelsblatt.com

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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