Inside: Pin Group AG
Post von Springer

Der Holtzbrinck-Verlag hat Anteile am Postzusteller Pin Group verkauft – an die Springer-Gruppe. Welche Pläne verfolgt Springer-Chef Döpfner? Kommt bald eine Gratiszeitung? Sicher ist nur: Der Kaufpreis war immens für ein Unternehmen, das noch rote Zahlen schreibt.

DÜSSELDORF. Wenn Springer so viel Geld für einen Briefdienst auf den Tisch blättert, muss das Geschäft wohl eine große Zukunft haben. 510 Millionen Euro war Springer-Chef Mathias Döpfner die Mehrheit an der Pin Group und damit der Einstieg in das Briefgeschäft wert. Für viele überraschend stockte er damit den Anteil des Verlags an der Pin von 23,5 auf 71,6 Prozent auf.

Welche Pläne verfolgt Döpfner? Denn das Briefgeschäft zählt wohl nicht zur Kernkompetenz des Verlags. Immerhin: Springer hat bei Pin nun das Sagen – durchaus ein Vorteil in der meinungsfreudigen Medienbranche. Doch das allein kann es wohl nicht sein. Plant Döpfner etwa doch die Gratiszeitung? Den direkten Zugang zu fast allen Haushalten in Deutschland hat er mit der Pin Group jedenfalls. Auch dürfte dies die Werbung für Abos für Zeitungen und Zeitschriften erleichtern. Doch Springer muss dafür weiter ins Netz investieren und alle regionalen Zustellpartner unter einen Hut bringen.

Sicher ist bislang aber nur eins: Die Hände reiben können sich die WAZ-Gruppe, die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck („Handelsblatt“, „Zeit“) sowie die Luxemburger Rosalia, hinter der Pin-Chef Günter Thiel steht. Sie haben den größten Teil ihrer Beteiligung an der Pin an Springer versilbert. Denn der Kaufpreis ist erheblich. Springer hatte 2005 für seinen 23,5 Prozent-Anteil rund 30 Mill. Euro bezahlt. Der Wert der Pin wurde also damals auf 128 Mill. Euro taxiert – nun ist es fast das Zehnfache. Wohl gemerkt: Pin setzt gerade einmal 170 Mill. Euro um und schreibt noch rote Zahlen.

Ist Pin tatsächlich so viel wert? Sind die Aussichten im Briefgeschäft so gut? Immerhin sehen Analysten in der Übernahme eine kluge Strategie, weil sich Verlagsgeschäft und die Zustellung von Briefen und Päckchen für Springer gut ergänzen könnten. Und gehe die Rechnung nicht auf, dann könnte Springer die Pin Group an einen ausländischen Interessenten oder Finanzinvestoren weiterreichen. Klingt ganz einfach. Ist es das aber auch?

In der Branche jedenfalls gilt eine gemeinsame Zustellung von Zeitungen und Briefen in den frühen Morgenstunden als schwierig, wenn nicht sogar als unmöglich. Damit sind getrennte Zustellungen nötig, was die Personalkosten in die Höhe treibt. Und welcher ausländische Interessent sollte sich interessieren? Der niederländische Postkonzern TNT, der als einziger Ausländer dazu in der Lage und willens wäre, jedenfalls nicht. TNT baut bereits selbst ein bundesweites Briefnetz auf – als Konkurrent der Pin.

Und dann ist da noch die Deutsche Post. Pin muss ihr in einem stagnierenden Markt Anteile abjagen. 20 Prozent will Pin-Chef Thiel 2015 erreichen – ziemlich ehrgeizig. Post-Chef Klaus Zumwinkel wird nicht tatenlos zusehen. Er will „um jeden einzelnen Brief bis zum letzten Blutstropfen kämpfen“. Klingt martialisch, lässt sich im Paketbereich aber bereits beobachten. Dort hat die Post die Preise gesenkt und den Spielraum der Konkurrenz stark beschnitten. Denn die erzielt nur deshalb hohe Gewinne, weil die Post bislang hohe Monopolpreise verlangte. Zusätzlicher Druck entsteht zudem auf der Kostenseite. Denn mit der Gewerkschaft Verdi verhandelt Pin über einen Haustarifvertrag. Sicher scheint: Die Löhne werden steigen und damit die bislang vergleichsweise niedrigen Personalkosten.

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