Inside: Pin Group
Langsam wird es eng

Sollte die Pin Group bis Februar keinen Investor finden, dürfte es vorbei sein mit dem bundesweiten Briefzusteller. Eine Aufspaltung in regionale Gesellschaften wäre die Folge. Doch noch gibt es mehrere Interessenten aus anderen Ländern.

DÜSSELDORF. Immer dunklere Wolken ziehen sich über der Pin Group zusammen. Sollte der nach dem Rückzug von Mehrheitsaktionär Axel Springer als Geldgeber schwer angeschlagene Briefdienst der Zeitungsverleger bis Februar keinen Investor finden, dürfte sich wohl die vom neuen Pin-Chef Horst Piepenburg angepeilte Rettung als bundesweite Zustellgruppe zerschlagen. Eine Aufsplittung und der Verkauf der einzelnen regionalen Gesellschaften der Gruppe wären die Folge.

Danach sieht es immer mehr aus. Denn mehrere potenzielle Investoren haben bereits abgewunken. Galten am Wochenende noch die Finanzinvestoren Blackstone, KKR und Advent als Interessenten, war das am Montag bereits Schnee von gestern. Zumindest die beiden erstgenannten ließen durchblicken, dass sie kein Angebot prüfen. Auch ausländische Postkonzerne halten sich bedeckt. Sowohl die französische La Poste als auch die Österreichische Post dementierten umgehend angebliches Kaufinteresse. Sie galten als heißeste Kandidaten. Allerdings gibt es noch einige mehr, wie beispielsweise die Suisse Post oder auch die Belgische und die Dänische Post, an denen der Finanzinvestor CVC Capital beteiligt ist.

Insolvenzverwalter Piepenburg gibt sich daher zuversichtlich für die Gruppe. Die Resonanz im In- und Ausland sei groß, sagt er. Inzwischen wurde ein „kleiner Kreis“ identifiziert, der in die Bücher der Pin Group schauen darf. Anschließend will Piepenburg mit den Verhandlungen über einen Verkauf beginnen, sollte es dann noch Interessenten für die Gruppe geben.

Der Druck ist enorm: Die Verhandlungen müssen im Februar zum Erfolg führen, anderenfalls werden Pin-Töchter voraussichtlich im März die Briefzustellung einstellen und wird das bundesweite Zustellnetz der Pin zusammenbrechen. Denn im März läuft das Insolvenzgeld aus, das inzwischen 38 der 90 Gesellschaften über Wasser hält.

Kein Wunder also, dass Piepenburg bereits einen „Plan B“ in der Schublade hat. Er nennt es „regionale Lösung“. Im Klartext: Die Pin Group wird aufgesplittet. Denn es gibt durchaus profitable, regionale Töchter unter dem Dach der Gruppe, für die sich Investoren finden lassen müssten – trotz Mindestlohn für Briefträger. Piepenburg räumt ein, dass einige Pin-Firmen ohnehin höhere Löhne als den seit Januar gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohn zahlen. Namen wollte er aber nicht nennen. Doch ist es in der Branche kein Geheimnis, dass Briefdienste in Ballungsräumen durchaus als ernsthafte Konkurrenten des Ex-Monopolisten Deutsche Post auftreten und ihm kräftig Marktanteile abjagen, beispielsweise in Berlin.

Gerade für die Verlagshäuser sieht auch die Bundesnetzagentur weiterhin Chancen in der Branche. Denn der Mindestlohn gilt ausdrücklich nur für solche Firmen, deren Mitarbeiter zu mehr als 50 Prozent damit beschäftigt sind, Briefe zu befördern. Taxifahrer etwa oder auch Zeitungsausträger, die nur nebenher Briefe zustellen, fallen nicht unter die Mindestlohn-Regelung.

granzow@handelsblat.com

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