Inside: Pin Group
Neuanfang in der Nische

Der Postdienstleister Pin Group machte in den letzten Tagen damit Schlagzeilen, dass dem Unternehmen nach beschlossenem Mindestlohn die Pleite droht. Doch die Probleme des Konzerns liegen nicht nur in dieser politischen Entscheidung begründet und reichen dabei bis ins Management.

DÜSSELDORF. Unmittelbar nachdem der Bundestag den Weg für den Postmindestlohn freigemacht hatte, zog Europas größtes Zeitungshaus Axel Springer die Notbremse: Der Mehrheitsgesellschafter drehte seiner Brief-Tochter Pin Group den Geldhahn zu. Der defizitären Pin droht nun die Insolvenz und Springer 700 Millionen Euro an Abschreibungen.

Ein Desaster, "meine größte Niederlage" klagte Springer-Chef Matthias Döpfner. Schuld sei der "zu hohe" Mindestlohn und damit die Politik. Doch das Risiko "Mindestlohn" war längst bekannt, als Döpfner kaufte. In der Branche löste der hohe Kaufpreis (510 Millionen Euro für knapp 50 Prozent) Kopfschütteln aus. Zumal die Post damals bereits mit Preissenkungen drohte.

Es sieht ganz nach schweren Managementfehlern aus. Angetreten war Pin als "nationaler Konkurrent der Deutschen Post", von Anfang an verfolgte das Unternehmen einen aggressiven Expansionskurs. Damit das Geschäftsmodell von Pin überhaupt funktioniert, müssen die Zusteller viel weniger verdienen als bei der Deutschen Post. Der "hohe" Mindestlohn macht die Pläne zunichte, auf absehbare Zeit Gewinne zu erzielen. Doch auch trotz Niedriglöhnen kann Pin die Gehälter nicht bezahlen. Dabei gibt es den Mindestlohn noch gar nicht. Ursächlich für die Krise ist vielmehr die Einkaufstour von Vorstandschef Günther Thiel, der ein nationales Postnetz aus Zustelldiensten der Zeitungsverlage zimmerte. Konkurrent TNT aus Holland beispielsweise agierte bei ähnlichem Konzept deutlich vorsichtiger und plant auch keinen Arbeitsplatzabbau.

Die Pin Group ist ein Sammelsurium von weit über 50 zugekauften regionalen Zustellfirmen meist von Zeitungshäusern, die im Briefgeschäft große Verdienstchancen witterten. Doch in der Gruppe hakt es gewaltig. Zwar sind einige Firmen in Ballungsräumen wie Berlin offenbar profitabel, doch besonders auf dem Land türmen sich die Verluste. Die interne Kooperation klappt nicht reibungslos. Die Gruppe hat nicht die Größen- und damit die Produktivitätsvorteile wie die Post. Zum Ausbau eines nationalen Briefnetzes braucht es aber einen langen Atem.

Das hat offenbar auch die Pin-Führung begriffen. Sie will das Unternehmen auf eine neue Basis stellen, in einer ertragreichen Nische und unter Umgehung des Mindestlohns durch verstärkten Einsatz von "billigeren" Zeitungszustellern. Springer hat Unterstützung signalisiert. Denn mit der Fortführung könnte der Schaden begrenzt werden. Heute soll der Verwaltungsrat der Pin eine Entscheidung fällen.

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