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Post: Schnäppchen-Preis

Wir lassen nichts anbrennen - auch wenn unser Service echt heiß ist.“ Mit diesem Spruch wirbt die Deutsche Post neuerdings sogar auf Servietten. Sie wurden ausgerechnet auf der Veranstaltung verteilt, auf der Post-Chef Frank Appel den Einstieg der Deutschen Bank bei der Finanztochter Postbank bekannt gab. Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann hat sich knapp 30 Prozent an dem Institut gesichert.

Dass bei der Post jemand der Postbank eine Träne nachweint und dafür eine Serviette braucht könnte durchaus sein. Denn der Konzern verliert einen stabilen Gewinnbringer. Appel hat bereits die Ergebnisprognose korrigiert. 2009 erwartet er nur noch 3,4 Milliarden Euro Gewinn (Ebit), mit der Postbank sollten es 4,7 Milliarden Euro sein.

Tatsächlich hat daher wohl Ackermann nichts anbrennen lassen und dürfte sich eine Freudenträne - wohl möglich mit Hilfe der Serviette - verdrückt haben. Denn er ist mit der Beteiligung an der Postbank einen gewaltigen Schritt beim Ausbau des Geschäfts mit den Privatkunden voran gekommen.

Dafür hat er dann auch auf den ersten Blick mit knapp 2,8 Milliarden Euro einen hohen Preis bezahlt. Denn insgesamt wird die Postbank mit rund neun Milliarden. Euro bewertet. An der Börse war sie zuletzt deutlich weniger wert.

Doch der Schein trügt. Denn die Deutsche Bank kauft auch einen Großkunden der Postbank-Filialen mit ein: Die Deutsche Post. Sie bezahlt kräftig für die Leistungen, die die Postbank für sie in ihren Filialen erbringt. Jährlich streicht die Postbank über 500 Millionen Euro dafür ein, dass weiterhin Briefmarken verkauft und Pakete in den Postbankfilialen aufgegeben werden können.

Ackermann kann also den Kaufpreis langfristig aus den Provisionszahlungen der Post finanzieren. Ein Kauf zum Schnäppchenpreis. Möglicherweise erklärt das seine gute Laune bei der Vorstellung des Deals mit der Post. Dafür hat er sogar das Treffen der europäischen Finanzminister in Nizza sausen lassen.

Wie immer, wenn bei der Post in diesen Tagen etwas geschieht, wirft ein Mann Schatten: Ex-Post-Chef Klaus Zumwinkel, der Anfang des Jahres über eine private Steueraffäre stolperte. Er war es, der zum 1. Januar 2006 die 850 Hauptfilialen der Post an die Postbank für 986 Millionen Euro in bar verkaufte. Diese Postbank-Center befinden sich in den Innenstädten und gelten als die Flaggschiffe im Filialnetz der Post. Damals wechselten auch 9600 Beschäftigte der Post zur Postbank. Ziel Zumwinkels war es, die Vertriebskraft der Postbank zu stärken. Sie sollte die Möglichkeit erhalten, wie eine eigenständige Bank mit einem eigenen Filialnetz aufzutreten. Gleichzeitig sparte er bei der Post durch Outsourcing Kosten.

Zumwinkel hatte die Finanztochter im Sommer 2004 an die Börse gebracht. Im Hinterkopf hatte er dabei wohl schon damals die Abnabelung der Tochter, die nicht so recht zum Logistikkonzern Post passt. Inzwischen arbeitet die Postbank an einem eigenen Konzept für die 856 Filialen. Die Bankdienstleistungen sollen stärker in den Vordergrund gerückt werden.

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