Inside: Railion
Mit Volldampf nach Europa

Jahrzehntelang ging der Weg nur in eine Richtung: Der Güterverkehr wanderte von der Schiene auf die Straße ab, der Marktanteil der Bahn sank ständig. Doch inzwischen zeichnet sich eine Trendumkehr ab. Einer der Motoren dieser Entwicklung ist Railion, die Güterverkehrstochter der Deutschen Bahn. Mit der angekündigten Übernahme der English Welsh & Scottish Railway macht der Branchenprimus einen ganz großen Schritt.

DÜSSELDORF. Nach mühevollen, verlustreichen Jahren absolvierte die Railion 2006 ein Rekordjahr in puncto Ertrag und Wachstum. Begünstigt von der Konjunktur, hält die positive Entwicklung an. Im europäischen Vergleich hat sich Railion zum Branchenprimus entwickelt: Die Verkehrsleistung, gemessen in gefahrenen Kilometern und beförderten Tonnen, lag im vergangenen Jahr doppelt so hoch wie bei den nachfolgenden Branchengrößen, der Polnischen PKP und der Französischen Staatsbahn SNCF.

Früher als die Nachbarn hat Railion entdeckt, dass die Güterbahn eine europäische Dimension hat. Schienentransporte lohnen weniger auf den nationalen Distanzen einiger paar hundert Kilometer. Doch wenn zwischen Versender und Empfänger tausend und noch mehr Kilometer liegen, dann rechnet sich der Bahntransport wieder. Knapp sechs von zehn Tonnen befördert Railion inzwischen auf internationalen Langstrecken.

Früher auch als andere hat der deutsche Bahnkonzern erkannt, dass er sich im Transport- und Logistikgeschäft der Schiene international aufstellen muss. Die Anfänge waren bescheiden: Übernommen wurden die Gütersparten der kleinen Bahnen in den Niederlanden und in Dänemark, die dann auch unter der Flagge Railion firmieren. Da kauften sich die Deutschen noch viele von den Problemen, die sie selbst noch gar nicht überwunden hatten – sie waren bei unflexiblen und unproduktiven Partnern eingestiegen. Nach diesen teuren Erfahrungen war die Expansionsphase dann etwas verhaltener. Zwar gibt es mittlerweile auch eine Railion Italia und seit diesem Jahr auch die Railion Schweiz, doch das sind kleine Mittelständler im großen Schienenmarkt. Statt mit Übernahmen sicherte sich Railion in der letzten Zeit Marktpräsenz außerhalb der Heimat bevorzugt über vielfältige Kooperationsmodelle mit anderen Bahnbetreibern.

Doch mit der jetzt angekündigten hundertprozentigen Übernahme der English Welsh & Scottish Railway, der führenden Güterbahn auf der britischen Insel, macht Railion wieder einen ganz großen Schritt. Ihn muss man im Zusammenhang mit der Mehrheitsübernahme bei dem spanischen Schienenlogistiker Transfesa sehen: Damit nimmt Railion den nicht sonderlich geliebten Partner SNCF, der sich bislang störrisch den europäischen Liberalisierungstendenzen auf der Schiene widersetzt, buchstäblich in die Zange.

Zwar weisen Railion-Manager pflichtschuldig auf die enge Kooperation mit den Franzosen hin, doch kommen sie über die Zukäufe selbst in den bislang abgeschotteten Markt hinein. Denn die Briten haben bereits Lizenzen für Güterverkehr in Frankreich. Und gemeinsam mit den Spaniern lassen sich lukrative Langstreckenverkehre von der iberischen Halbinsel nach Mitteleuropa auf die Schiene holen. Bisher scheiterte das am wenig kundenorientierten, häufig unzuverlässigen Staatsbahn-Trott der Franzosen. So hat die SNCF-Güterbahn nicht einmal eigene Lokführer.

Nach Westen hat sich die Bahntochter nun gut aufgestellt, auf der Nord-Süd-Route von Schweden bis Italien ist sie auch im Geschäft. In Osteuropa werden Akquisitionen folgen. Und schon heute ist klar: Das einstmals hässliche Entlein DB Cargo ist zum stolzen Schwan, zum führenden Player im europäischen Schienengüterverkehr geworden.

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