Inside: Schenker
Ohne die Mutter an die Börse?

Mit 600 eigenen LKW in Deutschland fährt die Bahn-Tochter Schenker bislang nur einen geringen Anteil der europaweiten Transporte selber. Das soll sich in Zukunft ändern. Schließlich will man im Geschäft bleiben. Aber eine Verlagerung auf die Schiene ist offenbar kein Thema. Die Wachstumspläne haben einen handfesten Hintergrund: Die Bahn will an die Börse.

DÜSSELDORF. Es ist schon ein wenig widersinnig. Da wollen Verkehrspolitiker, seien sie schwarz, gelb, grün oder rot, mehr Güterverkehr von der Straße auf die Schiene verlagern, doch was macht die Deutsche Bahn? Sie baut ihr wachstumsstarkes LKW-Transportgeschäft unter dem Dach der Tochter Schenker kräftig aus. Dem geplanten Börsengang des noch staatseigenen Konzerns werden damit sogar verkehrspolitische Ziele geopfert.

Zwar vermeidet die Bahn in ihrem Geschäftsbericht konsequent das Kürzel LKW und spricht lieber vom Ausbau des Landverkehrs von Schenker, da sich dahinter auch das Schienengeschäft verbirgt. Doch das macht mit rund 800 Millionen Euro nur 16 Prozent des gesamten Umsatzes von Schenker in der Sparte Landverkehr aus. Der Rest entfällt auf LKW-Transporte, und angesichts der guten Konjunktur boomt hier das Geschäft. Die Kapazitäten werden bereits knapp.

Daher will Schenker den eigenen Fuhrpark aufstocken, wie Finanzchef Marco Schröter bestätigt. Ein Horrorszenario für alle Fürsprecher der Bahn. Mit 600 eigenen LKW in Deutschland fährt Schenker bislang nur einen geringen Anteil der europaweiten Transporte selber. Das soll sich in Zukunft ändern. Schließlich will man im Geschäft bleiben. Aber eine Verlagerung auf die Schiene ist offenbar kein Thema. Es klingt wie ein Armutszeugnis für die Bahn.

Den Ausbau will sich die Bahn, obwohl schon heute hoch verschuldet, auch noch einiges kosten lassen. Norbert Bensel, der für Transport und Logistik zuständige Bahn-Vorstand, jedenfalls will mit Schenker weiter zweistellig wachsen und dazu auch wieder zukaufen. Dabei hat sich die Bahn erst kürzlich für rund eine Milliarde Euro das US-Luftfrachtunternehmen BAX einverleibt und mit Schenker verschmolzen.

Die Wachstumspläne haben einen handfesten Hintergrund: Die Bahn will an die Börse und braucht eine gute Börsen-Story. Konzernchef Hartmut Mehdorn hat dabei offenbar ins rheinische Bonn geblickt. Dort sitzt die Deutsche Post. Warum sollte der Bahn nicht gelingen, was Post-Chef Klaus Zumwinkel bereits erfolgreich vorgemacht hat? Aus der „Schneckenpost“ wurde durch zahlreiche spektakuläre Zukäufe einer der größten Logistikkonzerne der Welt. Mit der „Bimmel-Bahn“ könnte dies doch wohl auch gelingen – dank Schenkers LKW.

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