Inside: Telegate
Warten auf die Schecks

Seit Jahren streitet Andreas Albath mit der Deutschen Telekom vor Gericht. Der Chef des Auskunftsdienstleisters Telegate will von den Bonnern insgesamt 100 Millionen Euro zurückhaben, die er seiner Ansicht nach zu viel berappen musste, um Kundendaten einzukaufen. Doch der Ex-Monopolist weigert sich zu zahlen. Vor ein paar Wochen kam es allerdings zu einer überraschenden Wendung.

MÜNCHEN. Auf einmal hat die Telekom zwölf Millionen Euro auf das Konto der Münchener überwiesen. Nicht wenige Beobachter werteten die Zahlung als eine Art Schuldeingeständnis, obwohl die Telekom offiziell nach wie vor nicht einlenken will. Dabei ist Deutschlands größter Telekommunikationsanbieter vor Gericht schon mehrfach unterlegen.

Telegate hingegen ist in einer komfortablen Situation. Die Urteile in der dritten und entscheidenden Instanz fehlen zwar noch. Doch das Management geht fest davon aus, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis der nächste Scheck eintrifft.

Die Aussicht auf einen Geldregen dürfte vor allem die Aktionäre freuen. Analysten rechnen bereits damit, dass das börsennotierte Unternehmen eine Sonderdividende ausschütten wird, wenn die Millionen erst einmal da sind. Allerdings könnte Telegate zumindest einen Teil davon auch nutzen, um die eigene Expansion voranzutreiben. Das wiederum könnte den Aktienkurs beflügeln, der seit Monaten seitwärts tendiert.

Die Investoren sind skeptisch, was die Geschäftsentwicklung jenseits der Telekom-Überweisungen anbetrifft. Zwar war Telegate im ersten Halbjahr deutlich profitabler als vor einem Jahr. Der Umsatz ist allerdings leicht zurückgegangen.

Auf zwei Feldern wird sich entscheiden, ob die Bayern künftig eine Wachstumsgeschichte erzählen können oder nicht. In Frankreich muss Telegate vorankommen und weitere Marktanteile erobern. Dort ist der Konzern 2006 gestartet, als die Regierung den Markt für den Wettbewerb geöffnet hat. Im Juni sind nun zum ersten Mal keine Verluste mehr aufgelaufen. Außerdem braucht Telegate neue Einnahmen jenseits der klassischen Telefonauskunft.Diese lassen sich vor allem im Internet erzielen. Dort versucht das Unternehmen, allerlei Dienstleistungen rund um die Telefonnummern zu liefern. Das Geld kommt dabei durch Werbung in die Kasse. So setzt Telegate darauf, dass sich Firmen immer öfter dafür entscheiden, auf Reklame im Telefonbuch oder den Gelben Seiten zu verzichten und ihr Geld stattdessen ins Netz stecken. Nach eigenen Angaben entscheiden sich jeden Monat 750 Kunden für diese Option.

Die Aussichten sind gut, dass das Internet neben der Auskunft per Telefon zum wichtigen Umsatzbringer wird. Denn für Unternehmen haben Online-Einträge auf der Telegate-Seite Vorteile: Die Angaben lassen sich jederzeit verändern und sind nicht für ein Jahr fix wie im Telefonbuch. Dazu kommt: Wer will, kann sogar kleine Filme bereitstellen und so als Gastronom zum Beispiel seine Hotelzimmer vorführen.

Noch nennt Telegate keine Zahlen zum Geschäft im Internet. Wenn das Unternehmen aber seinem alten Werbespruch „da werden Sie geholfen“ treu bleibt und besser ist als der Wettbewerber Telekom, dann werden die Kunden auch das Online-Angebot nutzen.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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