Inside: Tui
Für Schnäppchenjäger

Der Machtkampf der Großaktionäre beherrscht die Schlagzeilen: Auf der einen Seite der norwegische Reeder John Fredriksen, mit fast zwölf Prozent inzwischen größter Einzelaktionär der Tui, auf der anderen der russische Stahl-Oligarch Alexej Mordaschow, auch Zehn-Prozent-Anteilseigner.

Die öffentliche Konfrontation überschattet eine andere Frage, die die übrigen Tui-Aktionäre beschäftigen muss. Beschlossene Sache ist bei den Großaktionären der Verkauf der Schifffahrtssparte Hapag-Lloyd. Was kommt danach? Was ist von der Tui nach dem Verkauf der traditionsreichen Reederei noch übrig? Ein auf Zukunft programmiertes Touristikunternehmen, wie es der auf den Hauptversammlungen für Kursentwicklung und häufige Strategiewechsel stets heftig gescholtene Konzernchef Michael Frenzel gerne malt? Oder ein Schnäppchen zum Ausschlachten?

Die Zahlen lassen alles möglich erscheinen. Die Tui AG ist an der Börse derzeit 4,5 Milliarden Euro wert. Für einen Konzern mit 21 Milliarden Euro Umsatz ist das nicht eben aufregend - und doch schon Ergebnis eines Kursanstieges seit Ende Januar, ausgelöst durch den Kampf der Großaktionäre. Damals lag der Börsenwert bei gerade 3,3 Milliarden Euro.

Ein Verkauf von Hapag-Lloyd soll eine Summe in die Kasse bringen, die weit über dem Börsenwert liegt. Schätzungen beginnen bei fünf Milliarden Euro und enden bei sechs bis sieben. Mit den Verkaufserlösen wird Tui zum Schnäppchen: Der Konzern könnte auf einen Schlag die Nettoverbindlichkeiten von fast vier Milliarden Euro ablösen. Und es bliebe immer noch Cash übrig. Das wäre ein idealer Zeitpunkt für einen Investoren, um einzusteigen - es sei denn eine spannende Story treibt den Börsenwert vorher in neue Höhen.

Oder Vorstandschef Frenzel verteilt den Überschuss blitzschnell als Sonderausschüttung an die Aktionäre. Bisher gibt es aber nur das vorgestern vom Tui-Vorstand geäußerte, eher vage Versprechen, die Aktionäre maximal am Verkaufserlös zu beteiligen.

Ganz gleich, wie das ausgeht: Tui ohne Hapag-Lloyd ist nicht mehr das heute an der Börse gehandelte Unternehmen. Ihr werden sechs Milliarden Euro Umsatz und dreistellige Ergebnisbeiträge fehlen. Hinzu kommt: Die Touristikaktivitäten gehören der AG nur noch zu 40 Prozent. Denn das Geschäft läuft in der seit September 2007 an der Londoner Börse gehandelten Tui Travel, dem Gemeinschaftsunternehmen mit den Aktionären des früheren britischen Reiseveranstalters First Choice Holidays. Die Mehrheit gab Tui im Frühjahr zugunsten einer Wandelanleihe auf. Das verbliebene Aktienpaket hat nach rückläufiger Kursentwicklung seit der Emission einen Wert von knapp zwei Milliarden Euro.

Viel bleibt in Hannover nicht übrig. Größter Aktivposten ist die Tui Hotels & Resorts - eine kleine aber hoch profitable Sparte, die mit bescheidenen 380 Mill. Euro Umsatz halb so viel Gewinn bringt wie die Touristik mit 15 Milliarden Umsatz. Richtig appetitlich für Schnäppchenjäger.

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