Inside: Wal-Mart
Im Clinch mit den Kulturen

Damit hat der US-Handelsriese Wal-Mart wohl zu allerletzt gerechnet: Ausgerechnet Pekings Kartellbehörden stellen sich der geplanten Übernahme der chinesischen Supermarktkette Trust-Mart entgegen. Ursache der strengen staatlichen Kontrolle ist keineswegs das scharfe chinesische Wettbewerbsrecht. Schuld an der Zitterpartie ist Wal-Mart selbst.

DÜSSELDORF. Dabei hält das Übernahmeziel einen mickrigen Marktanteil von 0,4 Prozent, Wal-Mart selbst kommt im Land der Mitte sogar nur auf 0,3 Prozent. Nur zum Vergleich: Deutsche Wettbewerbshüter pflegen erst dann in Alarmstimmung zu geraten, wenn bei Fusionen die Marke von 30 Prozent in Sicht kommt.

Ursache der strengen staatlichen Kontrolle ist keineswegs das scharfe chinesische Wettbewerbsrecht. Schuld an der Zitterpartie ist Wal-Mart selbst. Wie weiland in Deutschland, wo sich die Amerikaner jahrelang Scharmützel mit der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi lieferten – sei es um die Offenlegung der Unternehmensbilanzen, sei es um das Flirtverbot am Arbeitsplatz –, setzte Wal-Mart auch in China auf einen straffen Anti-Gewerkschaftskurs. Niemand, so scheint es, hatte der Konzernspitze in Bentonville/Arkansas gemeldet, dass dort immer noch eine kommunistischen Partei regiert. Die aber verstand keinen Spaß. Ihre Funktionäre drohten, so erzählt man sich in den Topetagen internationaler Handelskonzerne, Wal-Marts Supercenter dicht zu machen, falls dort Betriebsräte an ihrer Arbeit gehindert würden.

Zähneknirschend kam Wal-Marts China-Statthalter Joe Hatfield, ein 62-jähriger Kettenraucher aus dem Mittleren Westen und einstiger Freund des längst verstorbenen Konzerngründers Sam Walton, dieser „Bitte“ nach. Von einer friedlichen Koexistenz mit der kommunistischen Regierung aber ist der mit 316 Milliarden Dollar Umsatz weltgrößte Handelskonzern immer noch weit entfernt.

Dabei steht in China für Wal-Mart – und speziell für Konzernchef Lee Scott – viel auf dem Spiel. Scheitert er nach seiner Riesenschlappe in Deutschland und dem Rückzug aus Süd-Korea nun auch noch auf dem größten Einzelhandelsmarkt Asiens, zerplatzt damit die komplette Expansionsstrategie. Weil der Riese in den USA an die Grenzen seines Wachstums stößt, sucht er sein Heil zunehmend im Auslandsgeschäft.

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