Inside: WCM
Ausverkauf zur Schuldentilgung

Ob fehlgeschlagene Aktiendeals oder Schieflagen bei Immobiliengeschäften – kaum ein Unternehmen in Deutschland hat in den vergangenen Jahren so viel Kapital vernichtet wie die Frankfurter Beteiligungsgesellschaft WCM. Aus dem einst milliardenschweren M-Dax-Wert, der in seinen Glanzzeiten große Anteilspakete an der Commerzbank und am Bonner Immobilienkonzern IVG hielt, ist ein Penny-Stock geworden.

HAMBURG. Dennoch ist die WCM weiterhin an der Börse notiert. Fragt sich nur, wie lange noch. Denn auf den Konzern lasten Steuerforderungen der Finanzämter von rund 250 Millionen Euro – mehr als die Hälfte des Grundkapitals ist deswegen bereits aufgezehrt. Aus dem operativen Geschäft wird die WCM die Kapitallücke nicht schließen können – der Handel mit Firmenbeteiligungen und Immobilien wurde eingestellt.

Und das aus gutem Grund: Denn kaum eine Bank hätte dürfte der angeschlagenen Gesellschaft noch frisches Geld geborgt, um größere Firmenübernahmen zu finanzieren. Zu viele Negativ-Schlagzeilen hatten zuvor das Vertrauen in das Management zerstört.

Damit bleibt Vorstandschef Roland Flach wenig Spielraum. Er kann sich nur noch von den restlichen Firmenbeteiligungen der WCM trennen, um den Schuldenberg abzutragen und die Liquidität zu sichern. Doch viel zum Verscherbeln ist nicht mehr da. Die IVG-Beteiligung ist bereits weg, 3 000 Wohnungen wurden an den US-Finanzinvestor Blackstone verkauft.

Bleiben also nur die Maternus-Kliniken und der Duisburger Maschinenbauer Klöckner-Werke. Der Verkauf des Klinikunternehmens gilt jedoch als schwierig. Denn angesichts der Misere am deutschen Gesundheitsmarkt sind Käufer rar. Besser sieht es bei Klöckner aus. Auf das Herzstück des traditionsreichen Unternehmens – den profitablen Abfüllanlagen-Spezialisten KHS – sollen mehrere strategische Interessenten ein Auge geworfen haben. Dazu gehören unter anderem der Bochumer Anlagenbauer Gea sowie der weltgrößte Abfüllanlagenhersteller Krones. Auch mehrere ausländische Finanzinvestoren sollen interessiert sein, heißt es.

Fraglich ist aber, ob Flach einen attraktiven Preis für Klöckner erhält. Denn er steht unter einem massiven Zeitdruck: Bis zum Sommer nächsten Jahres muss er den größten Kreditgeber der WCM, die HSH Nordbank, auslösen. Ansonsten könnte die Bank das Darlehen fällig stellen und ihr bestehendes Pfandrecht auf das Aktienpaket an Klöckner ausüben. Dies wissen natürlich auch die Kaufinteressenten. Sie dürften deshalb auf Zeit spielen, um Klöckner zum Schnäppchenpreis zu bekommen.

Flach hat aber kaum eine andere Wahl, als diese Kröte zu schlucken. Doch der Verkauferlös für Klöckner – der aktuelle Börsenwert beträgt 530 Millionen Euro – dürfte gerade ausreichen, um den bestehenden Schuldenberg abzubauen. Damit wäre die WCM aber immerhin für Investoren attraktiv, die sich für eine börsennotierte Gesellschaft mit einem Verlustvortrag von fast einer Milliarde Euro interessieren.

Sollte sich aber noch der Fiskus mit seinen hohen Steuerforderungen durchsetzen, gäbe es wohl keine Hoffnung mehr. Für Flach bliebe dann nur noch der Gang zum Insolvenzrichter. Damit stünden aber die restlichen WCM-Aktionäre mit leeren Händen da. Und die Beteiligungsholding würde wieder zu dem werden, was sie einst einmal war – eine leere Börsenhülle.

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