Insider-Information: Weiterer Dämpfer für Börsenfusion

Insider-Information
Weiterer Dämpfer für Börsenfusion

Beratungen mit nationalen Kartellbehörden haben die EU-Generaldirektion Wettbewerb offenbar in ihrem Nein zur Fusion von Deutscher Börse und Nyse bestärkt. Eine endgültige Entscheidung fällt voraussichtlich am 1. Februar
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BrüsselDie Chancen der Deutschen Börse und der New Yorker Nyse auf grünes Licht der EU-Wettbewerbshüter für ihre Milliardenhochzeit schwinden. Die nationalen Wettbewerbshüter in der EU seien mit dem erwarteten Nein der EU-Kommission zur Börsen-Fusion einverstanden, erklärte eine mit dem Vorgang vertraute Person. Der Beratungsausschuss der nationalen Kartellbehörden habe die entsprechende Empfehlung der Generaldirektion Wettbewerb unterstützt. „Die GD Wettbewerb war zufrieden mit dem Ergebnis“, sagte der Informant der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag.

Das Votum der nationalen Behörden hat zwar keine bindende Wirkung für die Entscheidung der EU-Kommission, doch sie stärkt die Position von EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia. Der oberste Wettbewerbshüter der EU will die Fusion Insidern zufolge verbieten. Die beiden Börsenbetreiber setzten darauf, einige der anderen 25 EU-Kommissare oder Präsident Jose Manuel Barroso umzustimmen. Theoretisch könnte Almunia überstimmt werden, das ist Experten zufolge allerdings sehr unwahrscheinlich. Die Kommission entscheidet voraussichtlich am 1. Februar über die Börsenfusion.

Deutsche-Börse-Chef Reto Francioni und Nyse-Chef Duncan Niederauer wollen nun versuchen, das Ruder mit einer Lobby-Offensive in letzter Minute herumzureißen - und hoffen dabei Verhandlungskreisen zufolge auch auf Unterstützung durch die Politik. Die Bundesregierung hatte allerdings schon signalisiert, dass sie sich nicht in die Entscheidung der unabhängigen EU-Behörde einmischen werde.

Den EU-Wettbewerbshütern ist besonders die Marktmacht des fusionierten Unternehmens im Handel mit Optionen und anderen Derivaten ein Dorn im Auge. Die Börsen-Tochter Eurex und die zur Nyse gehörende Londoner Liffe kämen im Derivate-Handel an europäischen Börsen zusammen auf einen Marktanteil von über 90 Prozent. Den außerbörslichen Handel (OTC), der einen Großteil des Marktes ausmacht, blendete die Behörde dagegen aus. Diese - aus Sicht der Börsen falsche - Betrachtungsweise wollen die Konzerne in Gesprächen mit den übrigen Kommissaren und der Politik thematisieren, wie ein Insider Reuter sagte.

Francioni und Niederauer warben in einem Schreiben an alle 27 Kommissionsmitglieder für die Fusion und wiesen darauf hin, dafür Auflagen zum Schutz des Wettbewerbs akzeptieren zu wollen. Almunias Beamten gingen die Zugeständnisse Insidern zufolge aber nicht weit genug. Francioni wird sich am Mittwoch auf einer Konferenz in Luxemburg voraussichtlich zu dem Thema äußern.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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