Insider
Metro zerschlägt das Sorgenkind Real

Der Düsseldorfer Metro-Konzern peilt offenbar den Verkauf seines Sorgenkinds Real in Häppchen an – und zwar außerhalb des deutschen Heimatmarkts. An der Börse legen Metro-Aktien deutlich zu.
  • 2

DüsseldorfDer Handelsriese Metro bereitet Insidern zufolge die Zerschlagung des internationalen Geschäfts der Supermarktkette Real vor. Der Düsseldorfer Konzern steuere auf einen Verkauf von Real außerhalb des deutschen Heimatmarkts zu und peile dabei an, Real-Landesgesellschaften einzeln zu veräußern, sagten mehrere Insider am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. Es zeichne sich ab, dass der Konzern Real International nicht im Paket verkaufen werde. Ein Metro-Sprecher lehnte eine Stellungnahme ab. Metro-Aktien legten deutlich zu.

Der Konzern hatte die Supermarktkette Real und die Warenhaustochter Real bereits seit langem ins Schaufenster gestellt - der Handelsriese will sich auf sein Geschäft mit Großmärkten und Europas größter Elektronikkette Media-Saturn konzentrieren. Pläne zum Verkauf der Warenhauskette Kaufhof hatte der seit Jahresbeginn amtierende Metro-Chef Olaf Koch indes auf Eis gelegt. Im Falle von Real will er bis zum Jahresende über die Zukunft der Kette entscheiden. Zuletzt hatte er aber angedeutet, dass das Inlandsgeschäft der Supermarktkette bei Metro verbleiben könnte.

Denn hier kann Metro hohe Verlustvorträge nutzen - schreibt Real in Deutschland nachhaltig schwarze Zahlen, treibt dies die zuletzt bröckelnden Gewinne des Konzerns. Anders sehe es mit dem Auslandsgeschäft aus, sagten Insider - hier zeichne sich ein Verkauf ab. Dabei könnten Landesgesellschaften einzeln veräußert werden.

"Man ist der Ansicht, dass die Werthaltigkeit der Einzelteile größer ist als bei einem Paketverkauf", sagte ein Insider Reuters. Die juristische Selbstständigkeit der einzelnen Landesgesellschaften werde vorbereitet, um sie besser veräußern zu können, sagte eine weitere mit dem Vorgang vertraute Person. Es gebe Interessenten für die Landesgesellschaften, nur ein Verkauf von Real in Polen könne sich als schwieriger erweisen, berichtete ein weiterer Insider.

Real ist mit 108 Märkten in Osteuropa - unter anderem in Russland, Polen und Rumänien - sowie in der Türkei vertreten, in Deutschland gibt es 312 Standorte. Real beschäftigt insgesamt knapp 50.000 Menschen. In den ersten neun Monaten 2012 hatte die Kette im Ausland einen Umsatz von rund 2,1 Milliarden Euro eingefahren. Metro-Chef Koch hatte erst am Dienstag gesagt, ein Verkauf des Auslandsgeschäfts von Real sei eine Möglichkeit, eine Entscheidung solle bis Jahresende fallen.

Ein Verkauf wäre ein Befreiungsschlag für den zuletzt in Bedrängnis geratenen Konzern - die lange schwächelnden Metro-Aktien legten am Mittwoch bis zu 3,9 Prozent auf ein Vier-Wochen-Hoch von 23,08 Euro zu und waren damit zeitweise größter Gewinner im Nebenwerteindex MDax. In den vergangenen Monaten hatte der Handelsriese den Abstieg seiner Aktien aus dem Dax verkraften und Koch seine Gewinnerwartungen für 2012 zurücknehmen müssen. Zudem stuften wichtige Rating-Agenturen Metro herunter. Am Dienstag legte Koch dann Zahlen für das dritte Quartal vor - der Gewinneinbruch fiel dabei noch stärker aus als von Analysten befürchtet.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Insider: Metro zerschlägt das Sorgenkind Real"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • ein ziemlich "liebes" Kommentar, die Realität ist aber viel härter, Real Ausland steht zum Verkauf, damit die Metro ans Geld kommt.
    Deren Anleihen sind auf (fast) Ramsch-Niveau herabgestufft; sich Geld von dem "freien" Markt zu besorgen, wäre für die Metro sicherlich sehr teuer

  • METRO findet sich schlecht in den neuen Realitäten zurecht und handelt etwas langsam. Die Eigentümer werden nervös und erwirken, dass stetig Geld aus dem Konzern abgezogen wird. Zu dem INTERNET-Zeitalter und REIFEN MÄRKTEN Realität kommen so auch Geldabflüsse.

    Aber METRO sendet Führungsnachwuchskräfte an den Nordpol:
    http://www.metrogroup.de/internet/site/antarctic/print/239467/Lde/index.html
    Das ist ein gutes Timing ... hier die Probleme in der realen Welt und dort isolierte Entscheidungen aus warmen Büros der Personalabteilungen.

    METRO hat AMAZON schlicht verschlafen. Da helfen leider auch keine gesponserten Trips Weniger an der Nordpol. METRO verschläft auch kleine Fachhändler, die auch geschickt mittels INTERNET auch "kleine MEDIA MARKT´s" darstellen können. Das ist ZEITGEIST.

    METRO muss sich NEU erfinden. Ob es das kann ? Wenn es die METRO nicht kann, werden die Eigentümer die METRO scheibchenweise zerlegen und an dem Meistbietenden verkaufen. Schlimm ist es nicht. Unternehmen wachsen aber auch ein gekonntes Schrumpfen ist eine reale Option.

    Die Verwaltereneration ist hier eh am Werk. Die METRO-Gründer haben Großartiges geleistet in einer stürmischen Aufbruchszeit der Chancen. Die Sorgen der Eigentümer von damals waren sicher größer. Heute stellen sich die jetzige Eigentümergenerationen und Clans ganz andere Fragen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%