Insiderverdacht
Air Berlin stürzt an der Börse ab

Der Verdacht wiegt schwer: Air-Berlin-Chef Joachim Hunold und weiteres Führungspersonal sollen ihr Insiderwissen genutzt haben, um am Aktienmarkt das große Geld zu machen. Das Unternehmen bezeichnet die Vorwürfe zwar als „absurd“, die Anleger beruhigt das aber keineswegs. Sie flüchten panisch. Denn eine Air Berlin ohne Hunold scheint unvorstellbar.

HB/tak STUTTGART. Der Kurs des MDax-Titels brach am frühen Nachmittag um rund 8 Prozent auf nur noch 15,30 Euro ein. Damit hat er sich weit von seinem 52-Wochen-Hoch von 21,50 Euro entfernt. Die heftige Reaktion setzte gleich nach Bekanntwerden der Vorwürfe am Dienstagmorgen ein und steigerte sich dann über Mittag. Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft hatte mitgeteilt, dass sie gegen die Führung von Air Berlin wegen des Verdachts auf Insiderhandel Ermittlungen aufgenommen hat. Ein Sprecher des Unternehmens bestätigte am Dienstag die Ermittlungen, wies aber die Vorwürfe zurück.

Die Ermittlungen richten sich laut Staatsanwaltschaft gegen sechs Beschuldigte, darunter Vorstand und Aufsichtsratschef des Unternehmens. Bundesweit wurden am Dienstag zehn Gebäude untersucht. Wie der Air-Berlin-Sprecher bestätigte, wurden Protokolle von Aufsichtsrats- und Vorstandssitzungen eingesehen.

Die Ermittlungen stehen im Zusammenhang mit der Übernahme der Münchner Fluglinie DBA durch Air Berlin im vergangenen August. Hunold, Aufsichtsratschef Johannes Zurnieden, drei Abteilungsleiter und ein Unternehmensfremder werden von der Staatsanwaltschaft verdächtigt, seit Juni 2006 Insiderwissen über die geplante Übernahme „einer Luftfahrtgesellschaft in München“ verwendet und kurz nach Abschluss einer Geheimvereinbarung über den Beginn von Übernahmeverhandlungen massiv Aktien des eigenen Unternehmens gekauft zu haben. Erst im August wurde die Übernahme der DBA bekannt gegeben.

Das Gesamtvolumen der Aktiengeschäfte soll 1,5 Mill. Euro betragen haben. Der Kauf der Papiere sei erfolgt, noch ehe eine Ad-hoc-Mitteilung über den Kauf des Konkurrenten veröffentlicht worden sei. Allein der Vorstand und der Aufsichtsratsvorsitzende hätten dabei Aktien im Wert von 1,47 Mill. Euro erworben, teilte die Staatsanwaltschaft weiter mit.

„Wir bestreiten, dass zum Zeitpunkt des Kaufs der Aktien der DBA-Kauf schon beschlossen war“, betonte der Unternehmenssprecher. Er wisse nicht, was der „wahre Hintergrund der Geschichte“ sei.

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