Insolvente Air-Berlin-Tochter

Ryanair ist an Teilen von Niki interessiert

Die Billigfluglinie Ryanair spricht mit den Verwaltern von Niki über einen Kauf von Teilen der insolventen Airline. Für Niki tickt die Uhr: Für die Air-Berlin-Tochter muss in einer Woche eine Lösung gefunden werden.
Update: 15.12.2017 - 14:22 Uhr 2 Kommentare

Niki kämpft um Niki

Niki kämpft um Niki

Wien/DüsseldorfDer irische Billigflieger Ryanair erwägt den Kauf von Teilen der insolventen ehemaligen Air-Berlin-Tochter Niki. Das Unternehmen habe deswegen die Verwaltung der Niki Luftfahrt GmbH kontaktiert, teilte Ryanair am Freitag mit. Ryanair hatte zuletzt Interesse an den Start- und Landerechten von Niki am Berliner Flughafen Tegel signalisiert.

Für die insolvente Air-Berlin-Tochter Niki bleibt nur wenig Zeit für eine Rettung. Es müsse binnen sieben Tagen eine Lösung gefunden werden, sagte Niki-Betriebsratschef Stefan Tankovits am Freitagvormittag dem ORF. Andernfalls liefen die wichtigen Start- und Landerechte der Fluggesellschaft aus.

Derzeit wird ein Retter für die österreichische Fluggesellschaft gesucht. „Der Investorenprozess wird in Frankfurt fortgesetzt“, sagte ein Sprecher des Insolvenzverwalters Flöthers. „Wir hoffen auf einen Abschluss vor dem Auslaufen der Start- und Landerechte“, sagte er. Zu möglichen Angeboten wollte sich Flöthers Sprecher am Freitagvormittag nicht äußern. „Wir geben keine Details bekannt.“

Firmengründer Niki Lauda hatte zuvor bereits ebenfalls Interesse angemeldet. Lauda traf am Morgen einer Sprecherin zufolge zu Gesprächen mit Insolvenzverwalter Lucas Flöther in Frankfurt ein. Die Zeit drängt dabei. Lauda hatte sich indes optimistisch geäußert, dass eine Lösung gelingen könne. Neben dem ehemaligen Rennfahrer denkt auch der Reiseveranstalter Thomas Cook über eine Übernahme nach.

Die Bundesregierung geht davon aus, dass der nach der Air-Berlin-Insolvenz gewährte staatliche Kredit in Höhe von 150 Millionen Euro möglicherweise nicht in voller Höhe zurückgezahlt wird. „Es ist richtig, dass, indem jetzt Niki Insolvenz angemeldet hat, Verkaufserlöse aus diesem Vertragsteil natürlich nicht zur Verfügung stehen“, sagte eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums am Freitag in Berlin. Damit könne es sein, dass möglicherweise nur ein Teil des Kredits zurückgezahlt werden könne. Der Kredit sei in voller Höhe ausgezahlt worden. „Nähere Bezifferungen, was wir unter einem Teil oder möglicherweise einem Teil einer Rückzahlung verstehen, kann ich derzeit nicht vornehmen. Das müssen wir sehen, das hängt von den weiteren Prozessen ab.“ Die Bundesregierung sei nicht daran beteiligt, sich um Interessenten für die insolvente Niki zu bemühen.

Eigentlich hatte die Lufthansa Niki übernehmen wollen. Die Kranich-Airline hatte sich dann aber gegen einen Kauf entschieden und führte kartellrechtliche Bedenken der Europäischen Kommission zur Begründung an. Nach Angaben des österreichischen Verkehrsministeriums drohen mit der Einstellung des Niki-Flugbetriebs in den nächsten zwei Wochen rund 5000 Passagiere zu stranden.

Einen genauen Überblick darüber, wie viele gestrandete Passagiere sie bereits zurückgebracht haben, haben die übrigen Airlines nicht. Insbesondere die Selbstbucher würden jetzt ganz normal Plätze für ihre Rückflüge kaufen, hieß es am Freitag beim Lufthansa-Konzern einschließlich der Swiss, Austrian und Eurowings. Diese Passagiere erhielten im Nachgang eine Preisreduktion um die Hälfte, wenn sie nachweisen, dass sie zu den Niki-Geschädigten gehören. Zum Zeitpunkt der Buchung seien sie aber nicht als Niki-Kunden erkennbar, erläuterte ein Sprecher.

Beim Ferienflieger Condor aus der Thomas-Cook-Gruppe wird seit Donnerstag ein Sonderflugplan mit sieben Jets geflogen, um die Urlauber insbesondere von den spanischen Inseln und aus Ägypten nach Hause zu bringen. Dieses Angebot richtet sich zunächst an die Reiseveranstalter, die für ihre Pauschalgäste Ersatzflüge anbieten müssen. Es soll auch im Januar fortgeführt werden.

Einzelgäste, die ihre Niki-Tickets selbst gebucht hatten, wurden von der Condor bislang unentgeltlich auf Restplätzen mitgenommen, auf die man am Flughafen bis kurz vor Abflug warten muss. Ab Samstag könnten Einzelplätze in den Sondermaschinen auch über die sonst üblichen Wege gebucht werden, kündigte ein Condor-Sprecher an. Hier bestehe die Möglichkeit, sich im Nachhinein 50 Prozent des Flugpreises erstatten zu lassen mit einem Niki-Nachweis. Auch die Tuifly setzt Sondermaschinen ein, um die Urlauber zu transportieren.

  • rtr
  • dpa
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2 Kommentare zu "Insolvente Air-Berlin-Tochter: Ryanair ist an Teilen von Niki interessiert"

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  • Vielleicht mal vor dem Schreiben den Verstand einschalten, soll manchmal helfen.
    Mit Hähme und dummen Sprüchen sind noch nie Probleme gelöst worden.

  • "Es müsse binnen sieben Tagen eine Lösung gefunden werden, sagte Niki-Betriebsratschef Stefan Tankovits am Freitag dem ORF. Andernfalls liefen die wichtigen Start- und Landerechte der Fluggesellschaft aus. "

    Ist doch ganz einfach:

    Die beste geschäftsführende Bundesregierung aller Zeiten nimmt das Füllhorn (vulgo: Steuermittel) in die Hand und stellt einen dreistelligen Milionenkredit zur verfügung. Einfach so, schnell und unbürokratisch.

    Falls das Geld im Nirwana landet: Egal, ist ja Steuergeld.

    https://www.welt.de/wirtschaft/article171584048/Niemand-hatte-die-Absicht-150-Millionen-Euro-zu-verschleudern.html

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