Insolvente Air Berlin Unternehmer Utz Claassen will offenbar mitbieten

Der ehemalige EnBW-Chef Utz Claassen will einem Medienbericht zufolge in den Bieterwettbewerb um Air Berlin einsteigen. Der Gläubigerausschuss wird wohl am 21. September entscheiden, wer zum Zuge kommt.
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Der ehemalige EnBW-Chef könnte wohl noch in den Bieterwettbewerb um Air Berlin einsteigen. Quelle: dpa
Utz Claassen

Der ehemalige EnBW-Chef könnte wohl noch in den Bieterwettbewerb um Air Berlin einsteigen.

(Foto: dpa)

BerlinNach den Absagen von Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl und Ryanair galt Lufthansa als der große Favorit zur Übernahme der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin. Wie der „Spiegel“ nun erfahren haben will, steigt aber der ehemalige EnBW-Chef Utz Claassen in den Bieterwettbewerb ein. Der Unternehmer gerät immer wieder wegen eines Streits mit Carsten Maschmeyer um Investitionen in eine kleine Medizintechnik-Firma in die Schlagzeilen. Zudem verklagte er EnBW auf Pensionszahlungen in sechsstelliger Höhe.

Bei Air Berlin könnte er sich nun als Retter darstellen – wenn er bis zum 15. September ein konkretes Angebot abgibt. Bis dahin hat die Airline dem „Spiegel“ zufolge allen Anbietern Zeit gegeben. Am 21. September wolle der Gläubigerausschuss entscheiden, welcher Bieter zum Zuge kommt. Die zweitgrößte deutsche Airline verhandelt zudem mit dem Marktführer Lufthansa und weiteren Interessenten über den Verkauf von Unternehmensteilen. Am 26. September sei eine Aufsichtsratssitzung bei Lufthansa geplant.

Als Interessenten gelten auch Condor, Easyjet und der Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl, auch wenn dieser sich die Air-Berlin-Daten derzeit nicht näher anschauen will. Die verlustreiche Air Berlin hatte Mitte August Insolvenz angemeldet, nachdem der Großaktionär Etihad seine finanzielle Unterstützung aufgekündigt hatte.

Arbeitnehmervertreter kämpfen um eine Übernahme möglichst vieler der mehr als 8000 Beschäftigten durch den oder die jeweiligen Käufer. Am Montag gibt es dazu ein Treffen mit den Regierungschefs der Länder mit den beiden größten Air-Berlin-Standorten Berlin und Düsseldorf, dem Berliner Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) und Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU). Müller hatte das Treffen in dieser Woche angeregt, beide Politiker machen sich für die Lufthansa als Käufer stark.

„Wir wollen uns noch breiter aufstellen, damit sich die Bieter Gedanken machen“, sagte der Vize-Chef des Gesamtbetriebsrats, Wolfgang Fleischer. „Slots sind schön und gut“, sagte Fleischer mit Blick auf die begehrten Start- und Landerechte der Air Berlin. „Aber es muss sie auch einer bedienen.“

Diese Strecken streicht Air Berlin
Spottpreis für Flüge in die USA
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Air Berlin versucht offensichtlich, Geld in die leeren Kassen zu bekommen: Für einen Hin- und Rückflug in die USA muss man gerade einmal 333 Euro bezahlen – ein Spottpreis. Wer das Angebot wahrnehmen möchte, sollte sich allerdings beeilen. Denn die insolvente Airline streicht einige Langstreckenflüge - zum Großteil sind das Flüge in die Vereinigten Staaten.

Berlin - Abu Dhabi
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Als erstes fliegen allerdings Flüge in die Vereinigten Arabischen Emirate aus dem Angebot. Im Gegensatz zu diesem Solarflieger wird Air Berlin zukünftig in Abu Dhabi nicht mehr landen - zumindest nicht, wenn die Maschine in Berlin gestartet ist. Bisher wurden zwei Mal täglich Direktflüge von der deutschen Hauptstadt aus angeboten. Nun wird der erste am 17. September und der zweite am 1. Oktober gestrichen. Die Strecke war die defizitärste: Pro Monat wurden hier Verluste in Höhe von einer Millionen Euro verursacht.

Berlin - Chicago
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Als nächstes ist die Strecke Berlin – Chicago dran. Bisher war ein Flug einmal pro Tag möglich. Das ist in Zukunft nicht mehr so: Die Strecke soll zum 30. September wegfallen. Ab dann muss Air Berlin den Flugraum anderen überlassen.

Berlin – Los Angeles
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Ab dem 1. Oktober sind zwischen Berlin und Los Angeles bei Air Berlin keine Flüge mehr zu buchen. Eigentlich sollte diese Strecke vier Wochen später zu Beginn des Winterflugplans gestrichen werden, nun geht alles schneller. Bisher flog die Airline drei Mal pro Woche Los Angeles an.

Berlin - San Francisco
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Genauso ergeht es der Strecke Berlin – San Francisco: Auch die Streichung dieser Strecke wurde um vier Wochen auf den 1. Oktober vorgezogen. Bisher war San Francisco für Air Berlin-Kunden vier Mal pro Woche buchbar. Der Blick auf die Golden-Gate-Bridge bleibt also anderen Flugpassagieren vorbehalten.

Düsseldorf - Boston
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Von Düsseldorf aus wird nur ein Langstreckenflug gestrichen: Ab dem 1. Oktober können Air Berlin-Kunden von der NRW-Landeshauptstadt aus nicht mehr nach Boston fliegen. Bisher war das täglich möglich. Auch diese Streichung wurde um vier Woche nach vorne verlegt. Über der Skyline werden dann also keine Air Berlin-Maschinen mehr zu sehen sein.

Berlin - New York
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In Berlin bleiben nur zwei Langstrecken-Ziele, die Air Berlin noch anbietet: Nicht von den Streichungen betroffen sind Flüge nach New York, die weiterhin täglich starten sollen…

Wie „Der Spiegel“ erfahren hat, würde Easyjet möglicherweise auch Beschäftigte aus der Verwaltung und Technik übernehmen. Ihnen wurden bislang vergleichsweise geringe Chancen eingeräumt. Mit 1200 Kollegen sind nach Verdi-Angaben die meisten Verwaltungsmitarbeiter in der Berliner Zentrale beschäftigt. In der Technik arbeiten demnach in Berlin 700 Beschäftigte, in Düsseldorf 220.

Nach Informationen der „Börsenzeitung“ soll der Ferienflieger Condor eine Komplettübernahme der Air Berlin zumindest prüfen. Allerdings ist die in Frankfurt beheimatete Airline des Touristikkonzerns Thomas Cook nur ein Drittel so groß wie die Air Berlin. Vor einigen Tagen hatte es in Konzernkreisen geheißen, dass man für eine kleinere zweistellige Zahl von Flugzeugen bieten wolle.

  • dpa
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2 Kommentare zu "Insolvente Air Berlin: Unternehmer Utz Claassen will offenbar mitbieten"

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  • Ein ehemaliger Tennisspieler soll auch Interesse zeigen und mitbieten wollen .
    Alles wird gut !

  • Ach, dürfen jetzt auch schillernde Persönlichkeiten mitbieten? Vielleicht mag auch meine 9-jährige Tochter ein Angebot abgeben. Das wäre wohl seriöser.... Spaß beiseite - muss man denn über jeden Bieter berichten, der sich im großen Auktionssaal aufhält oder doch geht und die Hand heben will oder auch nicht?

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