Insolvente Air Berlin

Verdi und Ufo bislang ohne gemeinsame Strategie

Die Gewerkschaften Verdi und Ufo haben sich bislang noch zu keiner gemeinsamen Strategie beim Thema Air Berlin einigen können. Aktuell wird noch die Entscheidung abgewartet, wer die insolvente Airline übernehmen will.
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Bis zum 15. September will die Insolvente Airline Angebote von Bietern annehmen. Quelle: dpa
Air Berlin

Bis zum 15. September will die Insolvente Airline Angebote von Bietern annehmen.

(Foto: dpa)

Frankfurt/BerlinIm Ringen um die Zukunft der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin haben die Gewerkschaften bislang nicht zu einer gemeinsamen Strategie gefunden. Die DGB- Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat ein für Donnerstag vorgeschlagenes Gespräch mit der konkurrierenden Flugbegleiter-Organisation Ufo nicht wahrgenommen, wie beide Seiten am Freitag bestätigen.

Ufo-Tarifvorstand Nicoley Baublies hatte vorgeschlagen, schon vor einer Entscheidung des Gläubigerausschusses mit den Airlines zu reden, die möglicherweise Teile der Air Berlin aufnehmen werden. Er nannte dabei explizit die Lufthansa-Tochter Eurowings und den zur Thomas-Cook-Gruppe zählenden Ferienflieger Condor. Die Air Berlin in eigenverwalteter Insolvenz will noch bis zum kommenden Freitag (15. September) Angebote annehmen und möglicherweise bereits am 21. September den Gläubigerausschuss entscheiden lassen.

Wer im Airline-Poker mit am Tisch sitzt
Folgenreicher Insolvenzantrag
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Der Insolvenzantrag der Air Berlin zog eine Welle von Interessensbekundungen nach sich. Von Anfang an zeichnete sich ab, dass die Fluggesellschaft wohl von mehreren Konkurrenten übernommen wird. Neben zahlreichen Interessenten sind auch weitere Akteure in die Verhandlungen verwickelt: Nicht nur Experten des Insolvenzrechts, auch die Bundesregierung wirkt zumindest indirekt mit. Derweil konkretisieren die Interessenten ihre Wünsche.

Neu im Rennen
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Der frühere Formel 1 Champion Niki Lauda interessiert sich nun auch offenbar für Air Berlin. Der Ex-Rennfahrer will knapp 40 Maschinen der insolventen Airline und ihrer Tochter Niki übernehmen. Dafür will er zusammenarbeiten mit ...

Thomas Cook und Condor
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... dem Reiseveranstalter Thomas Cook und der Tochter Condor. Geht der Plan auf, erhält Niki Lauda 51 Prozent des Konsortiums. Er will dann ausschließlich touristische Ziele anfliegen. Für Fluggäste soll dabei Thomas Cook sorgen.

Aktionär zieht sich zurück – mit weitreichenden Folgen
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Seit 2012 ist Großaktionär der Staatskonzern aus Abu Dhabi mit einem Anteil von 29,2 Prozent an Air Berlin beteiligt. Wenige Tage, nachdem Etihad die Unterstützung entzogen hatte, sah sich Air Berlin zur Insolvenzanmeldung gezwungen. Dennoch widerspricht Etihad dem Eindruck, Air Berlin im Stich gelassen zu haben: Noch im April seien 250 Millionen Euro zur Verfügung gestellt worden. Diese Unterstützung habe man aber angesichts der „sich rapide verschlechternden Geschäftsergebnisse und Liquidität“ nicht weiter leisten wollen. Ein Großteil der 1,5 Milliarden Schulden dürfte wohl ohnehin am großen Partner hängenblieben.

Lufthansa dominiert die Verhandlungen
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In der nun eröffneten Bieterschlacht ist die Lufthansa ganz vorn dabei. Die Verhandlungen mit dem deutschen Marktführer, der die Übernahme schon seit Monaten vorantreibt, sollen am Freitag beginnen. Schon im Januar war dem umsatzstärksten europäischen Luftverkehrskonzern ein Teilerfolg gelungen: Damals wurden die Anmietung und faktische Übernahme von 38 Mittelstrecken-Maschinen genehmigt, was rund einem Viertel der Air-Berlin-Flotte entspricht.

Carsten Spohr
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Mindestens ein weiteres Viertel will der Lufthansa-Chef nun für seine Billigflieger-Gruppe Eurowings sichern. Diese sucht ohnehin zusätzliche Maschinen und Slots für die Mittel- und die Langstrecke. In Wirklichkeit verfolgt Spohr aber ein übergeordnetes Ziel: Den Billigflieger Ryanair von den größeren deutschen Flughäfen so weit wie möglich fernzuhalten. Um den Wettbewerb hochzuhalten, nimmt er dafür sogar größere Marktanteile anderer Anbieter in Kauf.

Die Konkurrenz
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Daher steht die Lufthansa ihren Konkurrenten auch nicht im Weg. Gespräche mit Easyjet und Tuifly sind nach Angaben von Air Berlin ebenfalls geplant. Auch der Reiseveranstalter Thomas Cook mit seiner Ferienflugtochter Condor interessiere sich an einer „aktiven Beteiligung an der Zukunft von Air Berlin“. Thomas-Cook-Feriengäste kommen ohnehin schon zu großen Teilen mit Air Berlin an ihr Ferienziel.

„Wir müssen zunächst die Entscheidungen abwarten“, meinte daher eine Verdi-Sprecherin. Wenn feststehe, welche Bieter den Zuschlag erhalten, sei man selbstverständlich zu einem Austausch mit der Ufo bereit. Mit der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC), die bei Air Berlin Tarifpartner ist, sei man bereits im Gespräch. Die Ufo ist hingegen bei Air Berlin nicht mit Tarifverträgen vertreten.

Baublies nannte die Verdi-Absage bedauerlich. Um die Interessen der Beschäftigten zu wahren, müssten die Gewerkschaften bei Air Berlin wie bei den „aufnehmenden Betrieben“ an einem Strang ziehen, um optimale Bedingungen für den Übergang herauszuholen.

Verdi verfolgt nach eigenen Angaben weiterhin das Ziel, möglichst viele Arbeitsplätze zu fairen Bedingungen zu erhalten. Einzelne öffentlich diskutierte Angebote beispielsweise der Geschäftsleute Hans Rudolf Wöhrl und Utz Claassen wollte die Sprecherin nicht kommentieren.

Baublies meinte hingegen, dass jedes Versprechen, die Air Berlin als Ganzes zu erhalten, „totaler Humbug“ sei. „Das Geschäftsmodell von Air Berlin ist gescheitert. Es gibt keine realistische Perspektive zur Weiterführung“, sagte der Ufo-Gewerkschafter. „Das Auftreten verschiedener Interessenten halten wir für reine Eigen-PR.“

  • dpa
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