Insolvente Airline
Lufthansa soll Jobabbau bei Alitalia planen

Für Alitalia endet heute Abend die Bieterfrist. Die Lufthansa will laut einem Bericht 500 Millionen Euro für Teile der insolventen Airline zahlen. Der deutsche Konzern plane jedoch die Streichung von zahlreichen Jobs.
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Rom/Frankfurt Die Lufthansa will einem Bericht zufolge 500 Millionen Euro für Teile der insolventen Fluglinie Alitalia bieten. Das schrieb die italienische Zeitung „Corriere della Sera“ am Montag unter Berufung auf mehrere mit der Situation vertraute Personen. Der Plan enthalte zudem den Abbau von rund 6000 Arbeitsplätzen sowie die Streichung von Kurz- und Mittelstreckenflügen. Ein Alitalia-Sprecher sagte auf Nachfrage: „Weder bestätigen noch dementieren wir den Bericht“. Vor Ablauf der Bieterfrist am Abend werde es keinen Kommentar geben.

Die Lufthansa erklärte am Montagnachmittag, man habe ein Angebot für einen Teil der angeschlagenen italienischen Fluggesellschaft abgegeben. Es sei ein Konzept für eine neu strukturierte Alitalia mit einem fokussierten Geschäftsmodell eingereicht worden, teilte das Unternehmen am Montag mit. „Damit hat sich die Lufthansa Group gegen die Abgabe eines Angebots für die gesamte Airline entschieden“, hieß es weiter. Über Details sei mit den bei Alitalia eingesetzten Kommissaren Stillschweigen vereinbart worden.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr hatte im Gespräch mit dem Handelsblatt in der vergangenen Woche offiziell Interesse an einer wie auch immer gearteten „neuen Alitalia“ bekundet. Italien sei für die Lufthansa nach den USA der wichtigste Auslandsmarkt, das Land sei ähnlich dezentral strukturiert wie Deutschland, so Spohr: „Deshalb haben wir großes Interesse daran, unsere Marktposition hier mindestens zu halten, besser noch zu steigern. Mit einer Alitalia in ihrer bisherigen Verfassung ist das nicht möglich. Ob das mit einer neuen Alitalia möglich ist, darüber führen wir gerade Gespräche.“

Die Bieterfrist endet am heutigen Montag. Die Liste der Interessenten dürfte übersichtlich sein. Der Billigflieger Ryanair hatte Ende September sein Interesse an Alitalia zurückgezogen.

Die einstige Staatslinie steckt seit Jahren in der Krise, im Mai hatte sie Insolvenz angemeldet. Die Regierung in Rom will verhindern, dass das Unternehmen mit mehr als 11.000 Mitarbeitern zerschlagen wird.

Um den Flugbetrieb zu gewährleisten, hatte das Kabinett am Freitag beschlossen, die Laufzeit des Brückenkredits für die insolvente Fluggesellschaft von November in diesem Jahr auf September 2018 auszuweiten. Auch die Frist für den endgültigen Abschluss des Verkaufsprozesses wurde verschoben: Ende April 2018 soll alles unter Dach und Fach sein.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt

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  • Der Lufthansa kann man nur wünschen, dass sie den Zuschlag nicht erhält, der hochgradig ineffiziente 'Staatsbetrieb' Alitalia passt nicht zur LH, die Slots sind das einzig Interessante, den Rest kann man vergessen.

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