Insolvente Baumarktkette
Alle Praktiker-Filialen bleiben zunächst offen

Praktiker-Insolvenzverwalter Seagon prüft die Lage bei der zahlungsunfähigen Baumarktkette. Er will möglichst viele Filialen und Arbeitsplätze zu sichern. Einzelne Standorte sind durchaus für die Konkurrenz interessant.
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DüsseldorfFürs Erste gilt: alles läuft weiter wie bisher in den Praktiker-Filialen. Der Verkauf werde in den kommenden Tagen fortgesetzt, teilte Praktiker-Insolvenzverwalter Christopher Seagon in einer ersten Stellungnahme mit. Alle Filialen von Praktiker und auch die ebenfalls insolventen Extra-Bau und Hobby-Märkte blieben geöffnet.

Um die rund 8600 betroffenen Mitarbeiter zu bezahlen, will Rechtsanwalt Seagon kurzfristig Insolvenzgeld beantragen. Zu der Zukunft einzelner Filialen wollte der Heidelberger Rechtsanwalt noch nichts sagen. Er müsse sich „die Situation sehr genau anschauen“. Ziel sei es, möglichst viele Filialen und Arbeitsplätze zu sichern. Ein Weiterverkauf zumindest einzelner Filialen dürften auf großes Interesse stoßen. Sowohl Obi als auch Hagebau und Hornbach haben Interesse angemeldet.

Das Amtsgericht Hamburg hatte Seagon, Partner bei der Kanzlei Wellensiek, gestern zum vorläufigen Insolvenzverwalter von acht zahlungsunfähigen Tochter-Unternehmen der Praktiker-Gruppe ernannt. Dabei handelt es sich unter anderem um die Praktiker-Baumärkte und den Praktiker-Onlineshop. Die Praktiker-Geschäftsführung hatte für die acht Unternehmen am Donnerstag Insolvenz beantragt. Die Märkte der Marke Max Bahr, die ebenfalls zu Praktiker gehören, sind nicht von der Insolvenz betroffen. Dasselbe gilt für das Praktiker-Auslandsgeschäft.

Jahrelange Fehler des Managements haben aus Sicht der Gewerkschaft Verdi zur Insolvenz der Baumarktkette Praktiker geführt. „Aus unserer Sicht ist der wesentliche Grund das Missmanagement der zurückliegenden Jahre - diese Rabattschlachten, 20 Prozent auf alles, war die falsche Strategie“, sagte Christiane Scheller, Sprecherin des Verdi-Bundesvorstands, am Freitag. „Die Leute kommen dann nur noch in die Filiale, wenn sie wissen, dass sie ein Schnäppchen machen können.“

Die Praktiker AG betreibt derzeit in verschiedenen Ländern unter verschiedenen Marken etwa 400 Baumärkte, mehr als 300 davon in Deutschland. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete die Aktiengesellschaft eigenen Angaben zufolge einen Umsatz von drei Milliarden Euro und beschäftigte knapp 20000 Mitarbeiter.

Die gesamte Branche hatte in den ersten Monaten des laufenden Jahres unter massiven Einbußen zu leiden. Der Gesamtumsatz der Bau- und Heimwerkermärkte sank im Zeitraum Januar bis Ende Mai um 6,2 Prozent auf gut 7,4 Milliarden Euro brutto, so der Branchenverband BHB. Ausschlaggebend für den starken Rückgang war der März. Kälte und Regen verhagelten die Nachfrage im Gartensortiment. Bei Pflanzen, Gartengeräten und Gartenmöbel sank der Branchenumsatz in den ersten fünf Monaten prozentual leicht zweistellig. Von einzelnen Unternehmen hieß es zu den Branchendaten, man habe deutlich besser abgeschnitten.

Mit Material von dpa.

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  • Normalität im Wirtschaftsleben ... nicht mehr und nicht weniger. Die Baumarktdichte ist schon enorm ... nicht jedes Unternehmen überlebt die Konkurrenz. So ist das nun einmal.

    "Ketten" vernichteten "TanteEmmaLäden für Werkzeug & Co.". "Ketten" vernichten nun "Ketten" und Internethandel bietet wieder auch kleineren spezialisierten Geschäften neue Handelsplattformen.

    Auch "Ketten" müssen sich um tragfähige Konzepte bemühen ... früh bemühen. "nur billig" reicht nicht. Kundenbindung u.a. ist gefragt. Ohne Wettbewerb würde es auch weder NEUES geben, noch günstige Preise.

    Die Lücke wird gefüllt werden. Verkaufskontigente anderer Baumärkte werden zunehmen, freie Flächen/Hallen wieder neu vermietet werden. Andere neue Baumärkte bieten auch wieder neue Jobs. Am Centro in Oberhausen war früher kein Baumarkt ... hier entstand ein neuer HORNBACH ... neue Jobs.

  • der insolvenzverwalter macht masse für seine kasse,die agentur für arbeit ,sprich die solidargemeinschaft,zahlt die löhne und der steuerzahler is der dumme,denn die einbehaltenen steuern sind verfrühstückt,denn die gläubiger ham sich schon längst MAX BAHR untern nagel gerissen für schlapp 80 mio und können für 120 - 150 mio verkaufen

    daß praktiker liquidität in MB gepumpt wurde,versteht sich von selbst

    aktionärs-,lieferanten-,vermieter- und nachrangige gläubigerverarsche vom feinsten und insolvenzverschleppung auf plumpe art

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