Insolvente Drogeriekette

Das Vermögen der Schlecker-Familie schmilzt dahin

Das Milliarden-Vermögen der Schlecker-Familie ist auf einen zweistelligen Millionenbetrag geschrumpft. Doch da kommt vor allem Patriarch Anton Schlecker nur bedingt heran.
Update: 04.06.2012 - 08:18 Uhr 75 Kommentare
Lars und Meike Schlecker stehen in Ehingen vor der Unternehmenszentrale der Schlecker-Drogeriemärkte. Quelle: dpa

Lars und Meike Schlecker stehen in Ehingen vor der Unternehmenszentrale der Schlecker-Drogeriemärkte.

(Foto: dpa)

Düsseldorf/EhingenNach Recherchen des Handelsblatt besitzt die Schlecker-Familie nach der Insolvenz nur noch 35 bis 40 Millionen Euro Privatvermögen. Das Geld sei zum größten Teil im Besitz der Kinder, bestätigen ehemalige Manager des Unternehmens. 2011 wurde das Vermögen der Schleckers noch auf 1,65 Milliarden geschätzt, auch wenn der Unternehmenswert in dieser Rechnung enthalten war.

Die Schlecker-Kinder Lars (40) und Meike (38) hatten den zweistelligen Millionenbetrag durch Auszahlungen ihrer Leiharbeitsagentur „Meniar“ (Menschen in Arbeit) erwirtschaftet – ein Subunternehmen der Familie, über das sie rund 4300 Arbeitskräfte, die von Schlecker entlassen wurden, zu deutlich schlechteren Konditionen in Leiharbeitsverträgen an Schlecker vermittelt hatte. Meniar wurde von Schlecker-Personalmanager Alois Over gegründet und als Geschäftsführer geleitet. Inhaber waren Schleckers Kinder, Geschäftssitz war Zwickau.

Nach Handelsblatt-Recherchen ist der Rest des Schlecker-Vermögens verbraucht. Um die Verluste zwischen 2004 und 2011 in Höhe von rund 650 Millionen auszugleichen, steckte Anton Schlecker den Großteil seines Privatvermögens in das Unternehmen. Der Rest ist Bestandteil der Insolvenzmasse. Schleckers Villa gehört seiner Frau. Seine Sportwagen sind Teil der Insolvenzmasse. Will er sie behalten, muss die Familie die Autos bei Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz auslösen.

Am Freitag entschieden die Gläubiger, Schlecker zu zerschlagen und den Geschäftsbetrieb einzustellen. Am Montag will Geiwitz in einer Pressemitteilung verkünden, welche Investoren welche Unternehmensteile und Auslandsgesellschaften übernehmen werden. Für 13.500 Schlecker-Frauen bedeutet das Schlecker-Aus die Arbeitslosigkeit.

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1950, Anfänge: Anton Schleckers Vater, der ebenfalls Anton heißt, eröffnet nach dem Krieg das erste Geschäft der Familie Schlecker. Eine Metzgerfiliale in der Bahnhofsstraße in Ehingen. Noch heute ist das Haus in Familienbesitz, wird von den Ehingern „Ur-Schlecker“ genannt. Die Ladenräume stehen heute leer, zuletzt versuchte sich ein 1-Euro-Laden.

Anton Schlecker
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1961-1974, Lehrjahre: Anton Schlecker lernt den Beruf des Metzgers bei „Schade&Füllgrabe“, einem Frankfurter Lebensmittelhändler. Nach der Lehre leitet er eine Filiale in Kronberg im Taunus. Danach macht er an der Metzgerschule in Augsburg seinen Meistertitel - mit 21 als jüngster in Baden-Württemberg. Er leistet seinen Grundwehrdienst und studiert Lebensmittelhandel an der Hochschule Hohenheim.

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1970-1973, Familie: Anton Schlecker lernt seine Frau Christa 1970 beim Tanztee in Göppingen kennen. Sie heiraten noch im gleichen Jahr. 1971 kommt Sohn Lars (links) zur Welt, zwei Jahre später Tochter Meike (rechts). Schlecker kauft der Familie in den 80er-Jahren ein Grundstück in Ehingen, baut dort die Villa der Familie.

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1975, Schleckers Imperium: In Kirchheim-Teck eröffnet der Unternehmer Anton Schlecker seine erste Drogeriefiliale. Seine Einkaufschefs überreden ihn dazu. Schon zwei Jahre später hat Schlecker 100 Filialen, 1984 sind es bereits tausend.

Lars und Meike Schlecker
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1987, Entführung: Am 23. Dezember werden Schleckers Kinder entführt. Drei bewaffnete Männer warten in der Villa. Die damals 14-jährige Meike und ihr Bruder Lars (16) werden in eine Holzhütte verschleppt, Christa Schlecker wird bewusstlos geschlagen. Die Lösegeldforderung: 18 Millionen Mark. Schlecker verhandelt. Über Nacht drückt er den Preis für das Leben seiner Kinder auf 9,6 Millionen Mark. Angeblich, weil er über diese Summe versichert ist. Seither schottet sich die Familie ab.

Schlecker
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1994-1999, Gerichtsverfahren: 1998 werden Schlecker und seine Frau Christa zu je zehn Monaten Bewährungsstrafe verurteilt und zu einer Millionenstrafe wegen Betrugs. Sie haben Mitarbeitern über Jahre vorgegaukelt, sie nach Tarif zu bezahlen, obwohl der Lohn weit darunter lag. 1999 ein zweiter Prozess. Durch Zufall hat man die Entführer seiner Kinder zwölf Jahre nach der Tat bei einem Raubüberfall erwischt. Sie gestehen. Schlecker sagt vor Gericht aus. Es ist der erste öffentliche Auftritt seit der Entführung. Die drei Täter bekommen langjährige Haftstrafen.

Schlecker
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2007, Abstieg: Die Ausdehnung von Schleckers Imperium ist auf dem Höhepunkt: 14.166 Filialen in 17 Ländern. Aber das Geschäft ist schon im freien Fall: 33 Millionen Euro Minus stehen Ende des Jahres unter dem Strich.

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75 Kommentare zu "Insolvente Drogeriekette: Das Vermögen der Schlecker-Familie schmilzt dahin"

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  • Sollen Maike und Lars Schlecher auch zum Altenpfleger und Erzieher dann umgeschult werden? Was wird mit den 40 Millionen Euro, die noch da sind? Dann müssen alle Arbeitslosen das Anrecht auf eine Umschulung und Fortbildung zu verringerten Zeiten, Erzieher normalerweise 3 Jahre Ausbildung erhalten! Oder nicht?

  • Ein himmelschreiender Skandal ist, wie die Familie Schlecker mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern umgegangen ist, um optimalen Profit zu erwirtschaften. Da wurden familieneigene Leihfirmen gegründet, um die Löhne niedrig zu halten. Aber sind nicht auch die Verbraucher mitverantwortlich, die dort eingekauft und einen "Tante Emma-Laden-Service" mit Videoüberwchung toleriert haben?

  • Haben die armen Schleckerfrauen von ihrem bisschen Lohn auch noch Mitgliedsbeiträge an ver.di bezahlen müssen ?

  • So ein UNSINN!
    In den DM Märkten geht es moralisch zu. Die Mitarbeiter werden geschätzt und nicht videoüberwacht! . Bloß kein Mitleid mit dem Ausbeuter Schlecker. Der Markt ist ja noch da und wer ihn übernimmt kann nur besser sein als diese Menschenverachter. Dann gibt es auch wieder Arbeitsplätze.

  • Genauso ist es. Die Vergütung der Insolvenzverwalter sollte sich am Erfolg seiner Sanierungsbemühungen orientieren und nicht an der Größe der Insolvenzmasse. Hier wird nämlich manipuliert ohne Ende, sodass am Schluss immer der mit Abstand dickste Brocken für den Verwalter übrig bleibt, der sich ohnehin großzügig bedient. Nicht für die Gläubiger ist dieses Gemauschel kaum durchschaubar, sondern auch die Gerichte sind personaltechnisch hoffnungslos damit überfordert sachgerechte Entscheidungen zu treffen. Stattdessen nicken sie alles ab, was der Insolvenzverwalter ihnen vorlegt. De facto ist die Insolvenzmasse nichts anders als ein Selbstbedienungsladen für den Insolvenzverwalter. Die Insolvenzverfahrenspraxis in Deutschland ist ein einziger himmelschreiender Skandal.

  • Ist das etwa so?: Der ältere Schlecker schmiss Mitarbeiterinnen raus, weil sie ihm zu teurer waren/weil er kein wirklich tragfähiges Konzept für den Umgang mit Mitarbeitern hatte und logische 2 Sekunden später erscheint seine Nachkommenschaft (fällt nicht weit vom Stamm) und erbietet sich zu organisieren, dass die Mitarbeiterin die gleiche Arbeit für weniger Geld fortführen könne. So richtig ausgebuffte Geldgiersäcke, die z.B. auch unsere Banken zu Wettbüros umfunktionierten ohne dass jemand das gemerkt hätte (auch nicht unsere Volksvertreter in den Aufsichtsräten) werden das toll finden; ich wünsche denen (Jung- und Alt-Schlecker) die Krätze an den Hals in einem Masse, dass ihnen das mit Meniar ergaunerte Geld keine Linderung mehr vermittelt.

  • Es mag für die Frauen gerade wegen ihres Alters schwierig sein eine andere arbeit zu bekommen.
    aber immerhin hat Schlecker solche Frauen überhaupt eingestellt. Für die schlechten Rahmenbedingungen die das erst ermöglichten kann Schlecker nichts und trägt somit auch nicht die Verantwortung, das ist an anderer Stelle verbockt worden.

    H.

  • hier von Diebstahl zu reden ist schlichter Blödsinn.
    Da stellt sich eher die Frage, wieso Schlecker so niedrige Löhne zahlen konnte, ohne das Ihnen die Mitarbeiter ausgingen. Das ist der eigentliche Skandal.

    Schlecker ist nun mal mit der Billigstrategie groß geworden, da verbietn sich hohe Löhne. Und offensichtlich gab es für diese Jobs Nachfrage. Das geht nur, wenn man besser bezahlte Jobs wohl nicht erhalten kann.
    Es ist daher viel zu einfach sich darüber zu beschweren, dass Schlecker keine hohen "Renten" gezahlt hat, auf die so mancher glaubt einen Anspruch zu haben.

    H.

  • Sie sprechen das Problem an.
    War Herr Schlecker schuld, dass die Frauen keine Ausbildung gemacht haben? Ich glaube nein.


    Dass Herr Schlecker ein unsympathischer, unmoralischer Despot ist läßt sich nicht verleugnen.

  • Seiner Verpflichtung aus dem Besitz ist Schlecker ja wohl offensichtlich nachgekommen.
    Er hat schließlich die Verbindlichkeiten mit dem größten Teil seines Privatbesitzes gedeckt.
    Man mag seine Niedriglohnpolitik zu recht kritisieren, aber das er sein Geld vorher in Sicherheit gebracht hätte, wie anderwo vielfach geschehen, kann man kaum behaupten.
    Das Ihneen immer noch Millionen bleiben finde ich nicht zu beanstanden.
    Es ist irgendwie schon abartig, das manche zu gleubne scheinen, dass unternehmerisches Scheitern bestraft gehört. Dabei erhöht solche Denke nur die Bereitschaft Risiken und Mitarbeiter zu vermeiden, statt zu begreifen, dass diejenigen, die unseren Wohlstand sichern, sich immer aus den Gescheiterten herausfiltern.
    wer also den Preis des Scheiterns noch mehr erhöhen will, bekommt am ende nur weniger Wohlstand und mehr Arbeitslosigkeit.

    H.

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