Insolvente Drogeriekette
Staatshilfen für Schlecker-Investoren

Baden-Württemberg hat potenziellen Schlecker-Investoren eine Bürgschaft in Aussicht gestellt. Marktforschern zufolge hat die insolvente Drogeriekette in den vergangenen fünf Jahren rund sechs Millionen Kunden verloren.
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Stuttgart/ OsnabrückDas Land Baden-Württemberg stellt potenziellen Investoren der insolventen Drogeriekette Schlecker staatliche Hilfe in Aussicht. „Sollte das Insolvenzverfahren auf eine Investorenlösung hinauslaufen und ein Investor ein tragfähiges Konzept vorlegen, ist eine Bürgschaft des Landes Baden-Württemberg denkbar“, sagte Wirtschafts- und Finanzminister Nils Schmid (SPD) der „Wirtschaftswoche“. Darüber hinausgehende finanzielle Unterstützung schloss Schmid jedoch aus: „Direkte Hilfskredite an Schlecker wird es aber nicht geben.“

Nach Erkenntnissen des Marktforschers GfK hat Schlecker in den vergangenen fünf Jahren rund sechs Millionen Kunden verloren. „Allein 2011 wanderten rund zwei Millionen Kunden ab“, sagte GfK-Handelsexperte Wolfgang Adlwarth dem Magazin „Wirtschaftswoche“ laut Vorabmeldung. Rund 40 Prozent dieser Umsätze seien bei Drogeriemärkten wie dm oder Rossmann gelandet, profitiert hätten aber auch Supermärkte und Lebensmitteldiscounter. „Insgesamt erlebte Schlecker in den vergangenen Jahren einen drastischen Rückgang der Käuferreichweite“, sagte Adlwarth. Vor einigen Jahren hätten noch 60 Prozent aller deutschen Haushalte mindestens einmal im Jahr bei Schlecker eingekauft, heute seien es nur noch 43 Prozent. Verantwortlich für den Kundenschwund seien vor allem die zahlreichen Ladenschließungen und das schlechte Image der Kette.

Die Drogeriemarktkette hatte am vergangenen Montag beim Amtsgericht Ulm Insolvenz angemeldet. Mit einem Planinsolvenzverfahren soll nun versucht werden, einen Großteil
der gut 7000 verbliebenen Schlecker-Filialen mit rund 30.000 Arbeitsplätzen im Lande zu retten.

Indessen gab Handelsexperte Manfred Hunkemöller der insolventen Drogeriemarktkette Schlecker den Rat, künftig auf den bisherigen Markennamen zu verzichten. Zwar hätten aktuelle Verbraucheranalysen ergeben, dass Schlecker „eines der bekanntesten Handelsunternehmen Deutschlands“ sei, der Ruf der Kette sei aber „für einen erfolgreichen Neustart sehr schwer belastet“, sagte der Geschäftsführer des Kölner Instituts für Handelsforschung (IFH) der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ vom Samstag. Zur Bewältigung der Krise empfahl er, auf den Markennamen IhrPlatz zu setzen.

Untersuchungen des IFH zufolge genießen die Schlecker-Konkurrenten dm und Rossmann ein deutlich besseres Image unter den Verbrauchern als Schlecker. „Die Diskussionen um Dumpinglöhne und Mitarbeiterschikanen bleiben beim Kunden in Erinnerung“, sagte Hunkemöller. Generell gelte, dass Verbraucher von einem Handelsunternehmen heutzutage auch Engagement für den Erhalt der Umwelt und Fairness im Wettbewerb erwarteten. Zwei Drittel der Befragten gaben in der IFH-Erhebung zudem an, mindestens einmal eine Handelskette boykottiert zu haben, wenn sie etwas Negatives über den Anbieter gehört haben.

Schlecker hatte am Montag offiziell Insolvenzantrag gestellt. Die Drogeriemarktkette strebt den Erhalt des Unternehmens, eines großen Teils der Filialen und damit auch der Arbeitsplätze an und beantragte daher die sogenannte Planinsolvenz. Auch die Schlecker-Tochter IhrPlatz reichte am Donnerstag den Antrag auf Einleitung eines Insolvenzverfahrens ein.

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dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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Kommentare zu " Insolvente Drogeriekette: Staatshilfen für Schlecker-Investoren"

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  • Na ich hoffe, dass Sie dann nie arbeitslos werden ;-)

  • Politiker sind leider sehr dumme Menschen. Sie meinen Schlecker retten zu müssen, weil die Mitarbeiter sonst ihre Arbeitsplätze verlieren. Wenn Schlecker verschwindet gibt es eine Marktbereinigung. Für diese zum größten Teil Teilzeit-Jobs finden Mitarbeiter schnell Ersatz. Die Kunden die bei Schlecker eingekauft haben, verteilen sich auf andere Läden. Dadurch entsteht zusätzlicher Bedarf und Filialausbau bei den noch funktionierenden Drogerieketten. Hier entstehen dann wieder zusätzliche Arbeitsplätze. Komisch, dass immer Firmen geholfen wird, die im Rampenlicht stehen. Wer hilft den Tausenden von Firmen, die jedes Jahr insolvent sind? Aber wie Erich schon richtig sagte: "Den Sozialismus in seinem Lauf halten weder Ochs noch Esel auf!" Schlecker ist der nationale Sozialismus und die EU ist der Europäische Sozialismus.

  • Immer der gleiche Mist, egal wer regiert! Moral Hazard ohne Ende.

    Ist die Investition erfolgreich kassiert der Investor den Gewinn. Geht es schief trägt das Land die Kosten.

    Damit lockt man vor allem jene Investoren an, die gar keine schlagkräftige Sanierungsvision mitbringen. Nur ein Investor, der bereit ist die Risiken selbst zu tragen, kann einen Laden wie Schlecker nachhaltig sanieren.

    Aber ist ja modern heutzutage dass Politiker in alles ihre Finger reinstecken.

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